Zuversicht zum Neuen Jahr

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Zeichnung von Deborah Keller.

 

Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen AG, für ihr neues Zeichen der Ermutigung. Am Ende eines anspruchsvollen, andauernden Pandemiejahres liegt uns daran, Sabine Herold und der kongenialen Zeichnerin Deborah Keller herzlich für die vielen Zeichen der Zuwendung, Zuversicht und Stärkung zu danken, die viele unserer Leserinnen und Leser dankbar aufnehmen. Wir freuen uns auf die Texte und Illustrationen im Jahr, das da kommen soll.

Gott 

wie oft sehe ich voller Angst und Schrecken 

auf Probleme und Schwierigkeiten, 

nicht nur die vergangenen und gegenwärtigen, 

sondern auch auf alles, 

was noch kommen könnte… 

Das trübt meinen Blick, 

das raubt mir die Kraft, 

das blockiert mein Denken, 

das lähmt mich ganz. 

Gott 

wie wenig sehe ich voller Hoffnung und Zuversicht 

auf trostvolle Lichtblicke, 

auf das, was heilsam und beglückend ist, 

auf deine Hilfe, auf dein Heil, auf deinen Beistand – 

auf DICH… 

Das würde mir 

meine Augen öffnen, 

meine Kraft erneuern, 

mein Denken klären, 

Neues ermöglichen. 

Gott 

ich will 

auf dich schauen, 

meine Augen auf dich ausrichten, 

auch meine Herzensaugen – 

und auf dich warten. 

HERR, ich warte 

auf dein Heil! 

AMEN 

© Pfarrerin Sabine Herold 

Wir Menschen sehen vor allem mit unseren Augen. Wir sehen verschiedenste Situationen, Menschen, Dinge… Doch wenn zehn Menschen dasselbe betrachten, nehmen sie Unterschiedliches wahr. 

Was sehe ich eigentlich alles? Was sehe ich zuerst? 

Was sehe ich bei anderen? Was sehe ich bei mir selbst? 

Nehme ich mir hin und wieder Zeit, etwas genauer 

anzuschauen, zu betrachten, zu be-achten – und zwar so, 

dass es auch zur Erfahrung, zum persönlichen Erleben wird? 

Worauf richte ich meinen Blick? Oder auf wen? 

Kann daraus vielleicht sogar eine echte Begegnung werden? 

Erkenne ich auch, was ich sehe, oder bleibe ich in der Tiefe blind? 

Wenn ich etwas wahrnehme, nehme ich es dann tatsächlich für wahr?1  

Das griechische Wort für «sehen» kommt ursprünglich von bewahren, beachten, wahrnehmen, spähen, wahren, gewahr, behutsam, Acht, Obhut. Es geht also darum sorgfältig zu betrachten, das Wahrgenommene behutsam zu bewahren und darauf zu achten. 

Es geht um eine vertiefte Wahrnehmung. 

Das Auge ist das Organ des Verstehens und Erkennens. 

Das Auge steht auch für Angesicht und hat übertragen mit Licht und Lichtblick zu tun. Das Wort beinhaltet sogar Trost, Hilfe sowie Liebling, Zierde, Krone, Perle. Die Augen sind somit etwas Kostbares, Wertvolles und können wohltuend und wohlwollend wirken – je nachdem, womit sie genährt werden, was sie sehen, was sie aufnehmen. 

Jesus sagt in Mt 6,22: «Das Auge ist das Licht des Leibes.» Die Augen sprechen für sich. Sie zeigen Ausstrahlung oder Leere. Sie blicken starr oder lebendig, hart oder freundlich. 

Der Apostel Paulus spricht in seinem Brief an die Epheser sogar von Herzensaugen: Er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid.2 

Das «Sehen mit den Augen» kann sich auch auf ein geistiges, prophetisches Schauen beziehen, und es ist unabhängig von der Sehkraft der Augen. Bei diesem Sehen sind nicht nur die Augen involviert, sondern auch die Wahrnehmung durch andere Sinne, wie zum Beispiel das Gehör oder der Verstand. 

So begleitet den alten Simeon viele Jahre lang ein inneres Bild und eine grossartige Zusage: Er wartet schon lange auf den Trost Israels und hat vom Heiligen Geist die Verheissung bekommen, den Messias, den Gesalbten des Herrn, den Retter noch zu seinen Lebzeiten zu sehen (nachzulesen in Lukas 2,22-35) 

Für Heiland steht im Urtext ein Adjektiv und wörtlich übersetzt sagt Simeon: Meine Augen haben deinen Rettenden, Heilbringenden gesehen… – was aber auch bedeutet: dein Heil, dein Glück, deine Rettung. Meine Augen haben das gesehen, was heilsam, heilbringend, beglückend ist. 

Im Alten bzw. Ersten Testament steht für Retter das hebräische Wort Jeschuah (jascha), das letztlich dem Namen Jesus entspricht. In diesem Namen ist Gottes Heil und Rettung für uns Menschen enthalten.

Dass Simeon mit seinen eigenen Augen tatsächlich das Heil Gottes, den Retter sehen, ihm begegnen und in die Arme schliessen darf, hilft ihm loszulassen und nun alles Gott zu überlassen – auch sich selbst und sein Leben. Nun kann Simeon in Frieden sterben, denn die Verheissung, die er durch den Heiligen Geist bekommen hat, hat sich leibhaftig erfüllt. So kann Simeon sagen: Herr, nun kann dein Diener in Frieden sterben, denn du hast deine Zusage erfüllt. Mit eigenen Augen habe ich dein Heil gesehen, das du für alle Völker bereitet hast – ein Licht, das die Nationen erleuchtet, und der Ruhm deines Volkes Israel.« (V. 29-32) 

Worauf warte ich eigentlich? Worauf warte ich vielleicht schon lange? 

Was erwarte ich für dieses neue Jahr? 

Worauf bin ich mit meinen Augen ausgerichtet – auch mit meinen Herzensaugen? 

Sehe ich vor allem auf das, was mir Angst und Sorgen bereitet, 

was ich aber sowieso nicht ändern oder beeinflussen kann? 

Oder sehe ich weiter und tiefer: Auf DEN, der mein Leben in der Hand hält, der meine Zukunft kennt, und bei dem ich am besten aufgehoben bin – 

mit allem, was war, was ist und was sein wird? 

Gottes Segen und Sicht für dieses neue Jahr wünscht von Herzen 

Sabine Herold 

1 Die kursiv gedruckten Wörter geben die Bedeutung des Wortes sehen wieder.

2 Epheser 1,18