Zuschrift: Zweifel an Gaudins “Rausschmiss”

Standard

 

 

Divisionär Jean-Philippe Gaudin, Panzer-, Generalstabs- und Geheimdienstoffizier, kompetent, führungsstark.

 

Roland Keller, Herausgeber der Basler Liberalen Nachrichten, sendet der Redaktion folgenden Kommentar zur Causa Gaudin:

 

Gehts beim Geheimdienst wirklich um Sexismus und Mobbing?

Oder lenkt Bundesrätin Amherd ab vom Rausschmiss des kompetenten

Zweisterne-Generals Jean-Philippe Gaudin, für den ihr die Gründe fehlen?

31.7.2021 Roland Keller

Es sind heftige Missstände, die eine interne Arbeitsgruppe des

Nachrichtendienstes des Bundes (NDB) im eigenen Betrieb anprangert.

Sie kommt zum Schluss, dass man die „Kultur des Dienstes von

Sexismus befreien“ müsse, wie der Tages-Anzeiger kürzlich offenlegte.

Die Untersuchungen sollen „katastrophale Ergebnisse“ zu Tage

gefördert haben, so Verteidigungsministerin Viola Amherd anlässlich

einer vertraulichen Sitzung. Den Geheimdienstchef, Zweisterne-General

Jean-Philippe Gaudin (58), drängte man gegen seinen Willen, den

Posten zu verlassen.

Nach nur drei Jahren wird der wohl kompetenteste Mann im

Geheimdienst ausrangiert, gewissermassen entsorgt.

Die Vorwürfe: 60 Prozent der Umfrage-Teilnehmenden fanden, dass im NDB wichtige Entscheide nicht rechtzeitig getroffen werden. Bei einer Organisation, die Terrorismus oder Spionage bekämpfen soll, kann dies fatal sein.

Als Gaudins Vorgänger Markus Seiler es zuliess, dass ein Mitarbeiter

Daten des NDB kopierte, diese mit einem eigenen Passwort sicherte

und aus dem NDB-Gebäude an den Sicherheitsleuten vorbei trottete,

passierte Seiler rein gar nichts.

Dies wäre in einem anderen Staat als Hochverrat geahndet worden. In

Russland hätte man Seiler wohl nach Sibirien verbannt. In Bern aber

geschah nichts. Auch Sexvorwürfe oder irgendwelche Genderhebel

wurden nicht angewandt. Die FDP liess es wohl nicht zu.

Armee-Chefin Amherd argumentiert, sie habe das Vertrauen in ihren

Geheimdienst-General verloren, weil sie sich in der Crypto-Affäre von

ihm nicht gut informiert gefühlt hätte.

Gaudin, vernetzt, anerkannt. 2017 wird er in Paris vom Chef d’état-major des armées, von Général François Lecointre, empfangen.

Das ist fadenscheinig. Die Crypto-Affäre war intern längst bekannt.

An Kompetenz fehlte es Gaudin nicht, also suchte man nach einem

Hebel, der todsicher funktioniert. Der Tages-Anzeiger schreibt:

„In der Personalumfrage hatten zwei Prozent der Teilnehmenden aus

dem NDB angegeben, sie seien in den 24 Monaten zuvor bei der

Bundesverwaltung sexuell belästigt worden. Sogar zehn Prozent

meldeten, sie seien im selben Zeitraum bei der Arbeit gemobbt

worden.“

Es ist nur zu menschlich, wenn Männlein und Weiblein sich näher

kommen. Und dass sich Menschen nicht verstehen und gegenseitig

schikanieren und fertig machen, ist ebenfalls nicht neu.

Es ist die Aufgabe der Personalabteilung, für Ausgleich und Frieden zu

sorgen. Man darf also vermuten, dass es sich nur um eine

vorgeschobene Begründung handelt.

Hatte es Bundesrätin und Verteidigungsministerin Amherd eventuell

gestört, dass das Personal im Bundeshaus durch den Geheimdienst

überprüft wurde?

Bei einer entsprechenden Überprüfung würden auch Bundesräte

gecheckt. Dies jedenfalls wäre die Aufgabe des Inland-Geheimdienstes,

eines Zweigs des NDB.

Vielleicht wären dann die „Crypto-Verbindungen“, mit all ihren

Kontakten in das Bundeshaus, bekannt geworden. Einige Damen und

Herrn hätten dann wohl ihre Hüte nehmen müssen.

Wollte man dies verhindern? Man kann nur mutmassen.

Sicher aber ist: General Gaudin muss gehen. Warum? Weil Verteidigungsministerin Amherd entschieden hatte, dass eine Frau an die Spitze des Geheimdienstes sein müsse?

Juliette Noto bekommt eventuell die

Spitzenposition im Nachrichtendienst, weil sie eine Frau ist. Verfügt sie

auch über langjährige Erfahrung und Kontakte?

Quotenfrau wäre ein Affront gegen Frau und zugleich gegen Fachfrau.

Juliette Noto leitet im NDB die zentrale Analyse. Fotos sind schwer erhältlich. Hier eine Zeichnung von einer Verhandlung in Bellinzona.

Eine Person soll ohne Erfahrung einen äusserst angreifbaren

Geheimdienst leiten? Mit welcher Grundlage? Mit welcher Ausbildung?

Wo erfolgte die fachspezifische Ausbildung? Belegte Frau Noto Kurse

beim britischen MI6 oder der CIA? Noto war am Bodensee

aufgewachsen und studierte an der HSG in St. Gallen Jura und in Paris

Politologie und Rechtswissenschaft.

Zurück zum gefeuerten General Gaudin: Nichts ist schwerer zu

überprüfen als sexuelle Übergriffe. Beweise? Selten. Niemand

hinterlässt eine Visitenkarte in den Höschen der Damen und Herrn.

Immerhin bleiben wir im Bundeshaus vorerst noch von solchem

Schmierzeug verschont. Nur: die Vorwürfe bleiben – Sex und Mobbing.

Alles keine faktischen Beweise, nur behauptete Vorwürfe. Warum? Weil es an harten Fakten fehlt, die man General Gaudin unterschieben könnte. Immerhin: Ein Nachfolger, eine Nachfolgerin ist noch nicht bestimmt. Der Genderhebel reicht nicht, um Kompetenz zu schaffen. Diese braucht nämlich langjährige Erfahrung, welche nun mit dem Rauswurf von Divisionär Gaudin fehlt.

Es sieht danach aus, als wollte man in der Schweiz zunehmend Qualität

abbauen, wie dies zur Zeit von Corona in zentralen Bereichen von

Gesellschaft und Wirtschaft geschieht.

Soll die Schweiz einnivelliert werden, damit sie in die EU passt? Es wird

gemunkelt, dass Jean-Philippe Gaudin genau dies nicht wollte. Er soll

auch ein Gegner des EU-Rahmenvertrages sein.

Pikant im Zusammenhang mit dem Abschuss Gaudins ist, dass ein

ehemaliger „Chef 002“ des Britischen MI6 bei der Credit Suisse wirkt.

Die CS stellte einen gewissen Martin Clements (Mitglied im Order of St.

Michael and St. George sowie im Order of the British Empire) als Berater

des Chairman ein. Clements unterstützt die Grossbank und deren

Innovations- und Technologieausschuss.

Ein ranghoher ausländischer Offizier in Schweizer Diensten ist nicht

ungewöhnlich.

Aussergewöhnlich hingegen ist sehr wohl, dass einer der höchsten Geheimnisträger des Vereinigten Königreich an zentraler Stelle in einer wichtigen Schweizer Bank beschäftigt ist.

Man darf vermuten, dass Clements seine Kontakte zum MI6 weiter pflegt

und wohl in der einen oder anderen Form für diesen weiterhin tätig ist.

Auch kann davon ausgegangen werden, dass General Gaudin weiss,

was Clements macht und welche Position er in der Schweiz wirklich

einnimmt. Bundesrätin und Verteidigungsministerin Amherd hingegen

dürfte mit grösster Sicherheit keine Ahnung davon haben.

Die Mitte-Magistratin kümmert sich lieber um zweifelhafte Gerüchte von

Sex und Mobbing, was eigentlich ins Ressort des Personalchefs des

Bundes gehört.