Zuschrift: “Soldaten im Feuer”

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Vorerst einmal herzlichen Dank an alle Leserinnen und Leser, die unserer Redaktion in diesen bewegten Tagen des Krieges und dessen Konsequenzen auch für unsere Schweizer Militärpolitik schreiben. Stellvertretend für alle greifen wir die Zuschrift von Oberst Martin W. Dreher heraus:

 

“Lieber Peter,

Mit grossem Interesse lese ich regelmässig Deinen Blog.
 
Kürzlich kam mir bei der Durchsicht meiner Bücher das dir ja sicher bestens bekannte Buch “Soldaten im Feuer” von S.L.A Marshall in die Finger.
Das Schlusswort scheint mir immer hochaktuell (siehe Anhang).
Ich  denke, man sollte dies wieder in Erinnerung rufen.
Alles Gute und freundliche Grüsse
Martin W. Dreher (Oberst)
Wallisellen
Marshall: 

Soldaten im Feuer «Men against fire»

Wer lange im Krieg gewesen ist und darüber reiflich nachgedacht hat, wird sich schliesslich der letzten Verantwortung bewusst: Es muss Einer vorangehen, damit die Nation leben kann. In diesem Gedanken liegt kein Minderwertigkeitsgefühl.  Man nimmt ihn zunächst einfach als Gesetz über Leben und Tod, über Untergang, Kampf und nationalem Weiterbestehen.
Erst im Laufe der Zeit kommt auch die Erkenntnis dazu, dass eine Nation untergehen muss, wenn zu wenige diese Wahrheit dort gefunden haben, wo sie einzig gefunden werden kann, und wenn alle die andern, die sie nicht gefunden haben, ihr unbewusst entgegen arbeiten, und sie verleugnen, weil ihnen diese Erfahrung nicht geworden ist.

Und so kommen wir zur letzten und grössten Erkenntnis, dass nämlich nationale Stärke einzig und allein in den Herzen und der Gesinnung der Menschen liegt. Armee, Flotte und Luftwaffe sind nicht die Hüter der nationalen Sicherheit. Die Lösung dieses ungeheuren Zukunftsproblems liegt ausserhalb ihrer Möglichkeiten. Das Bemühen um eine Lösung beginnt an der Wiege, wenn die Mutter sich entscheidet, ob sie das Kind am Gängelband führen oder zu einem Manne erziehen will.

Es geht weiter durch die Schuljahre hindurch, wo man die Kinder lehrt, entweder persönliche Interessen an erste Stelle zu rücken, oder an ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, dem Land und der ganzen Menschheit gegenüber zu denken. Es endet in den Parlamenten, wo unsere Gesetzgeber zu entscheiden haben, ob sie in unserer Jugend ein neues Pflichtbewusstsein wecken oder den bisherigen Kurs der Gleichgültigkeit weiterverfolgen wollen, weil er wahrscheinlich bei der Mehrheit der Wähler mehr Anklang findet.

Erschienen 1947, deutsche Übersetzung 1951, Verlag Huber, Frauenfeld