Zum 4. Advent

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Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen AG, herzlich für ihr Zeichen zum 4. Advent. Die Illustration stammt von Deborah Keller, Sulgen TG. Sabine Herold und Deborah Keller haben uns durch den so besonderen Advent 2020 begleitet und mit ihren kongenialen Beiträgen starke Beachtung gefunden.

 

 

Gebet 

Mir wurde gesagt, 

dass du kommen willst, 

Gott: 

zu mir 

in mein Haus 

in mein Leben 

in mein Herz. 

Mir wurde erzählt, 

dass du 

mich besuchen willst: 

mit deiner Barmherzigkeit 

mit deinem Licht 

mit deiner Gegenwart. 

Warum nur, 

frage ich mich 

und finde 

keine Antwort 

keinen Grund 

kein Argument. 

Wozu auch? – 

Ich glaube 

an dein Kommen 

an deine Ankunft 

an deinen Besuch – 

wann auch immer 

wo auch immer 

wie auch immer. 

Du, Gott, willst zu mir kommen – 

WILL-KOMMEN! 

AMEN 

© Pfarrerin Sabine Herold (20. Dezember 2020) 

 

Gott kommt 

Gott besucht sein Volk… Durch die herzliche Barmherzigkeit Gottes wird uns besuchen das aufgehende Licht aus der Höhe. (Lukas 1,68.78; vgl. 7,16) 

Stell dir vor, Gott würde sich bei dir für einen Besuch anmelden. 

Er würde dir sagen: 

«Ich komme zu dir. Ich besuche dich. Ich komme bald!» 

Was ginge dir durch Kopf und Herz? 

Was würdest du denken, fühlen, sagen? 

Was würdest du tun? 

Würdest du irgendwelche Vorbereitungen treffen – die Wohnung putzen, etwas kochen oder backen, eine Flasche vom besten Wein öffnen…? 

Oder hättest du Bedenken, ob er tatsächlich käme, und falls doch, wann…? 

Hättest du Zweifel, ob er überhaupt bei dir einkehren wollte – in deinem «Lebens-Stall»? 

Oder würdest du dich fragen, ob du ihn auch richtig verstanden hast, ob er wirklich dich meint? 

Gott ist der Gott, der mit seinen Menschen Gemeinschaft haben und mit ihnen unterwegs sein möchte. Er kommt. Er bleibt nicht auf Distanz, sondern er kommt ganz nah – mit seiner Gegenwart, mit seinem barmherzigen Wesen. 

Gott besucht sein Volk, seine Menschen. Und sein Besuch ist nicht nur eine «Stippvisite», sondern Gott will bei seinen Kindern bleiben und unter ihnen wohnen. 

Er selbst nimmt die Gestalt eines Menschen an. Er, das Wort, wird Fleisch, und wohnt unter uns: Am Anfang war das Wort; das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott… Er, der das Wort ist, wurde ein Mensch von Fleisch und Blut und lebte unter uns. (Johannes 1,14). 

Er nimmt die Gestalt eines Menschen an, und erniedrigt sich (Philipper 2,6-8). Er wird als Kind geboren, im «Welten-Stall». Sein erstes Bett ist eine Krippe. Er schläft auf Stroh. 

Und auch in späteren Jahren hat Jesus keinen festen Schlafplatz: Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihre Nester; aber der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sich ausruhen kann. (Matthäus 8,20) 

Jesus wird arm und macht doch unendlich reich: Ihr wisst ja, was Jesus Christus, unser Herr, in seiner Liebe für euch getan hat. Er war reich und wurde für euch arm; denn er wollte euch durch seine Armut reich machen. (2. Korinther 8,9). 

Und so lebt Gott in Jesus Christus unter den Menschen, wird einer von ihnen, lebt mit ihnen, leidet mit ihnen, berührt sie mit seinen Worten und Händen. Er spricht immer wieder neu Leben und Hoffnung in das Elend, bringt Heil und Heilung, entzündet neu den Funken der Liebe und weckt das Vertrauen. Er lädt die Menschen ein, sich ganz neu dem himmlischen Vater anzuvertrauen. 

Jesus selbst lebt es vor. Bei ihm geht es nicht um komplizierte Theorien und Theologien, sondern er macht es vor. Er lebt darin. Er ist in dieser Beziehung mit Gott Zuhause: «Ich und der Vater sind eins!» (Johannes 10,30) Der Sohn kann nichts von sich selbst aus tun; er tut nur, was er den Vater tun sieht. Was immer der Vater tut, das tut auch der Sohn. (Johannes 5,19) 

Auch wir dürfen nach Hause finden in diese lebendige Beziehung, und eine tiefe Verbundenheit mit Gott erleben. 

Gott macht den ersten Schritt auf uns zu. Er kommt zu uns. Er steht vor unserer Tür und klopft an: Merkst du nicht, dass ich vor der Tür stehe und anklopfe? Wer meine Stimme hört und mir öffnet, zu dem werde ich hineingehen, und wir werden miteinander essen – ich mit ihm und er mit mir. (Offenbarung 3,20; vgl. Johannes 14,23) 

Die Frage ist, ob wir Gott öffnen und uns auf die Lebensgemeinschaft mit ihm einlassen. Es ist das Beste, das wir tun können, aber es ist freiwillig. Die Entscheidung liegt bei uns. Gott zwingt uns nicht. 

Er zwingt sich nicht auf, aber er wartet. Er wartet, bis wir für seine Ankunft, bis wir für seinen Besuch bereit sind. 

Wie antwortest du auf Gottes Wunsch dich zu besuchen? 

Einen gesegneten 4. Advent wünscht von Herzen 

Pfarrerin Sabine Herold