Zum 3. Advent

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Illustration von Deborah Keller.

 

Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen AG, herzlich für ihr Wort zum 3. Advent 2020.

 

Gebet 

Gott, 

DU wendest dich 

deinen Menschen zu – 

auch dem einzelnen – 

auch mir! 

Du bietest deine Liebe an, 

die mehr ist als Menschenworte, 

mehr als Gefühle. 

Du ermöglichst den wahren Frieden: 

Frieden mit dir, 

Frieden mit mir selbst, 

Frieden miteinander. 

Darüber kann ich nur staunen – 

im schweigenden Vor-Dir-Sein, 

doch 

voller Dankbarkeit. 

Und nach dem Staunen 

über deine wunderbaren Gaben 

über diese wundersame Botschaft 

stimme ich mit ein 

in den Lobgesang der Engel. 

Ja: 

Ehre sei Gott in der Höhe 

und Frieden auf Erden 

für die Menschen, 

auf denen sein Wohlgefallen ruht, 

die er in seiner Liebe erwählt. 

Ehre sei dir, Gott, in der Höhe! 

AMEN 

© Pfarrerin Sabine Herold (13. Dezember 2020) 

 

FRIEDEN – dieses grosse Wort… 

In uns Menschen wohnt die Sehnsucht nach Frieden inne, nach Frieden auf Erden, nach Zuwendung und Angenommensein, nach Sicherheit und Heimat. 

Frieden im Neuen bzw. Zweiten Testament bedeutet Ruhe, Eintracht, Harmonie, Heil und Segen – wobei Jesus, der Friede-Fürst, alles andere als Harmonie gebracht hat, sondern die befreiende Wahrheit, durch die viele Menschen zum Frieden mit Gott gefunden haben. 

Das Wort Frieden in der Bibel geht auf den hebräischen Begriff «Schalom» zurück, der noch viel mehr beinhaltet: Gesundheit, Wohlergehen, Zufriedenheit, ein erfülltes Leben, Sicherheit, Unversehrtheit, Stabilität, Heil, Seelenruhe, Reich Gottes, Gastfreundschaft, Schutz, Einmütigkeit, Versöhnung, Gleichgewicht, Gewaltverzicht sowie einen bibeltreuen Lebenswandel. 

Wenn wir in die Welt schauen, wenn wir Nachrichten sehen, hören oder lesen, so merken wir schnell: Frieden fehlt in der Welt. Frieden braucht die Welt. Frieden brauchen wir alle. Und nach Frieden sehnen wir uns. Aber wie bekommen wir Frieden? Wie finden wir zu einem bleibenden, tiefen Frieden, der hält? 

Viele von uns feiern den inzwischen schon zur Tradition gewordenen Brauch des Friedenslichtes, das aus Bethlehem kommt. Wir zünden eine Kerze an diesem Friedenslicht an und stellen es vor unsere Türe oder in die Wohlung. Doch kehrt damit wirklich Friede in unser Haus ein? Besteht nicht eher die Gefahr, einem banalen Gegenstand eine magische Bedeutung zuzuschreiben? Es wäre zu schön, um wahr zu sein, aber ein Licht allein bewirkt niemals das Wunder des Friedens. 

Frieden ist viel mehr als eine Kerze, viel mehr als ein Licht! 

Frieden ist zutiefst der Wunsch Gottes für seine Kinder. Er selbst heisst auch JHWH Schalom: «Der HERR ist Frieden» (Richter 6,24) 

Und dieser Frieden, der von Gott kommt, bewirkt zuallererst, dass ich persönlich mit Gott Frieden finden, dass ich mit Gott ins Gleichgewicht komme: Was zwischen mir und Gott steht, wird ausgeglichen, bereinigt, bezahlt, vergeben.

Es heisst aber auch, mit mir selbst, mit Situationen und Dingen in Einklang zu kommen und mich mit meiner Geschichte zu versöhnen. 

Es bedeutet weiter, mit anderen Menschen ins Gleichgewicht zu kommen und Versöhnung zu leben dadurch, dass wir Schritte aufeinander zugehen; dass wir unseren eigenen Anteil an Schuld sehen, eingestehen, um Vergebung bitten, uns vergeben lassen oder anderen vergeben. Und so wird es auch möglich Gleichwertigkeit zu leben. 

Wer mit Gott ins Reine gekommen ist; wer Frieden mit Gott hat, soll diesen Frieden auch leben und weitergeben – verschenken. Das geht nicht so einfach, sondern ist eine Herausforderung. 

Der Friedefürst Jesus Christus ist genau deshalb auf die Erde gekommen, um uns mit Gott zu versöhnen. Daran denken wir in dieser adventlichen und weihnächtlichen Zeit. 

Wer Frieden mit Gott gefunden hat, und Gottes Frieden im Herz hat, wird zu FRIEDEN. Das Wort Frieden steckt im Wort Zufriedenheit… 

Wie kann «Frieden auf Erden» werden? 

Der Vers in Lukas 2,14 verrät uns wie: «Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens; bei den Menschen, auf denen sein Wohlgefallen ruht und denen er sich in Liebe zuwendet.» 

Zuallererst kommt Gott! Es geht nicht zuerst um mich und mein Wohlbefinden, sondern um die Quelle des Friedens: um Gott selbst. Wenn wir auf ihn ausgerichtet sind, dann geschieht schon einmal die erste Veränderung in uns. Von Gott dürfen wir uns mit Frieden erfüllen lassen, und sein Geschenk annehmen: Dass er sich uns in Liebe zuwendet, um uns zu beschenken. 

Beginnen wir doch damit – wie die Engel – ganz auf Gott ausgerichtet zu sein, und ihm die Ehre zu geben, uns von ihm erfüllen und beschenken zu lassen. 

Und wer so mit Gottes Frieden erfüllt ist, hat genug, um davon weiterzugeben, um ihn anderen zu bringen, um zum Werkzeug von Gottes Frieden zu werden. 

Einen friedvollen Advent wünscht 

Pfarrerin Sabine Herold