Zeichen zur Passionszeit – eine Einführung

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Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen/AG, herzlich für die Einführung zu ihren Zeichen der Zuversicht zur Passionszeit.

 

Gebet

 

Gott,

auch wenn ich sterbe,

so bin ich doch gehalten von deinen starken Händen.

 

Jesus,

und wennich leide und im Finstern tappe,

so bist du bei mir und kommst mit durchs dunkle Tal.

 

Gott,

auch wennich falle,

so falle ich nicht tiefer als in deine Hand.

 

Jesus,

und wennich mich verliere,

so bin ich noch immer bei dir, geborgen in deinem Umarm.

 

Gott,

auch wennTrauer schmerzt,

so bin ich getröstet von deiner mütterlichen Barmherzigkeit.

 

Jesus,

und wennich weine, so bist du nah

und sammelst meine Tränen in deinem Krug.

 

Gott,

auch wennich erschöpft bin,

so erfrischst du mich mit deiner nie versiegenden Quelle der Kraft.

 

Jesus,

und wennich versinke in Schmerz und Leid,

wenn alles so sinnlos scheint,

so bist du doch allezeit meines Herzens Trost.

Du bleibst mir. Du bleibst.

Und ich bleibe – aufgehoben in deinen Händen…

 

AMEN

 

© Sabine Herold (20. März 2022)

 

«Via dolorosa» – Jesu Leidensweg

 

In den nächsten Ermutigungen begleiten wir Jesus durch die Passionszeit.

Deborah Keller und ich haben uns überlegt, wie wir im Hinblick auf Karfreitag und Ostern ermutigen können. So haben wir uns entschieden, mit Bibelworten aus den Passionskapiteln im Matthäusevangelium zu beginnen, dies wöchentlich an drei Sonntagen vor Ostern und ab Palmsonntag täglich bis Ostermontag, vielleicht auch noch etwas länger.

 

Was ist das Besondere an der Passions- und Osterzeit?

Jesus ging durch Leiden und Sterben hindurch und überwand den Tod. Er wurde von seiner Passion nicht überrascht, sondern wusste darum und weihte seine Jünger im Voraus in seinen Leidensweg ein. Schon lange zuvor hatten die Propheten vom Leiden des Messias gesprochen. In Jesus erfüllten sich viele dieser Verheissungen und lassen uns heute noch staunen, wie genau die unterschiedlichen Aussagen auf Jesus zutreffen.

Wir stehen heute in der Versuchung, das Leiden und Sterben Jesu in eine längst vergangene Epoche einzuordnen, wie wenn dies alles nichts mit uns zu tun hätte.

Doch immer wieder stellt sich die Frage: Was wäre, wenn Jesus in unserer Zeit gelebt und gewirkt hätte? Wären wir anders mit ihm umgegangen? Oder hätten auch wir dafür gesorgt, dass er aus dem Weg geschafft wird, weil er auch für uns ein unangenehmer Mahner gewesen wäre, der unseren Stolz und Egoismus, unsere Selbstgerechtigkeit und Heuchelei aufgedeckt und uns mit unserem wahren Ich konfrontiert hätte?

Tatsache ist, dass sich Menschen damals wie heute manipulieren lassen und mit der Masse mit-schreien. Die allgemein akzeptierte Meinung und Moral werden vorgegeben. Wer sich nicht daran hält, wird ausgebuht und muss gehen.

Darum betrifft uns die Passion Jesu immer und immer wieder neu – nicht nur sein Leiden, sondern auch seine Leidenschaft!

Auch wir befinden uns im Leben immer wieder auf einem Leidensweg. Wir leiden unter Umständen und Situationen oder unter anderen Menschen. Wir leiden an Krankheiten, Schmerzen, Gewalt, Ungerechtigkeiten… und sehnen uns nach Erlösung. Wir leiden auch an uns selbst, an manchen Charaktereigenschaften und am eigenen Ego.

Im Leiden Jesu ist auch unser Leid aufgehoben.

Er als Schmerzensmensch kommt mit, auch durchs dunkle Tal.

Zusammen mit Jesus dürfen auch wir durch diesen geistlichen Prozess durch Leiden, Tod und Auferstehung:

Der alte Mensch stirbt mit Jesus und wird zu neuem Leben, zu einer neuen Kreatur auferweckt: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Korinther 5,17)

Doch am besten machen wir uns auf den Weg und kommen der Passion Jesu auf die Spur. Der Evangelist Matthäus begleitet uns durch die nächsten Wochen. Als Leitthema auf den Bildern sind bei jeder Ermutigung Hände zu sehen: helfende, dienende, wirkende, schenkende, betende, leidende… Hände.

Die Bilder laden uns ein, uns diesen Händen Gottes anzuvertrauen und an seiner Hand in eine ungewisse Zukunft zu gehen – im Wissen darum, dass wir nie tiefer fallen können als in Gottes Hand.

 

Wir sind ja in Gottes Hand!

 

Aber nun, HERR, du bist doch unser Vater!

Wir sind Ton, du bist unser Töpfer,

und wir alle sind deiner HändeWerk.

 

HERR, ich breite meine Händeaus zu dir,

meine Seele dürstet nach dir wie ein dürres Land.

Von allen Seiten umgibst du mich

und hältst deine Hand über mir.

In deine Hände befehle ich meinen Geist;

du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott.

Du übergibst mich nicht in die Händedes Feindes;

du stellst meine Füsse auf weiten Raum.

Meine Zeit steht in deinen Händen.

Die Seelen der Gerechten sind in Gottes Hand.

 

(Jesaja 64,7; Psalm 143,6; 139,5; 31,6.9.16; Weisheit 3,1)

 

Gottes Segen auf diesem Weg an und in Gottes Hand

und mit den Passionsermutigungen wünschen von Herzen

 

Sabine Herold und Deborah Keller