Zeichen der Zuversicht zur Passionszeit

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Zeichnung Deborah Keller.

 

Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen/AG, herzlich für ihr Zeichen der Zuversicht zur Passionszeit. 

Gebet

Du

Jesus

am Kreuz,

durch-

bohrt von

hass-erfüllten Blicken, fest-genagelt von mir;

erschöpft, gequält, verblutend, schwach, ohn-mächtig –

ohne Tun, ohne Leistung, bewegungs-los –

und doch

bewegtest

du alles in

diesen

zeitlosen

Stunden.

HERR,

ich ahne,

dass in

meinen

ohn-

mächtigsten

Augen-

Blicken

deine wirkungsvollsten Stunden sind,

um das an mir zu voll-ziehen, was du längst vollbracht hast.

Da bin ich, vor deinem Kreuz. HERR, erbarme dich!

© Sabine Herold (15. April 2022)

 

Ermutigung zur Passionszeit

Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut: Eli, Eli, lama asabtani? Das heisst: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? (Matthäus 27,46)

Jesus schreit. Jesus schreit laut, obwohl er vom Todeskampf völlig erschöpft ist. Er schreit seine Verzweiflung heraus. Er schreit eine Frage laut und deutlich, die bis heute viele Menschen beschäftigt: Warum?

Er ruft aber nicht einfach in die Menge: Warum lässt Gott das zu?

Nein. Jesus wendet sich direkt an Gott und stellt seinem Gott, seinem himmlischen Vater diese bohrende, quälende Frage: Warum hast du mich hier zurückgelassen? Warum hast du mich im Stich gelassen?

Jesus spürt eine abgrundtiefe Gottverlassenheit, wie sie grösser nicht sein kann.

Wie oft stellen auch wir die Frage nach dem Warum. Wir lassen damit unsere Enttäuschung, Wut, Klage und Anklage Gott gegenüber heraus. Wir wenden uns nicht direkt an Gott, sondern schimpfen vor anderen über dieses für uns unverständliche Wesen.

Das Wort für warum bedeutet im griechischen auch wozu. Es beinhaltet nicht nur Ursachenforschung, sondern sucht auch nach der Bedeutung, nach dem Sinn. Wenn Jesus diese Frage schreit, dann bringt er damit nicht nur seine Höllenqualen und abgrundtiefe Einsamkeit vor Gott, sondern er ruft zugleich für alle klar und deutlich: Wozu?

Ja, wozu das Leiden Jesu? Warum das Leiden vieler Menschen? Warum die Grausamkeit, die wiederum durch Menschen bewirkt wird?

Der Kreuzestod war die grausamste Hinrichtungsmethode, und sie zeigt, zu was Menschen bis heute fähig sind… auch wir:

Hier ein paar Informationen zum Kreuzestod:

Die zum Tode Verurteilten wurden in der Regel zuerst an den Querbalken des Kreuzes genagelt, an dem sie dann nach oben gezogen und am Kreuzstamm befestigt wurden. Mit den Armen am Querholz und den Füßen am Stamm festgebunden und an Händen und Füßen zusätzlich angenagelt, dauerte der Todeskampf mitunter viele Stunden, je nach Konstitution des Gekreuzigten. Die Schmerzen und Qualen waren unvorstellbar. Die Verurteilten verbluteten nicht rasch. Sie erstickten in einem entwürdigenden Todeskampf. Auf mancher Abbildung der Kreuzigung Jesu sind seine Füsse auf einem kleinen Holzpflock abgestützt. Dieses Detail entspricht den historischen Tatsachen. Doch diente es keineswegs der Entlastung der von Nägeln durchbohrten Hände und Füsse, sondern einzig der Verlängerung der Qualen. Die Sterbenden kämpften intuitiv gegen den nahenden Tod durch langsames Ersticken an. Um wieder ein wenig atmen zu können, drückten sie sich, unter Überwindung bestialischer Schmerzen vom Fusspflock ab.

Doch dadurch verlängerte sich der Todeskampf nur noch mehr. Das kleine Holz unter den Füssen war in Wahrheit ein weiteres Detail von Grausamkeit und Menschenverachtung. Es verlängerte der gaffenden Menschenschar das Schauspiel solcher Exekution und den Verurteilten bereitete es die Hölle auf Erden. Der langsame Erstickungstod am Kreuz ist der Grund, weshalb den Gekreuzigten schliesslich die Beine gebrochen wurden, wie es die Evangelien von den beiden mit Jesus gekreuzigten Straftätern berichten. Im Falle Jesu geschah das nicht, weil er bereits gestorben war, als die Soldaten nach ihm sahen. Auch hier wird ihr Motiv nicht gewesen sein, dem abscheulichen Leiden ein Ende zu machen, sondern die Soldaten wollten, wie den überlieferten Texten zu entnehmen ist, einfach nur Feierabend machen…

(nach Informationen von Arne Völkel aus kreuz-gewinnt.de)

Trotz dieser Höllenqualen lässt sich Jesus nicht von Wut, Hass und Bitterkeit oder von Rachegedanken leiten, sondern wendet sich an Gott. Damit zeigt er uns einen Weg, wohin wir uns mit unseren Fragen – auch mit den Fragen nach dem Warum – wenden können: direkt an Gott.

Doch wozu stirbt Jesus diesen Verbrechertod? Was soll daran gut sein? Während sich die Theologie inzwischen meilenweit von einem tieferliegenden Sinn hinter Jesus Tod entfernt hat, sagt es die Bibel klar und deutlich (Jesaja 53,4.5):

Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Dies wünsche ich uns allen ganz persönlich

Sabine Herold