Zeichen der Zuversicht zur Passionszeit

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Zeichnung Deborah Keller.

Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen/AG, herzlich für ihr Zeichen der Zuversicht zur Passionszeit.

 

Gebet

 

Hosianna!

O HERR, hilf!

O HERR, lass wohlgelingen!

 

Hilf doch, HERR:

 

Allein du kannst helfen.

Du rettest und befreist.

Du erlöst und löst.

Du bringst und bist die Lösung:

Jeschuah!

 

Ja, Gott ist meine Rettung.

Du bist meine Hilfe.

Auf dich hoffe ich.

 

Erlöse mich von dem Bösen.

Erlöse mich von dem,

was mir an Bösem innewohnt,

was Leben hemmt und Kräfte raubt.

Erlöse mich von meinem unreifen Ego,

das kindisch und widerspenstig trotzt,

das sich immer wieder neu gegen dich auflehnt,

das stolz und eigensinnig Selbsterlösung sucht,

das in der Meinung verharrt keinen Gott nötig zu haben,

sondern selbst Gott zu sein und zu herrschen.

 

HERR, erbarme dich, befreie mich!

Ich bin dein, erlöse mich von mir selbst!

O HERR, hilf doch!

Hosianna!

 

AMEN

© Sabine Herold (10. April 2022)

 

Ermutigung zur Passionszeit

(Palmsonntag)

Wer hat schon gerne einen König über sich?

Wer will schon gerne von jemandem regiert und beherrscht werden?

Ja, wir wissen alle: Ohne Regierung geht es nicht, aber wir möchten gerne mitbestimmen und mitreden – uns bloss keinem unterwerfen müssen…

In der Regel sind wir gerne selbst die Herren und Herrinnen über unser Leben. Dabei merken wir vielleicht gar nicht, wie wir tagtäglich von vielem beherrscht werden: von den Medien, der Werbung, von den Meinungen und Erwartungen anderer, von unseren Gedanken und Gefühlen…

Das Volk Israel wollte in der Richterzeit unbedingt einen König, denn alle benachbarten Völker hatten einen, also wollten sie auch einen haben.

Gott genügte ihnen nicht mehr als ihr alleiniger HERR. Es genügte ihnen nicht, dass Gott sie versorgte, führte, leitete. Gott stellte nüchtern fest: «Mich haben sie verworfen, dass ich nicht mehr König über sie sein soll.»[1]

Das Volk Israel wollte alles: Sowohl den Versorger Gott, als auch einen irdischen, sichtbaren, greifbaren König – koste es, was es wolle…

Die Könige kosteten sie schliesslich einen teuren Preis! Das Volk Israel bekam seinen Willen und seine Könige, aber bezahlte mit dem Leben vieler, mit der Teilung und dem Verlust Israels und mit Verbannung.

Dort wurde nach vielen Jahrzehnten der Funke Hoffnung erneut in ihnen entfacht, nämlich durch die Zusage Gottes, dass der Messias, der König der Gerechtigkeit und des Friedens kommen würde.

Jesus kam als Sohn Davids, als Messias-König. Als er auf einem Esel in Jerusalem einzog, wurde er so begrüsst und willkommen geheissen.

«Hosianna» ist ein Bittruf an Gott oder einen König, der «Hilf doch!» bedeutet. Im Psalm 118,25.26 wird dieser Ruf um Hilfe an Gott gerichtet:

O HERR, hilf!(= ‘hosianna’) O HERR, lass wohlgelingen!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN!…

Hosianna wurde sowohl beim Pessachfest als auch beim Laubhüttenfest (Sukkot) gerufen. Psalm 118 gehört zur Pessach-Liturgie, die zur Zeit Jesu noch im Tempel gefeiert wurde. Auch beim Sukkot-Fest wurde «Hosianna» gerufen, als grosses Hosianna beim Umzug am siebten Tag.

Doch was hat dieses Hosianna mit Jesus zu tun?

Hosianna beinhaltet den hebräischen Wortstamm für «retten, helfen» (jschh). Diesen enthält auch der Name Jesus (Jeschuah = JHWH ist die Rettung). Diese Wortwurzel ist wie eine Brücke, welche die Begriffe Hosianna und Jeschuah miteinander verbindet.

Am Palmsonntag (eine Woche vor Ostern) denken wir als Christen an den Einzug Jesu in Jerusalem auf einer Eselin (vgl. Matthäus 21,1-11).

Die Reaktion der Menschenmenge auf diese Ankunft Jesu ist erstaunlich: Sie breiten ihre Kleider auf dem Boden aus, schneiden Zweige von den Bäumen und streuen diese auf den Weg, so dass Jesus über Kleider und Zweige reitet – sozusagen über einen ‘roten Teppich’. All das wird begleitet vom Schreien und Rufen der Menge: «Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!»

Unter diesem Geschrei und Jubelrufen zieht Jesus in Jerusalem ein, und die Leute in der Stadt fragen: «Wer ist der?»Die Menge antwortet:

«Das ist Jesus, der Prophet aus Nazareth in Galiläa.»

Wer ist Jesus? Diese Frage beschäftigt uns bis heute, und sie ist die entscheidende Glaubens- und Lebens-Frage: Wer ist Jesus?

Die Jünger und auch die Volksmenge setzten ihre Hoffnung auf Jesus.

Sie stellten sich vor, dass er ein Reich wie König David errichten würde. David hatte das Volk Israel von der Herrschaft und Bedrohung durch die Feinde befreit und Sicherheit gebracht.

Nun waren die Sehnsucht und Hoffnung gross, dass Jesus ebenso unter den Feinden Israels aufräumen und die Menschen von der Herrschaft der Römer befreien würde. Er sollte ihr Schicksal wenden. Die Menschen erhofften und erwarteten durch Jesus Rettung und Hilfe von Gott.

Doch Jesus erfüllte diese Bitte «Hosianna! Hilf doch!» anders als erwartet. Jesus brachte die Befreiung von der Unterdrückung durch einen ganz anderen Feind. Er entmachtete Schuld und Sünde. Er befreite aus der inneren Gefangenschaft. Er erlöste vom unreifen Ego.

Welche Enttäuschung für diejenigen, die Hosianna aus politischen Gründen gerufen hatten. Welche Freude für diejenigen, die mit ihrem Hosianna ihrer Sehnsucht nach Erlösung vom «alten Adam» Ausdruck verliehen, damit der neue Mensch zum Leben erweckt wird.

Welche Rettung und Hilfe verbinden wir mit dem Ruf «Hosianna»?

O HERR, hilf! Jeschuah hilf!

Ja, ER möge uns dabei helfen: Tag für Tag!

Sabine Herold

[1] 1. Samuel 8,7