Zeichen der Zuversicht zur Passionszeit

Standard

 


Zeichnung Deborah Keller.

Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen/AG, herzlich für ihr Zeichen der Zuversicht zur Passionszeit.

Gebet 

Jesus, 

wer will schon anderen dienen? 

Wer will schon der Letzte sein, 

der Kleinste, der Knecht, 

die Langsamste, die Dienerin… 

Wir wollen doch alle herrschen, 

gross sein, Einfluss haben, mächtig sein… 

Wir suchen unseren Vorteil, 

unsere eigene Ehre, uns selbst… 

Du nicht. 

Jesus, 

du bist anders. 

Bei dir gilt anderes. 

Du kehrst die Verhältnisse um: 

Du kamst um zu dienen, 

nicht um dich bedienen zu lassen. 

Du kamst um dein Leben zu geben, 

um dich zu verschenken… 

Jesus, 

du hast gedient: 

Du hast Bedürfnisse mit deinen Augen wahrgenommen – 

und für sie gesorgt. 

Du hast Hilferufe mit deinen Ohren gehört – 

und sie erhört. 

Du hast mit deinen Händen berührt – 

und geheilt. 

Du hast Distanzen mit deinen Füssen überwunden – 

und bist zu Hilfe gekommen. 

Du hast mit deinem Herzen Brücken gebaut – 

von Mensch zu Mensch, 

auch zu mir. 

DANKE! 

© Sabine Herold (3. April 2022) 

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele. (Matthäus 20,28) 

Stell dir vor, Gott kommt. Gott kommt persönlich zu dir. Oder: Gott schickt seinen Gesandten zu dir oder seinen Sohn oder einen Auserwählten, einen königlichen, göttlichen Herrscher… 

Was würdest du tun? Wie würdest du dich verhalten? 

Wenn ich mir vorstelle, dass Gott kommt oder einen göttlichen Gesandten schickt, dann würde ich mich vorbereiten. Ich würde alles aufräumen, mein Haus in Ordnung bringen, Beziehungen klären, «Frühlingsputz» machen – auch in meinem Herzen und in meiner Seele. Ich würde einkaufen gehen, ein besonders feines Essen vorbereiten, den Tisch festlich decken. Ich würde diesem Ehrengast zu Diensten sein, ihn nach seinen Wünschen fragen und ihn bedienen. 

Ich denke, dass jede und jeder von uns diesem besonderen Gast dienen würde, auch wenn in unserer Zeit der Respekt vor Autoritäten weitgehend verloren gegangen ist – zumindest was Demokratien betrifft. In Diktaturen würde es kaum jemand wagen dem mächtigen Herrscher einen Dienst zu verweigern… 

Auch Jesus hätte als Gottes Gesandter, als Gottes Sohn, als Messias… verdient, dass wir ihm dienen, dass wir für ihn leben und wirken. 

Doch Jesus sagt von sich selbst: Der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, sondern um anderen zu dienen und sein Leben als Lösegeld für viele hinzugeben. (NL) 

Jesus kehrt die normal geltenden Verhältnisse und Regeln um: 

Er, der im Grunde genommen bedient werden sollte, dient anderen. 

Er, dem Hingabe gebührt, gibt sein Leben hin und verschenkt sich selbst. Wieso das? Jesus gibt uns die Antwort: 

Gerade steht eine Mutter vor Jesus. Eine Mutter, die sich für ihre Söhne einsetzen und ein gutes Wort für sie einlegen will. Es ist die Mutter der beiden Jünger Jesu, Jakobus und Johannes (der Söhne des Zebedäus). Sie kommt zu Jesus. Er fragt sie: «Was willst du?» und lädt sie mit diesen Worten ein, ihr Anliegen auszusprechen. Was sie will, ist ein besonderer Platz für ihre Söhne. Sie will deren Zukunft sichern. Sie will vorsorgen. 

Sie sollen in Jesu Reich zu seiner Rechten und zu seiner Linken sitzen – nichts weiter als das… 

Jesus merkt, dass sie nicht verstanden haben, worum es bei ihm geht. 

Er macht klar, dass mit diesen beiden Plätzen ein besonderes Leiden verbunden ist, nämlich seinen Kelch zu trinken, der auch Leiden beinhaltet. Ausserdem bestimmt dies nicht einmal Jesus, sondern sein himmlischer Vater. Während sich die anderen Jünger über diesen Extrawunsch aufregen, bietet Jesus ihnen allen eine Alternative: Anstatt in der Welt gross rauskommen, herrschen und der Erste und Beste sein zu wollen, sollen sie das Gegenteil leben: Diener sein, Knecht sein.1 

1 Vgl. Matthäus 20,20-28 

‘Wie attraktiv! …’, denken wir vielleicht mit einem ironischen Lächeln. 

Ja, wie attraktiv! Denn Jesus schwingt hier keine grossen und zugleich leeren Worte, sondern er füllt sie aus. Er lebt es vor: mit seinem Leben, 

mit seinem Wesen, mit seinem Verhalten: Er selbst lässt sich nicht bedienen, sondern er dient! 

Er hilft und kommt zu Hilfe. Er sieht die wahren Bedürfnisse und sorgt dafür. Er wird ein Knecht. Er wird ein Diener. Er dient seinen Jüngern. 

Er dient den Menschen. Er dient uns. 

Doch nicht nur das: 

Er gibt auch sein Leben hin. Er verschenkt sich, schenkt sein Leben, 

bietet uns ein Leben in Fülle an, ermöglicht ein Leben mit Sinn. 

Sein eigenes Leben, sich selbst gibt er mit Herz und Seele preis als Lösegeld: erlösend, befreiend, heilend, rettend – damit wir leben können. 

Jesus wird unser aller Diener und wird uns einmal mehr zum Vorbild. Wir sind eingeladen, seinen Fussstapfen zu folgen, von ihm zu lernen und Gott und einander zu dienen. Der Apostel Paulus empfiehlt den Philippern und uns, dem Vorbild Jesu zu folgen (Philipper 2,4-9): 

4 Jeder soll auch auf das Wohl der anderen bedacht sein, nicht nur auf das eigene Wohl. 5 Das ist die Haltung, die euren Umgang miteinander bestimmen soll; es ist die Haltung, die Jesus Christus uns vorgelebt hat. 

6 Er, der Gott in allem gleich war und auf einer Stufe mit ihm stand, nutzte seine Macht nicht zu seinem eigenen Vorteil aus. 7 Im Gegenteil: Er verzichtete auf alle seine Vorrechte und stellte sich auf dieselbe Stufe wie ein Diener. Er wurde einer von uns – ein Mensch wie andere Menschen. 

Er möge uns dabei helfen, es ihm gleich zu tun … 

Sabine Herold