Zeichen der Zuversicht – zu Pfingsten

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Zeichnung von Deborah Keller.

 

Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen AG, für ihr neues Zeichen der Ermutigung. Gerne nutzen wir das Pfingstwochenende, um Sabine Herold und der Illustratorin Deborah Keller einmal mehr gebührend für ihr kongeniales Zeichen der Zuversicht zu danken, das sie uns Woche für Woche (militärisch) pünktlich senden. Der Dank erfolgt auch im Namen der grossen Lesergemeinde, die sich jedesmal auf das Zeichen des Glaubens freut.

 

Gebet
frei
frei sein
frei leben und wirken
frei bleiben für immer…
Wo gibt es das schon?
echte Freiheit
wahre Unabhängigkeit
wirkliche Selbstständigkeit
nur
bei dir – in deiner Gegenwart, Gott.
mit dir – unter deiner Leitung und Begleitung
in dir – in der Verbindung mit dir:
ewiger Bund
Leben für immer
in Freiheit
wo immer dein Geist ist und wirkt
zieht Wahrheit ein
und befreit zum Leben.
Im Wind deiner Gegenwart
erklingt deine Stimme
und weckt Begeisterung.
Auf den Flügeln deines Geistes
duftet es nach Freiheit
und die Sehnsucht nach Leben erwacht.
Dein Lebenshauch
atmet in mir und belebt meine Sinne.
Meine Seele kehrt zurück
und bekennt:
Mein Herr und mein Gott!
AMEN
© Sabine Herold (23.5.2021)

Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit! (2. Kor 3,17)
Wer möchte nicht gerne frei sein und sich als freier Mensch bewegen können? Wo die Freiheit von Menschen eingeschränkt wird, z.B. die Bewegungsfreiheit, die Versammlungsfreiheit, die Glaubensfreiheit, die freie Meinungsäusserung… hat man weniger Möglichkeiten und ist nicht wirklich frei.
Zur Zeit von Jesus und den Aposteln, unter der römischen Besatzungsmacht, sehnten sich die Menschen nach Freiheit von der Unterdrückung durch die Römer. Nur römische Bürger, die in eine römische Familie hineingeboren waren oder das römische Bürgerrecht verliehen bekamen, galten als freie Menschen: unabhängig und ungebunden. Sie genossen eine gute Erziehung und Bildung. Sie gehörten zum Volk und waren «Volksgenossen» im Gegensatz zu den unterworfenen Völkern. Freie Bürger durften an den Volksversammlungen wählen, Eigentum besitzen, Verträge abschliessen, Testamente abfassen und den Bund der Ehe eingehen bzw. eine Familie gründen. Ein römischer Bürger hatte zahlreiche Vorteile.
Paulus selbst besass das römische Bürgerrecht. Darum weiss er, wovon er spricht. Das Wort für Freiheit, das er in diesem Vers verwendet, meint die bürgerliche, politische und geistige Freiheit. Es meint die Unabhängigkeit und das Wesen eines freien Menschen, der zum Volk gehört.
Mit dem Glauben an den Herrn Jesus Christus hat Paulus aber noch eine ganz andere und viel bessere Freiheit kennen gelernt: eine Freiheit, die unabhängig von Herrschern, Menschen, Situationen, Bindungen, Dingen, Gedanken… macht.
Diese Freiheit meint jedoch keine Zügellosigkeit oder Freizügigkeit, sondern die Zugehörigkeit zu einem neuen Bund und Volk: zu Gottes Volk und Familie.
Und letztlich ist es der Geist des «Herrn», der in eine neue und in die wahre Freiheit führt. Wenn im Neuen bzw. Zweiten Testament das Wort ‘kyrios’ (= Herr) verwendet wird, dann ist damit Gott und/ oder Jesus Christus gemeint: Gott der Herr, Christus der Herr. Es geht hier um den Geist Gottes, um den Geist Jesu, die eins sind (vgl. Johannes 10,30). Und auf uns bezogen geht es immer wieder um die Frage, wer in unserem Leben Herr sein und in unser Leben sprechen darf.
Sind und bleiben wir selbst die Herren und Herrinnen über unser Dasein, oder lassen wir uns von einem grösseren Herrn leiten und begleiten? Es klingt paradox, aber wo Gott bzw. Jesus im Leben eines Menschen Herr sein darf, wird ein Mensch erst frei: frei von sich selbst, frei von Menschen und Menschenmeinungen… Er ist freigekauft und muss sich die Liebe nicht mehr von anderen erkaufen.
Wenn in der Bibel vom Geist die Rede ist, wird ein Wort gebraucht, das eine Kraft und belebende Macht meint, den Urgrund des gesamten Lebens, ebenso Seele und Geist, Gesinnung und Sinn. Geist steht auch für Hauch, Wind, Atem, Leben, Duft, Klang… Und dieser Begriff bezeichnet ebenso den Heiligen Geist, der lebendig macht, der alle Sinne berührt und belebt, der atmen lässt.
Wo dieser Heilige Geist, der Geist Gottes ist, d.h. wo er wohnen, Wirklichkeit werden und wirken darf, da wird Neues möglich, da wird ein Mensch in Bewegung gesetzt und findet in eine neue Freiheit: zum Leben selbst!
Auch Jesus spricht davon: Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen… Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei. (Johannes 8,32.36)
Die Wahrheit ist er selbst. Er macht frei. Er macht den Weg zum himmlischen Vater frei. Er ist gegenwärtig in und mit seinem Geist.
Und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.
Gott, Geist, Wahrheit und Freiheit gehören eng zusammen (vgl. Joh 4,24; 14,6). Echte Freiheit ist Bindung an Christus als Lebensquelle und Lebensfundament (vgl. 1.Kor 6,17-20; 7,22.23; Gal 5,1.13).
Es lohnt sich dieses 3. Kapitel von Paulus’ zweitem Brief an die Korinther einmal in Ruhe zu lesen, denn er spricht darin nicht nur die Freiheit an, die der Geist Gottes schenkt, sondern zeigt noch viel mehr Kostbarkeiten auf:
Der Heilige Geist ist die Handschrift Gottes in unseren Herzen (V.3).
Der Geist des lebendigen Gottes macht lebendig (V.6).
In der Gegenwart vom Geist des Herrn ist Freiheit (V.17).
Durch diesen Geist Gottes werden wir mehr und mehr in Gottes Bild verwandelt – Jesus ähnlich (V.18; vgl. 1.Johannes 3,2).
Sabine Herold