Zeichen der Zuversicht zu Ostern

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Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen/AG, herzlich für ihr Zeichen der Zuversicht zu Ostern. Zeichnung von Deborah Keller.

 

Gebet

 

Gott,

Tote werden nicht lebendig,

Schatten stehen nicht auf.

So lange, bis du kommst und dein ABER wirkst:

ABER deine Toten werden leben,

deine Leichname werden auferstehen.

 

Seit einem Grab

wird die Hoffnung zu neuem Leben erweckt,

erwachen Träume der Zuversicht aus Trümmern der Trostlosigkeit.

 

Seit DEINEM Grab

ist der Tod nicht mehr das Ende,

sondern Beginn deiner neuen Schöpfung:

Deine Toten werden leben.

Deine Leichname werden auferstehen.

Selig sind, die in dem HERRN sterben von nun an…

 

Dein Engel kam und wälzte den Stein von des Grabes Tür.

Wird er auch den schweren Stein der Angst und Trauer

von meinem Herzen wälzen?

Gibt es auch für mich Hoffnung? frage ich dich.

Und ich höre:

Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn…

Wälze deine Last auf den «Ich-bin-da»

und überlass dich ihm vertrauensvoll…

Er wird’s wohl machen…

 

Ja, das will ich glauben.

Darum wage ich zu hoffen… auf dich, Gott!

 

AMEN

 

© Sabine Herold (17. April 2022)

(vgl. Jesaja 26,14; 26,19; Psalm 37,5; Psalm 55,23; 1. Petrus 5,7)

Ermutigung zum Auferstehungssonntag

Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Und siehe, es geschah ein grosses Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf.Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiss wie der Schnee. (Matthäus 28,1-3)

Es ist der erste Tag der Woche. Sonntag. An diesem ersten Tag am frühen Morgen beginnt etwas ganz Neues, noch nie Dagewesenes, eine neue Schöpfung. Auch am ersten Schöpfungstag beginnt etwas Neues, indem Gott durch sein Wort die Welt ins Dasein ruft: «Es werde Licht!» (1. Mose 1,3)

Zwei Frauen, die zu Jesu Lebzeiten mit ihm unterwegs gewesen sind, kommen zum Grab um nach dem Leichnam zu sehen. Das ist wenigstens etwas, das sie tun können in ihrer Hilflosigkeit und Ohnmacht. Im Markusevangelium wird davon berichtet, dass sie sich auf dem Weg zum Grab fragen: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Denn der Stein, der das Grab verschlossen hält, ist sehr gross. Doch noch schwerer wiegt der Stein der abgrundtiefen Trauer, der lähmenden Angst und der verzweifelten Hoffnungslosigkeit, der seit dem Sterben und Tod von Jesus auf ihren Herzen lastet, unerträglich drückt und die Luft zum Atmen nimmt.

Wie haben diese Frauen wohl die Zeit seit dem Tod und der Grablegung von Jesus verbracht? Was hat sie beschäftigt? Ich kann mir vorstellen, dass sie sich fragten, wie sie sich um das Grab und den Leichnam Jesu kümmern konnten. Auch zu Lebzeiten hatten sie für das Wohl von Jesus gesorgt. Wie sind sie wohl mit ihrer Trauer umgegangen? Vielleicht konnten sie noch gar nicht trauern, weil sie noch immer unter dem Schock der grausamen Hinrichtung ihres Herrn standen.

So kommen die Frauen zum Grab, um Jesus einen Liebesdienst zu erweisen.

Doch da geschieht etwas Aussergewöhnliches: ein grosses Erdbeben, ein grosser Sturm. Wie schon beim Tod Jesu, bebt auch jetzt wieder die Erde, wie wenn jemand wachgerüttelt werden sollte (vgl. Matthäus 27,52). Was soll das bedeuten?

Der Bibeltext in Matthäus 28 berichtet, dass der Engel des Herrn kommt bzw. vom Himmel herabsteigt, zum Grab geht und den Stein weg wälzt.

Er macht den Weg und Blick ins Grab frei. Dann setzt er sich auf den Stein vor den Eingang zum Grab.

DerEngel des Herrnwird im Zusammenhang mit der Auferstehung Jesu nur an dieser Stelle erwähnt. In den anderen Evangelien lesen wir nichts vom Vorgang der Graböffnung, sondern davon, dass ein Jüngling im langen, weissen Gewand im offenen Grab sitzt (Markus 16,5) oder zwei Männer mit glänzenden Kleidern bzw. in weissen Gewändern (Lukas 24,4; Johannes 20,12). Vom Engel des Herrn ist im Neuen Testament nur im Zusammenhang mit den Berichten rund um die Geburt Jesu die Rede (Matthäus 1,20.24; 2,13.19; Lukas 1,11; 2,9) sowie in der Apostelgeschichte (5,19; 8,26; 12,7).

Wer ist dieser Engel des Herrn, dessen Erscheinung die Naturgewalten in Bewegung setzt und weltliche Macht ausschaltet (Mt 28,4)? Wer ist der Engel des Herrn, der den Stein vom Grab wälzt und auf diesem Stein Platz nimmt wie auf einem Thron? Dies bleibt wohl Geheimnis, wie schon der Engel des Herrn im Alten bzw. Ersten Testament nicht zu be-greifen ist.

Die Beschreibung seines Aussehens – seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiss wie der Schnee– macht ihn nur noch geheimnisvoller und lässt uns vielleicht sogar an den Engel Gabriel, an eine Erscheinungsform Gottes oder an Jesus selbst, das Wort Gottes, denken (vgl. Daniel 9,21; 10,6; Matthäus 17,2; Lukas 17,24; Offenbarung 1,16).

Wir lesen in diesem Bibeltext lediglich davon, wie das Grab geöffnet wird, aber nicht, wie Jesus auferweckt wird oder aufersteht. Dies bleibt Geheimnis und kann von unserem Verstand wohl kaum erfasst werden… umso mehr mit unseren Herzen.

Was wir aber wissen ist: Josef von Arimathäa wälzt einen grossen Stein vor die Tür des Grabes (Matthäus 27,60), und der Engel des Herrn wälzt diesen Stein weg und setzt sich darauf.

Und so bricht an diesem ersten Tag der Woche mit der Auferstehung Jesu und dem leeren Grab ein neuer Schöpfungsmorgen an: Gottes Hoffnungslicht strahlt in diese Welt, so dass wir Menschen erleben dürfen, wie die drückenden Steine der Angst, Trauer und Verzweiflung von unseren Herzen gewälzt werden und wir bekennen:

Der Herr ist auferstanden – Er ist wahrhaftig auferstanden!

Ein segensreiches Auferstehungsfest wünscht von Herzen

Sabine Herold