Zeichen der Zuversicht

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Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen/AG, herzlich für ihr Zeichen der Zuversicht.

Gebet 

Bei dir, Gott, 

bin ich geborgen, 

wie ein Vogeljunges unter den Flügeln der Vogeleltern, 

wie ein Kind in der Nähe von Vater und Mutter, 

wie ein schlafendes Baby 

gelassen und ruhig 

im Urvertrauen der Liebe. 

Bei dir, Gott, 

finde ich Trost und Frieden, 

Liebe und Geborgenheit, 

Sicherheit und Halt. 

Zu dir, Gott, 

geht mein Sehnen. 

Ich habe Heimweh nach dir. 

Nach dir verlangt meine Seele. 

Mein Innerstes sucht DICH, 

das Zuhause meines Herzens. 

Bei dir, Gott, 

wird meine Seele still und ruhig. 

Gott, ich bitte dich: 

Beschirme mich 

unter dem Schatten deiner Flügel; 

Lass mich geborgen sein 

unter deinen Fittichen, 

an deinem Herzen, 

bei dir! 

AMEN 

© Sabine Herold (31.7.2022) 

Wie ein Vogel seine Flügel über die Jungen ausbreitet, so wird er (Gott) auch dich stets behüten und dir nahe sein. Seine Treue umgibt dich wie ein starker Schild. (Hoffnung für alle) 

Das Bild zum vierten Vers aus Psalm 91 zeigt die Sicherheit und Geborgenheit eines Schwanenjungen unter dem Flügel eines Elternschwans. Ohne lange zu überlegen kommen uns bei den Begriffen Flügeln und Fittichen Vögel in den Sinn. Unter den Flügeln geborgen sind die Jungen vor allem auch im Nest. 

Dies war auch die Erfahrung Israels in seiner Geschichte, ganz besonders während der gefährlichen, jahrelangen Wüstenwanderung: Wie ein Adler ausführt seine Jungen und über ihnen schwebt, so breitete er seine Fittiche aus und nahm ihn und trug ihn auf seinen Flügeln (5. Mose 32,11). 

Ein Vogelnest ist für die Vögel und ihre Jungen ein geschützter Ort. Vogeleltern suchen für ihr Nest Plätze, die vor Feinden verborgen und vor Unwettern sicher sind. 

Im Frühling hatten wir ein Nest bei einem Hausbalken, und ich wurde erst durch das laute Gezwitscher aufmerksam, das in regelmässigen Abständen losging, wenn sich ein Elternteil näherte. Ich ging dem Geräusch nach und entdeckte das Nest in einer verborgenen Nische. Besser hätte es nicht platziert sein können. Die kleinen Vogeljungen duckten und kuschelten sich so tief in das Nest, dass sie kaum zu sehen waren. 

Vogeljungen sind im Nest nicht nur geborgen, sondern werden auch rund um die Uhr von ihren Eltern versorgt und ernährt, bis sie gross genug sind, um selbst für sich zu sorgen. 

Bei ihren Eltern sind sie auch in der besten Schule, denn sie lernen Fliegen (und Schwimmen), indem sie das Vorbild von Vater und Mutter nachahmen. Alles, was sie dafür brauchen, ist ihnen angeboren und hat sich in den ersten Wochen in der Geborgenheit der Nestwärme entwickelt. Und genau dies wird zum Bild für Gott und die Geborgenheit bei ihm, wie sie der Psalmbeter beschreibt: 

Er breitet seine Schwingen aus über dir. Unter seinen Flügeln findest du Zuflucht. Wie ein Schild schützt dich seine Treue, wie eine Schutzmauer umgibt sie dich. (BasisBibel zu Psalm 91,4) 

Zu diesem Vers kommt mir ein Taizé-Lied mit folgendem Text in den Sinn: 

Bei Gott bin ich geborgen, still wie ein Kind, 

bei ihm ist Trost und Heil. 

Ja, hin zu Gott verzehrt sich meine Seele, kehrt in Frieden ein. 

Was ist eigentlich Geborgenheit? 

Geborgenheit ist die Bezeichnung für einen Gefühlszustand von Sicherheit und Wohlbefinden. Eine Person fühlt sich geschützt und zufrieden, sicher und aufgehoben. Geborgenheit ist ein inneres Gefühl, welches mit Wohlbefinden, Liebe, Trost, Vertrauen… verbunden ist. Dies kann in der Beziehung mit anderen Personen der Fall sein, zum Beispiel in der Partnerschaft, Familie, Gemeinde oder im Freundeskreis. Oft ist es auch mit gewissen Orten verbunden, sei es daheim (Haus, Wohnung, Zimmer, Garten…), an gewissen Plätzen oder in der Natur. Besonders wertvoll ist es, wenn wir in uns selbst daheim und geborgen sein können – unabhängig von Menschen, Situationen oder Orten… 

Wann und wo fühlst du dich geborgen? Mit wem? An welchen Orten? 

Oft sind es die Kindheitserfahrungen und -erinnerungen, die uns in dieser Hinsicht bis heute geprägt haben. Was bedeutete für dich als Kind Geborgenheit? Wo und bei wem? 

Gott will uns die Geborgenheit schenken, nach der wir uns sehnen. Er lädt uns ein bei ihm unsere Zuflucht zu suchen, uns bei ihm zu bergen, egal wie die Umstände auch sein mögen. In Gottes Nähe dürfen wir Sicherheit erfahren, denn er breitet seine Flügel über uns aus und nimmt uns in den tröstenden, bergenden Schutz seiner Fittiche – Engelsflügeln gleich. Hier sind wir absolut sicher und geborgen, was auch immer geschehen mag. Wir sind unter seinem Schutz, in seiner Hand, an seinem Herzen. Und hier werden wir unabhängig von Menschen, Situationen und Orten. Unter Gottes Flügeln fliesst seine Geborgenheit in unser Inneres und erfüllt uns mit Ruhe und Frieden. Was wollen wir mehr? Immer und überall dürfen wir in seine Gegenwart flüchten, bei ihm Zuflucht suchen und unter seine Flügel schlüpfen. 

Noch ein Liedtext fällt mir beim Schreiben ein. Es ist ein Text, den ich persönlich als Kind mit Geborgenheit und Sicherheit verbunden habe: 

Breit aus die Flügel beide, o Jesu, meine Freude, 

und nimm dein Küchlein (Küken) ein. Will Satan mich verschlingen, 

so lass die Englein singen: ‘Dies Kind soll unverletzet sein.’… 

(Strophe aus dem Lied ‘Nun ruhen alle Wälder…’ von Paul Gerhard) 

Diese Geborgenheit unter Gottes Flügeln wünsche ich uns allen! 

Sabine Herold