Zeichen der Zuversicht

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Zeichnung Deborah Keller.

Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen/AG, herzlich für ihr Zeichen der Zuversicht.

Gebet 

Gott, du zeigst dich, gibst dich zu erkennen: 

Tag für Tag können wir 

sehen, hören, spüren, riechen und schmecken, 

wie freundlich du zu uns bist. 

Tag für Tag zeigst du dich uns in deiner Grösse: 

im Lachen eines Kindes, 

im Regenbogen zwischen Sonne und Regen, 

im Zirpen der Grillen, 

im warmen Abendrot, 

im Ruf der Nachtigall, 

im Kreisen der Planeten, 

in jedem Atemzug, der uns am Leben hält. 

Gott, du zeigst dich, gibst dich zu erkennen: 

Du hast den Himmel, die Erde und das Meer geschaffen – 

das ganze Universum mit allem, was darin ist. 

Doch damit nicht genug: 

Du tust uns Menschen Gutes, Tag für Tag: 

Jeder neue Tag ein Geschenk von dir! 

Jeder Herzschlag, jeder Atemzug Gnade pur! 

Jedes Lebewesen, ein Wunderwerk! 

Jeder Mensch dein Ebenbild. 

Gott, du zeigst dich, gibst dich zu erkennen: 

Du schickst uns Regen, 

schenkst uns Ernten, 

gibst uns Nahrung, 

erfüllst das Herz mit Freude. 

Danke Gott, dass du dich mir zeigst. 

Das erkenne ich und staune. 

DANKE! 

© Sabine Herold (17.7.2022) 

Was man von Gott erkennen kann, ist für die Menschen deutlich sichtbar; er selbst hat es ihnen vor Augen gestellt. Seit der Erschaffung der Welt sind Gottes Werke ein sichtbarer Hinweis auf ihn, den unsichtbaren Gott, auf seine ewige Macht und sein göttliches Wesen. Die Menschen haben also keine Entschuldigung… (Römer 1,19.20) 

Woran können wir Gott eigentlich erkennen? 

Woran merken wir, dass es ihn gibt, dass er Realität ist, dass er etwas mit uns und unserem Leben zu tun hat? Gibt es für Gott Beweise? 

Spontan würde ich sagen: Gott lässt sich nicht beweisen, und selbst wenn man seine Existenz und Allmacht beweisen würde, hiesse dies noch lange nicht, dass die Menschen deswegen an ihn glauben würden. Glauben heisst ja nicht nur, an die Existenz von etwas glauben, sondern hat mit Vertrauen zu tun… 

Vielleicht ist dies schon Beweis genug: Der Mensch ist mit einem freien Willen geschaffen – mit der Freiheit sich für oder gegen Gott zu entscheiden, ja oder nein zu sagen. So wird es uns in den ersten Kapiteln der Bibel mitgeteilt, und schon im Anfang der Welt entscheidet die Menschheit autonom… 

In den Texten der Bibel geht es tatsächlich immer wieder um die Frage, wer der lebendige, wahre Gott ist. Der Gott Israels erweist sich immer wieder als treuer, vertrauenswürdiger Gott, der seinen Menschen und seinem Volk zur Seite steht, der es leitet und begleitet. Er erweist seine Allmacht durch Zeichen und Wunder. Er begleitet sichtbar in einer Wolken- und Feuersäule. Dennoch sind diese Zeichen keine Garantie, dass die Israeliten an Gott glauben. Auch als der Prophet Elia die Existenz Gottes als wahren Gott beweist, hat dies nicht zur Folge, dass alle an diesen Gott glauben. Der Kampf geht weiter, auch die Zeichen und Wunder… (1. Könige 18 und 19) 

Ganz ähnlich erlebt es Jesus während seinem dreieinhalbjährigen Wirken in Israel. Einige Menschen folgen ihm nach und vertrauen ihm. Andere wollen nur seine übernatürlichen Zeichen und Wunder sehen, schreien dann aber mit der Masse «Kreuzige ihn!» Jesus verweigert zusätzliche Zeichen für Gottes Existenz. Es gibt schon genügend Zeichen. 

Der Apostel Paulus schreibt im Brief an die Römer klar und deutlich, dass Gott an seinen Schöpfungswerken bzw. Taten wahrgenommen, erkannt und begriffen werden kann, denn in der Einzigartigkeit und Faszination der Schöpfung wird Gottes Grösse, Vollmacht und Gottheit eindeutig sichtbar. 

Gott hat die Welt und Menschheit so erbaut und eingerichtet, dass man darüber im Grunde genommen nur staunen und diesem Schöpfer vertrauen kann. 

Im ersten Kapitel der Bibel (Genesis 1) wird berichtet, dass Gott die Himmel und die Erde schuf. Das Wort für ‘erschaffen’ wird nie im Zusammenhang mit dem Wirken von Menschen gebraucht, sondern einzig und alleine für Gott, den Schöpfer. Es ist und bleibt Geheimnis, wie Gott diese Welt ins Leben rief und ruft. 

Zugleich haben wir Menschen die Fähigkeit und immer wieder Möglichkeiten, dies zu erkennen. Wie denn? 

Der Apostel Paulus lädt uns letztendlich dazu ein mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und mit unseren Sinnen die Einzigartigkeit der Schöpfung wahrzunehmen. 

Mit unseren Augen können wir die kreative Vielfalt und Farbenpracht der Natur sehen. 

Mit unseren Ohren dürfen wir die unterschiedlichen Töne und Geräusche hören. 

Mit unserer Nase können wir die verschiedenen Düfte und Gerüche wahrnehmen. 

Mit unseren Händen und Füssen können wir tasten und spüren, wie vielfältig sich Gottes Schöpfung anfühlt. 

Mit unserem Geschmacksinn dürfen wir schmecken, was Gott uns an Nahrung schenkt. 

Gott nährt nicht nur unseren Leib und seine Bedürfnisse. Nein, auch unsere Sinne werden genährt, wenn wir uns an Gottes Schöpfungswerken ‘satt sehen’. 

Wie wäre es, wenn wir in den nächsten Tagen und Wochen mit wachen Sinnen durch die Schöpfung gehen und über Gottes Grösse, Macht und Herrlichkeit ins Staunen kommen? 

Welche Beweise braucht es eigentlich noch für Gottes Existenz? 

Sabine Herold