Zeichen der Zuversicht

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Zeichnung von Deborah Keller.

Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen AG, für ihr neues Zeichen der Ermutigung.

Gebet 

Gott, 

wir bauen Häuser, 

richten uns wohnlich ein, 

suchen nach der Bleibe, 

die uns vielleicht Heimat erfahren lässt. 

Und doch sind wir hier auf dieser Erde 

niemals ganz daheim: 

Keine Stadt bleibt für immer. 

Kein Zuhause hat Bestand. 

Keine Bleibe währt ewig. 

Gott, 

die Sehnsucht bleibt, 

das Heimweh auch, 

und ebenso die Suche 

und das Verlangen nach mehr… 

Was wir vermissen, 

suchen wir und fragen danach. 

Wir streben vorwärts und forschen weiter. 

Auch ich bin auf der Suche, immer wieder. 

Wonach denn? 

Nach dem, was kommen soll. 

Nach dem Bevorstehenden, Zukünftigen. 

Nach deinen Vorhaben und Möglichkeiten. 

Von Herzen verlangt mich nach dir, Gott. 

Meine ganze Sehnsucht 

gilt dem Zuhause bei dir, mit dir, in dir – 

schon hier und jetzt! 

Zu dir bin ich Schritt für Schritt unterwegs – 

und du kommst mir entgegen. 

AMEN 

© Sabine Herold (16.5.2021) 

Hier auf der Erde gibt es keinen Ort, der wirklich unsere Heimat wäre und wo wir für immer bleiben könnten. Unsere ganze Sehnsucht gilt jener zukünftigen Stadt bzw. Heimat, zu der wir unterwegs sind. 

(Hebräer 13,14 nach der Neuen Genfer Übersetzung) 

«Wo bist du zu Hause?» – Wenn mir diese Frage gestellt wird, dann kann ich meine Wohnadresse nennen und habe die Frage beantwortet. Doch ich bin auch in Beziehungen zu Hause – bei Menschen, durch die und mit denen ich Annahme, Wertschätzung, Offenheit, Echtheit, Miteinander und Zugehörigkeit erlebe. 

«Wo bist du zu Hause?» – Auch Jesus wurde diese Frage von seinen Jüngern gestellt. Er antwortete kurz und bündig: «Kommt und seht!» – Sie kamen und sahen – einen Mann, der in der Beziehung mit seinem himmlischen Vater zu Hause war. Er schöpfte seine Kraft aus diesem Daheim und lud die Menschen in dieses Zuhause ein – durch seine Worte, durch die Art, wie er Menschen begegnete, durch sein Wesen und Wirken. Er predigte und lebte die bedingungslose Annahme und Liebe von Gott. Dieses Daheim hatte Bestand und war stärker als der Tod. – Ein solches, bleibendes, beständiges Zuhause können auch wir erleben… aber wie? 

Ja, die Sehnsucht und Suche nach Heimat ist uns Menschen ins Herz gelegt. Wir Menschen brauchen ein Zuhause. Doch was ist eigentlich Heimat? Vom deutschen Lyriker Christian Morgenstern stammt der Satz: Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat, sondern wo man verstanden wird. Und ein anderer Dichter sagte: Heimat ist da, wo man sich nicht erklären muss. (J.G. von Herder) – ja, genau diesen Ort braucht jeder Mensch. Doch wo gibt es ein solches Daheim? 

Wir Menschen stehen in der Gefahr, unsere Sehnsucht nach einer Bleibe an Orte, Dinge oder andere Menschen zu binden. Wir erhoffen und erwarten von ihnen, dass sie unseren Mangel ausfüllen, unsere Bedürfnisse stillen und uns Heimat und Geborgenheit geben. Und so suchen wir uns einen Ort – sei dies lokal, beruflich oder familiär. Wir mieten oder bauen Wohnungen und richten uns häuslich ein – manchmal sogar so häuslich, als würden wir ewig auf dieser Erde wohnen… 

Früher oder später wird allerdings die Ent-Täuschung kommen, wenn wir das verlieren, was uns Heimat gab, oder wenn sich herausstellt, dass kein Mensch und kein Ding dieser Welt diese Sehnsucht nach Heimat stillen kann. Spätestens mit dem Tod wird bewusst, dass wir niemanden und nichts mitnehmen können – ausser uns selbst und dem, was in unserem Herzen wohnt. 

Ja, die Sehnsucht und Suche nach Heimat und Zugehörigkeit ist uns Menschen ins Herz gelegt. Wir Menschen brauchen ein Zuhause. Gott hat uns diese Sehnsucht ins Herz gepflanzt. Denn von Gott kommen wir, zu Ihm gehören wir und unsere Heimat ist ursprünglich bei ihm und soll auch bei ihm sein. – Oder wie es Paulus sagt: In Ihm leben und weben und sind wir. Wir sind von Seiner Art, d.h. zu ihm gehören wir. 

Unsere Sehnsucht nach Heimat verweist letztlich auf diese Zugehörigkeit zu Gott. In uns ist diese Sehnsucht angelegt – ein tiefes Heimweh nach dem Ort, wo wir für immer zu Hause sein dürfen, wo wir hingehören und bedingungslos angenommen sind… 

Gott will schon hier und jetzt unsere Sehnsucht stillen, indem wir zu ihm gehören dürfen. Er versteht uns wirklich und vor ihm müssen wir uns nicht erklären, weil er uns zutiefst kennt und dennoch bedingungslos liebt. Er nimmt uns an. Er gibt uns die Wertschätzung und Achtung, die wir brauchen. Er will unseren Hunger und Durst nach sinnvollem Leben stillen. 

Auf Gott ausgerichtet sein, bedeutet letztlich: auf den ausgerichtet sein, der uns nach Hause bringt, der uns Heimat schenkt, zu dem wir gehören dürfen. Er bietet uns diese Heimat an. 

So dürfen wir mit Gott unterwegs sein zu dem zukünftigen Ort, den wir einmal unser wahres Zuhause, unsere bleibende Heimat nennen dürfen, weil wir dann ganz bei Gott daheim sein werden, an dem Ort, wo auch unsere Sehnsucht nach Hause kommt: in den Raum von Gottes Geborgenheit, in Gottes Gegenwart selbst. Es ist der Ort, wo Gott bei uns wohnt und alle Tränen von unseren Augen abwischt, wo der Tod nicht mehr sein wird, auch kein Leid, kein Geschrei, kein Schmerz und wo unser Durst gestillt wird. (Offb 21,3-6) 

Wir dürfen uns immer wieder bewusst machen, dass auch wir eines Tages ganz nach Hause kommen dürfen und hier letztlich nur auf der Durchreise sind: zu einer ewigen Bleibe, zu Gottes Stadt – zum Daheim bei Gott. 

Hier auf dieser Erde haben wir keine beständige Heimat, kein bleibendes Vaterland, keine sichere Stadt, nein. Im Gegenteil: Wir suchen die bevorstehende/ wir verlangen nach der für uns bestimmten Zukunft… wir sehnen uns danach. (Übersetzungsvarianten von Hebräer 13,14) 

Sabine Herold