Zeichen der Zuversicht

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Zeichnung von Deborah Keller.

Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen/AG, herzlich für ihr Zeichen der Zuversicht.

Gebet 

Gott, 

wie ein Baum will ich sein, 

der seine Wurzeln tief in die Erde wachsen lässt, 

bis zu den Quellen seiner Kraft, 

der verbunden bleibt mit dir. 

Gott, wie ein Baum will ich sein, 

der aufrecht und aufrichtig steht, 

der den Stürmen trotzt 

und sich nicht von jedem Wind mitreissen lässt, 

der gehalten bleibt von dir. 

Gott, wie ein Baum will ich sein, 

der seine Krone dem Licht entgegenstreckt – 

himmelweit, himmelwärts, 

der dein Licht und deine Wahrheit 

durch seine Zweige schimmern lässt, 

der zu dir hin wächst 

und der ausgerichtet bleibt auf dich. 

Gott, wie ein Baum will ich sein, 

der sich entfaltet und Knospen treibt, 

der aufblüht im Licht deiner Gegenwart, 

der Früchte reifen lässt 

unter dem liebenden Blick deiner Güte, 

der anderen Schatten, Zuflucht, Schutz und Nahrung wird. 

So will ich sein, Gott: 

verwurzelt in dir, gehalten von dir, ausgerichtet auf dich – 

lebendig durch dich! 

AMEN 

© Sabine Herold (3.7.2022) 

 

Wie ein Baum in der Erde, so sollt ihr in Christus fest verwurzelt bleiben, und nur er soll das Fundament eures Lebens sein. 

(Kolosser 2,7; Hoffnung für alle) 

Wenn ich das Wort ‘verwurzelt’ lese, dann denke ich an eine Pflanze, vor allem an einen Baum. Gesunde Bäume haben tiefe Wurzeln, die ihnen Stabilität geben, so dass sie den Stürmen des Lebens stand-halten können und nicht vom ersten Windstoss umgeweht werden… 

Bäume werden in der Bibel häufig erwähnt (1. Mose 1,11; 2,9; Richter 9,8-15; Jesaja 55,12; Matthäus 12,33; Offenbarung 2,7; 22,2). Immer wieder kommt es auch vor, dass Menschen mit Bäumen verglichen werden (siehe 1. Mose 49,22; Psalm 1,3; Jesaja 61,3; Jeremia 17,7.8). So wird der Baum zum Bild für den Menschen. 

Stell dir vor, du wärst ein Baum… Was für ein Baum würdest du gerne sein? Eine Eiche, eine Linde, eine Tanne, eine Buche, ein Kirsch- oder Apfelbaum, eine Palme… oder ein Olivenbaum? 

Und wenn du dieser Baum wärst, wo wäre dein Platz? Wie sieht deine Umgebung aus? Würdest du in einer Gemeinschaft mit anderen Bäumen stehen oder eher alleine, eher im Dickicht, an einer Waldlichtung oder auf freiem Feld?… 

Und mit dem Bild vom Baum kann man noch weiterfragen: 

Wie tief gehen deine Wurzeln? Worin bist du verankert? Was nährt dich? Stehst du am Wasser oder auf trockenem Land? Bist du auf fruchtbarem Boden gepflanzt oder lebst du auf kargem Grund? Wo sind deine Kraftquellen? Wo kannst du auftanken? 

Wie dick und stabil ist dein Stamm? Wie stark und standfest bist du? Was hast du Jahr für Jahr schon alles erlebt? Was gibt dir Halt im Leben? Was hilft dir, aufrecht und aufrichtig zu sein? Wo gibst du selbst anderen Halt? 

In welche Richtung wächst die Krone? Immer dem Licht und Himmel entgegen? Wie ist deine Ausrichtung? Auf wen oder was bist du ausgerichtet? In welche Richtung bewegst du dich? 

Wie sehen die Äste, Zweige und Blätter aus? Welche Verästelungen, Verzweigungen und Verbindungen sind vorhanden? Welche Vielfalt? Wie viel Platz gibst du anderen? 

Was sagen Knospen und Blüten? Was bringt dich zum Blühen? Wann blühst du auf? Wo erlebst du Blütezeiten? Wann und wie kannst du dich entfalten? 

Und die Früchte? Wo siehst du Lebensfrucht? Wenn du auf dein Leben zurückblickst, was ist geworden? Was möchtest du gerne einmal ernten können? 

Und wozu das alles? Wem spendest du Schatten? Wem bietest du Lebensraum, Zuflucht und Schutz? Wer darf deine Früchte geniessen? Wem willst du einmal dein ‘Holz’ überlassen? 

Der Apostel Paulus schreibt an die Gläubigen in Kolossä: 

Wie ein Baum in der Erde, so sollt ihr in Christus fest verwurzelt bleiben, und nur er soll das Fundament eures Lebens sein. 

Wörtlich heisst dieser Vers: Wie ihr also angenommen habt Christus Jesus, den Herrn, so wandelt in ihm, verwurzelt und erbaut werdend in ihm und befestigt werdend im Glauben… 

Das griechische Wort für verwurzelt (rizoo) bedeutet Wurzeln schlagen lassen, fest machen, auf festen Grund stellen, wurzeln, fest gegründet werden oder sein. 

Entscheidend ist der Boden, das Fundament, auf dem jemand steht, wo und wie ein Mensch im Leben verankert ist, und wie er seinen Lebenswandel führt. 

Auf wen oder was kannst du bauen? Wer ist so zuverlässig und treu, dass du ihm auch wirklich Glauben schenken und vertrauen kannst? 

Wo ist dein Halt? Was hält dich? Wer oder was richtet dich wieder auf? Worin bist du sicher und fest. Wer bürgt für dich? 

Jesus sagt von sich selbst: «Ich bin die Wurzel» (Offb 22,16) – und wenn wir in ihm verankert sind, dann sind wir verbunden, versorgt, verwurzelt. So werden wir gestärkt, ermutigt, fest. Was kann uns Besseres passieren? 

Oder mit Paulus’ Worten aus Epheser 3,17: 

Mein Gebet ist, dass Christus durch den Glauben in euch lebt. In seiner Liebe sollt ihr fest verwurzelt sein; auf sie sollt ihr bauen. 

Dieses Verwurzelt-Sein wünsche ich uns allen von Herzen! 

Sabine Herold