Zeichen der Zuversicht

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Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen/AG, herzlich für ihr Zeichen der Zuversicht.

Gebet 

Gott 

du gibst 

du beschenkst 

du gibst dich hin 

du begnadigst 

du vergibst 

Gott 

du bist 

gütig 

sanft 

freundlich 

barmherzig 

gnädig 

Jesus, 

ich bitte dich: 

Hilf mir 

den neuen Menschen anzuziehen 

meine Gesinnung zu verändern, 

dir ähnlich zu werden, 

so dass ich die Menschen 

sehe, wie du sie siehst, 

dass ich höre, wie du hörst, 

dass ich begegne, wie du begegnest, 

dass ich andere behandle, 

wie du mit ihnen umgehst… 

Jesus, 

erfülle mein Herz 

mit deiner Freundlichkeit, 

mit deinem Mitgefühl, 

mit deiner Vergebungsbereitschaft. 

Erfülle mich mit dir… 

AMEN 

© Sabine Herold (19.6.2022) 

Im Epheserbrief beschreibt Paulus das Leben in Jesus Christus und die Einheit der Gläubigen untereinander. Im vierten Kapitel ermahnt der Apostel zur «Einigkeit im Geist durch das Band des Friedens». 

Er erinnert auch an die verschiedenen Gaben und Aufgaben innerhalb der Gemeinde, die Gott schenkt und zu denen Gott befähigt. 

Als verbindendes Gut nennt Paulus die Liebe (4,15.16), sozusagen als ‘Dünger’, um im Glauben und im Miteinander zu wachsen. 

Wer Jesus nachfolgt, soll den ‘alten Menschen’, d.h. das alte Wesen ablegen und Geist und Sinn erneuern, indem der neue Mensch angezogen wird, so wie Gott ihn ursprünglich geschaffen hat, nach dem Vorbild von Jesus (4,22-24). 

Paulus bleibt aber nicht bei Theorien stehen, sondern erklärt sehr konkret und alltagsbezogen, was dies bedeutet und was den Unterschied zwischen neuem und altem Menschen ausmacht: 

– Wahrheit statt Lüge 

– die Sonne nicht über dem Zorn untergehen lassen 

– rechtschaffene Arbeit und andere unterstützen, anstatt Stehlen 

– Reden, was gut ist, was erbaut, was notwendig ist, was Segen bringt, anstatt «faules Geschwätz» 

– Abstand von Bitterkeit, Grimm, Zorn, Geschrei, Lästerung, Bosheit… 

Nichts leichter als das… 

Einmal mehr wird klar, dass dies nicht einfach so und automatisch geschieht, sondern dass dazu ein Wachstums- und Reife-Prozess nötig ist. Dies darf werden, entstehen, geschehen… 

Paulus fährt fort (4,32): 

Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus. (Luther) 

Oder wörtlich: Werdet aber gegeneinander gütig, gutherzig, euch vergebend, wie auch Gott euch in Christus vergeben hat! 

Was bedeutet dies? 

Das Wort für «freundlich» beinhaltet eine milde, sanfte, gütige Art, eine gute Gesinnung und bedeutet auch rechtschaffen, aufrichtig. 

«Herzlich» meint an dieser Stelle barmherzig, denn der verwendete Begriff heisst wörtlich übersetzt «guter Mutterleib», «mit guten Eingeweiden», «gutes Inneres, Herz, Gemüt, Gedanken, Gesinnung». Dieses Wort entspricht dem hebräischen Begriff für Barmherzigkeit, der ebenso mit dem Mutterleib zusammenhängt. Es geht um eine echte Barmherzigkeit, die tief geht und Im innersten berührt – keine aufgesetzte, oberflächliche Herzlichkeit. 

Schon bei diesen beiden Begriffen wird klar, dass es um etwas Grundlegendes geht und dass Geist und Sinn bzw. die Gesinnung erneuert werden müssen. Im Römerbrief schreibt der Apostel Paulus: Ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene… (Römer 12,2). 

Und dann geht Paulus noch einen Schritt weiter: 

Die gütige und barmherzige Gesinnung hat Auswirkungen, denn sie zeigt sich im Verhalten anderen gegenüber: einander Freundlichkeit erweisen, jemandem eine Freude machen, etwas schenken, gerne geben, einem anderen Menschen einen Gefallen tun und sich selbst hingeben bzw. einsetzen. Und schliesslich hängt dieses Wort mit Gnade zusammen. Wo ein Mensch gnädig ist, kann er auch ‘begnadigen’ und ist zum Vergeben und Verzeihen bereit. 

Ein solcher Mensch kann auf andere zugehen, den ersten Schritt zur Versöhnung machen und dem Nächsten die Hand reichen. 

Unser Vorbild darin ist Jesus Christus bzw. Gott selbst. Er hat es vorgelebt, denn er hat den erlösenden und befreienden Schritt auf uns Menschen zu gemacht. In Jesus Christus schenkt Gott uns seine Gnade, erweist uns seine Freundlichkeit und beschenkt uns überreich: Er vergibt uns unsere Sünden. 

Er erlässt uns unsere Schuld. 

Weil Gott es vormacht, dürfen und sollen auch wir diesen Schritt wagen, indem wir einander gütig und freundlich begegnen und einander vergeben. 

Darum: Geht vielmehr freundlich miteinander um, seid mitfühlend und vergebt einander, so wie auch Gott euch durch Christus vergeben hat. (NGÜ) 

Sabine Herold