Zeichen der Zuversicht  

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Zeichnung Deborah Keller.

 

Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen/AG, herzlich für ihr Zeichen der Zuversicht.

Gebet 

Jesus, 

du gibst uns dein Wort, dass du da bist: 

bei uns – bei mir: 

bis an das Ende der Welt. 

bis an das Ende meiner Tage. 

Du bleibst, auch wenn nichts bleibt. 

Du hältst mich, auch wenn nichts mehr hält – Gott sei Dank! 

Versprochen ist versprochen. 

Du hältst dein Wort. 

Du stehst dazu. 

Du stehst zu mir, 

auch wenn ich falle. 

Von deiner Gegenwart umgeben, 

inmitten deiner Zusage, 

umarmt von deiner Verheissung, 

bin ich gut aufgehoben. 

Jesus, 

du willst mit mir leben, 

bei mir wohnen, 

Leben teilen: 

deines und meines. 

Jesus, 

ich nehme dich beim Wort 

und vertraue darauf, 

dass du hältst, was du versprichst, 

dass du uns hältst, 

dass du auch mich hältst – 

an deiner Hand; 

in deiner Hand: 

für immer! 

AMEN 

© Sabine Herold (8. Mai 2022) 

 

Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Matthäus 20,28) 

Diese Zusage Jesu ist das letzte Wort im Matthäusevangelium und steht am Ende des sogenannten «Missionsbefehls». Darin beauftragt Jesus seine Jünger, das Evangelium, die gute Nachricht von Gott in die Welt hinauszutragen und die Menschen zum Leben mit Gott einzuladen. Diese Zusage gilt zuerst seinen ersten Jüngern, aber betrifft auch alle Menschen, die ihm nachfolgen, die an ihn glauben und sich ihm anvertrauen. 

Das Wort siehe hat Signalwirkung. Es will Aufmerksamkeit wecken und fordert dazu auf hinzuschauen und hinzuhören, also mit allen Sinnen präsent und aufnahmefähig zu sein für die wichtige Botschaft, für das Angebot, das jetzt kommt. «Siehe» hängt mit dem Wort «sehen» zusammen. Aber sehen ist mehr als mit den Augen schauen. Es meint ein ganzheitliches Wahrnehmen und Erkennen. Es geht nicht um eine Information für den Verstand, sondern um eine Erfahrung fürs Herz, um ein Kennenlernen und Vertraut-Werden, bis es in ein inneres Wissen übergegangen ist. Es ist, wie wenn Jesus seinen Freunden sagen würde: Ihr dürft ganz sicher sein, wirklich, ich versichere euch, seid gewiss: Nun bekommt ihr, was ihr euch zutiefst wünscht… 

Dann sagt er: Ich bin bei euch… Die Reihenfolge im Griechischen ist anders als in der deutschen Sprache und lautet folgendermassen: ich bei euch bin 

Mir gefällt diese Wortstellung sehr, dann das «bei euch», also wir sind vom «ich bin» umgeben, mitten hineingenommen in diese Gegenwart. Von vorne und von hinten umgeben, sicher, geschützt. Jesus höchstpersönlich ist da. Und auch das Wort für «sein» beinhaltet eine Fülle von Begriffen, die diese Gegenwart betonen: «Ich habe Realität. Ich lebe unter und mit euch. Ich wohne bei euch und halte mich in eurer Nähe auf. Ich bin wirklich und wahr. Ich gehöre zu euch und ihr gehört zu mir. Ich werde euch zuteil. Ich bin Gottes Geschenk für euch…» Jesus verspricht bei und mit uns zu sein. Diese Gegenwart ist so nah, dass es wie ein Bundesschluss ist.

Sie erinnert an Gottes Bund mit seinem Volk und zugleich an den Bund zwischen Bräutigam und Braut. Mit Jesus haben wir einen treuen Lebensbegleiter, mit dem wir verbunden sind. Er ist vor und hinter uns und will mitten in unseren Alltag und in unser Leben hineinwirken. So wie das Matthäusevangelium schon mit der Zusage von Gottes Gegenwart begonnen hat, nämlich mit dem Beinamen Jesu «Immanu-El» (d.h. Gott ist mit uns, Matthäus 1,23), endet es nun auch mit der Verheissung Jesu bei seinen Jüngern, bei uns zu sein. 

Und wie lange ist diese Zusage Jesu gültig? Ist sie begrenzt? Hört seine Gegenwart irgendwann auf? 

Grundsätzlich gilt dies alle Tage, d.h. jeden Tag, das ganze Leben lang, während der ganzen Lebenszeit und auch in allen möglichen und erdenklichen Schicksalen, die uns begegnen. Also immer und überall und in jeder Situation. 

Und dann gibt es doch eine Einschränkung, die aber nicht wirklich eine ist: bis zum Ende der Welt. In anderen Worten: Bis zur Vollendung, bis zur Ausführung, bis zum Ziel der Zeit, des Weltenlaufs, der Lebenszeit. Solange bis die Ewigkeit erreicht wird, bis in Erfüllung geht und vollbracht wird, was diese Welt, das Leben und die Zeit betrifft. 

Dies ist etwas schwierig zu verstehen, denn vieles davon übersteigt unser Denken, wie schon die Auferstehung. 

Es betrifft sowohl unser persönliches Schicksal, als auch das der Welt. Die Zusage steht aber: Jesus verspricht bei uns zu sein und für uns da zu sein, bis unser Leben zu seinem Ziel kommt. Er hält auch die Welt in seinen Händen, bis dieses Zeitalter zu Ende geht. 

Er bleibt, für immer! Gott sei DANK! 

Ich wünsche uns, dass wir im Bewusstsein von dieser Gegenwart Gottes unterwegs sind, Tag für Tag, bis an das Ende unserer Tage… 

Jesus ist immer bei uns, jeden Tag, bis zum Ende der Welt… 

Sabine Herold