Zeichen der Zuversicht

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Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen/AG, herzlich für ihr Zeichen der Zuversicht.

 

Gebet 

Wen soll ich senden? Wer will mein Bote sein? 

So fragst du mich, Gott. 

Herr, mache mich zu deinem Boten. 

Hier bin ich, sende mich. 

Dir will ich dienen 

und deinen Namen in die Welt hinaustragen. 

Dir will ich folgen, deinen Fussstapfen. 

Du sollst mein Vorbild sein, Jesus, du mein Begleiter. 

Von dir will ich lernen. Lehre mich. 

Dich will ich vor Augen haben. 

Zeige mir, was du wann tun würdest, und wie. 

Hilf mir, Herr, es dir gleichzutun – immer wieder! 

Auf dich will ich hören, 

will tun und sagen, was du mir aufs Herz legst. 

Wecke mein Herz und meine Ohren, 

und hilf mir zu hören, wie Jünger hören. 

Öffne mir die Augen, dass ich sehe… 

Lass mich zur rechten Zeit das rechte Wort sagen. 

Rede Herr, denn dein Knecht hört. 

Wen soll ich senden? Wer will mein Bote sein? 

So fragst du mich, Gott. 

Sende, wen du senden willst – auch mich. 

Ja, sende mich, Herr. 

AMEN 

© Sabine Herold (1. Mai 2022) 

Bibelstellen zum Nachlesen: Jesaja 6,8; 1.Petrus 2,21; Jesaja 50,4; Psalm 119,18; 1.Samuel 3,10; 2. Mose 4,13 

 

Die elf Jünger von Jesus – Judas Iskariot hatte sich inzwischen das Leben genommen – gehen nach Galiläa (Matthäus 28,16). Auf einem der Hügel begegnen sie Jesus (V.17). Sie sehen ihn und fallen vor ihm nieder (niederkniend verehren, sich anbetend niederwerfen; vgl. Matthäus 28,9). Einige von den Jüngern zweifeln aber und können es noch immer nicht glauben, dass er es ist, dass Jesus auferstanden ist. Einmal mehr werden die Menschen in der Bibel ganz menschlich dargestellt, auch die Jünger von Jesus: als Menschen wie wir mit ihren Fragen und Zweifeln, mit Gelungenem und Schwierigem, mit Erfolgen und Versagen. Da wird nichts beschönigt, nichts verheimlicht. 

Jesus nimmt nun Abschied von seinen Jüngern. Er sagt aber nicht einfach nur ‘Tschüss’, sondern er spricht ein letztes Mal klar und deutlich von Angesicht zu Angesicht mit ihnen. 

Er macht klar, wer er ist, und er beauftragt und sendet seine Jünger: 

Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. (Matthäus 28,18-20a) 

Was bedeutet das? 

Diese Vollmacht wurde Jesus von seinem himmlischen Vater verliehen, geschenkt, übergeben, überlassen (vgl. Matthäus 11,27). Es ist keine Gewalt im Sinn von grausamer Willkür, sondern die Erlaubnis und Befugnis, das Recht und die Freiheit von Gott, seine Herrschaft auszuüben und gemäss Gottes Willen zu regieren – im Himmel und auf der Erde. Dadurch wird klar: Jesus ist der Herr! 

Doch was ist das für eine Vollmacht? Der Apostel Paulus beschreibt sie im Brief an die Epheser folgendermassen: 

19 Ihr sollt erfahren, mit welcher unermesslich grossen Kraft Gott in uns, den Glaubenden, wirkt. Ist es doch dieselbe gewaltige Kraft, 

20 mit der er am Werk war, als er Christus von den Toten auferweckte und ihm in der himmlischen Welt den Ehrenplatz an seiner rechten Seite gab! 21 Mit ihr hat Gott ihn zum Herrscher eingesetzt über alle Mächte und Gewalten, über alle Kräfte und Herrschaften, ja, über alles, was Rang und Namen hat in dieser und in der zukünftigen Welt. 

22 Alles hat Gott ihm zu Füssen gelegt und ihn, den höchsten Herrn, zum Haupt seiner Gemeinde gemacht. (Epheser 1,19-22, Hfa) 

Das erste, was Jesus in dieser Kraft, in dieser Vollmacht tut, ist: 

Er beauftrag und sendet, befähigt und bevollmächtigt seine Jünger sich auf den Weg zu machen und zu allen Völkern zu gehen. Sie sollen aufbrechen und von Volk zu Volk reisen, d.h. zu den Heiden. 

Was aber sollen sie dort machen? 

Sie sollen die Menschen nicht nur lehren oder unterrichten, sondern ‘zu Jüngern machen’, zu Jüngern und Nachfolgerinnen von Jesus. Sie sollen die Völker und Heiden so unterrichten und lehren, dass diese Jesus nachfolgen und seine Jüngerinnen und Jünger werden möchten. Diese Kraft und Vollmacht von Jesus ist nicht dazu gedacht, andere zu zwingen, ihnen den Glauben überzustülpen, sondern diese Kraft Gottes wirksam werden zu lassen. Erst wenn Menschen Gott persönlich erleben und Jesus von Herz zu Herz begegnen, ist eine Bekehrung bzw. die Umkehr zu Gott ganzheitlich. Wo der Glaube aufgezwungen wird oder Menschen zwangsbekehrt werden, widerspricht dies dem Evangelium, der frohmachenden Botschaft Gottes. 

Es geht also darum, das Evangelium anzubieten, den Glauben authentisch und glaub-würdig vorzuleben. 

Dasselbe gilt für die Taufe, das Eintauchen in den Tod Jesu und das Auferstehen mit ihm im wieder Auftauchen. 

Wenn ich mir die Kirchengeschichte anschaue, dann kommt es mir manchmal so vor, als hätten wir Christen Jesus missverstanden. 

Wie viel Leid wurde über die Menschheit gebracht, weil im Namen Gottes oder im Namen Jesu ganze Völkergruppen erobert wurden, indem sie zwangs-bekehrt und zu einem Namens-Christentum gezwungen wurden. 

Zu Jüngern machen geschieht vor allem durch das Vorleben und Vorbild sein. Wo Jesus selbst unser Vorbild ist und wir seinen Spuren folgen, laden wir andere zum Vertrauen auf Jesus und in seine Nachfolge ein. 

Jesus sendet uns. Er beauftragt uns. Er will uns gebrauchen, damit wir in seinem Reich mitwirken… Was hindert uns noch? 

Sabine Herold