Zeichen der Zuversicht

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Zeichnung Deborah Keller.

 

Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen/AG, herzlich für ihr Zeichen der Zuversicht.

Gebet 

Jesus 

du kommst mir entgegen 

und begegnest mir. 

Du heisst mich bei dir willkommen, 

grüsst mich freundlich, 

lädst mich ein in die Gegenwart deiner Freude. 

Jesus 

du lädst mich ein, 

mich mit allen Sinnen auf dich einzulassen: 

sehend, hörend, fühlend. 

So will ich mich 

ergreifen lassen von dir, 

dich ergreifen, 

auch wenn ich nicht alles begreife. 

Jesus 

du siehst mich. 

Du siehst mich an. 

Du kennst mich und weisst, wie ich es meine. 

Und dennoch sprichst du mit mir, 

sprichst mich an 

und sprichst mir dein Lebenswort zu. 

Jesus 

ich komme näher, ich komme zu dir. 

Ich bin einverstanden. 

Ich lasse los, lasse mich fallen, 

dir zu Füssen, die mir Halt geben. 

Ich beuge mich unter deine mächtige Hand, 

du Auferstandener, 

du mein Herr und mein Gott. 

AMEN 

 

Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüsst! 

Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füsse und fielen vor ihm nieder. (Matthäus 28,9) 

Die Frauen sind unterwegs, um den Jüngern von der Botschaft des Engels zu erzählen. Sie laufen, so schnell sie können. Da kommt ihnen einer entgegen: Es ist Jesus, der Auferstandene. Er begegnet ihnen. Die Frauen sehen Jesus lebendig und leibhaftig. 

Jesus spricht mit den Frauen und grüsst sie. 

Das Wort für grüssen ist dasselbe Wort wie sich freuen, fröhlich sein, Wohlgefallen haben, etwas gernhaben oder lieben, mit etwas zufrieden sein. Es meint auch wohlbehalten, gesund, mit heiler Haut, ohne Schaden, glücklich, in Gottes Namen, und ebenso willkommen heissen oder begrüssen. Im Imperativ steht es für die Grussformel: Seid gegrüsst! Seid willkommen! Heil euch! Lebt wohl! Es ergehe euch gut! 

Die Wortwurzel hat mit atmen (Luft haben) und begehren zu tun. 

Mit Jesus begegnen die Frauen dem, der ihre Sehnsucht stillt, bei dem sie wieder atmen können, bei dem sie Frieden finden. Und mit seinem Gruss spricht Jesus ihnen zu, dass sie nun allen Grund haben sich zu freuen und zufrieden zu sein. Es gibt keinen Grund mehr zur Trauer, sondern nur noch zur Freude! 

Und wie reagieren die Frauen? Wie antworten sie? 

Sie kommen zu Jesus, sie kommen näher und erklären sich einverstanden. Denn das Wort für hinzutreten beinhaltet auch das innere Beipflichten und Einverstanden-Sein. 

Ausserdem haben sie das Bedürfnis, Jesus zu berühren. Sie ergreifen und umfassen seine Füsse und halten ihn fest. 

Schon die Sterndeuter aus dem Morgenland warfen sich anbetend vor dem neugeborenen Jesus nieder (Matthäus 2,11). 

Auch sie realisierten, dass es nur eine einzige angebrachte Reaktion und Antwort auf dieses Geschenk vom Himmel gibt: Diese weisen, reichen, einflussreichen, gebildeten, studierten, sternkundigen Männer sinken zu Boden. Sie fallen nieder. Etwas in ihnen zwingt sie vor diesem Kind in die Knie. Sie beten es an. 

Dieses Anbeten ist nicht einfach eine stille Verehrung, sondern das hier verwendete Wort bedeutet: Einem Herrscher oder König kniend huldigen, zugleich den Boden mit der Stirn berühren und den Boden oder die Kleider des Angebeteten küssen… 

Ich glaube, dass es gar nicht möglich ist, mit dem Verstand vor Jesus zu kommen, sondern allein sich mit dem Herzen auf ihn einzulassen. 

Indem nun die Frauen vor dem Auferstandenen anbetend niederfallen und Jesus an den Füssen festhalten, anerkennen sie Jesus als ihren Gott und Herrn und unterwerfen sich seiner Herrschaft und seinem Willen. Sie berühren den auferstandenen Jesus und zugleich die Füsse Gottes, der sie ansieht, anspricht, ermutigt und sendet. 

Jesus ist für die Frauen nicht nur sichtbar und hörbar, sondern auch greifbar, auch wenn sie vermutlich noch nicht alles begreifen. 

Jesus will auch für uns erfahrbar werden und uns begegnen, durch sein Wort, durch sein Wirken, indem er uns entgegenkommt. 

Woran können wir ihn erkennen? 

Zuerst einmal indem wir mit offenen und wachen Sinnen durch unseren Alltag gehen. Indem wir Gottes Stimme von den vielen lauten Stimmen und Geräuschen um uns her unterscheiden lernen. Und indem wir empfänglich werden für das freudige Willkommen von Jesus: 

Sei gegrüsst! Seid gegrüsst! 

Die Antwort auf eine persönliche Begegnung mit Jesus und auf seinen Gruss kann nur Anbetung sein. 

Jesus reagiert auf die Antwort der Frauen und spricht ihnen erneut sein «Fürchtet euch nicht!» zu. Ebenso wiederholt und bestätigt er den Auftrag, den ihnen schon der Engel des Herrn gegeben hat. Er sendet sie: «Ihr braucht euch nicht zu fürchten!», sagt Jesus zu ihnen. «Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen. Dort werden sie mich sehen.» (Matthäus 28,10) 

Sabine Herold