Zeichen der Zuversicht

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Von Deborah Keller, Sulgen/TG.

 

Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen AG, in unserer belasteten Zeit herzlich für ihr neues, starkes Zeichen der Ermutigung.

Gebet

 

Gott,

wie oft träume ich

von einem anderen Leben.

Von Befreiung, Erlösung und Lösungen,

von Weite und Freiheit,

von Freude und Lachen,

vom Staunen und Jauchzen eines Kindes.

 

Gott,

wie sehr sehne ich mich

nach einer Wende,

nach DER Wende,

die aufatmen lässt,

die einen Neuanfang bringt,

die nach Hause führt.

 

Gott,

nur du,

alleine du kannst

mein Schicksal wenden,

meine Gefangenschaft beenden.

Du lässt mich umkehren,

du führst mich zu dir zurück,

zu dir nach Hause.

Du stellst mich wieder her,

meine Kraft lässt du zurückkehren,

damit ich wieder auflebe

in deiner Gegenwart.

 

Gott,

ich ahne es:

Du kannst die Wende bringen.

Du, nur DU allein!

HERR, schenk mir DEINE Sicht!

 

AMEN

© Sabine Herold (13.3.2022)

Gott gibt seinem Volk in der Verbannung ein Versprechen. Er sagt:

Ich wende euer Geschick. Ich werde eure Gefangenschaft umkehren.

Ich mache eure Wegführung rückgängig. Ich lasse euch zurückkehren.

Ich bringe euch zurück.

 

Diese Zusage beinhaltet die Erfüllung der tiefsten Sehnsucht vom Volk Israel: wieder nach Hause zurückkehren, in ihr Land, in ihre Heimat. Das Heimweh hört auf. Die Knechtschaft geht zu Ende. Gott führt sie zu Ende.

Mit anderen Worten ausgedrückt sagt Gott: Ich führe euch in die Freiheit. Ich befreie euch aus der Knechtschaft (wie schon einmal aus Ägypten).

Ich bringe euch nach Hause.

 

Die Wende, nach der sich das Volk Israel so sehr gesehnt hat, wird durch Gott herbeigeführt – allein durch Gott!

Momentan sieht die Realität von Gottes Volk noch ganz anders aus: Gefangenschaft, Knechtschaft, Enge, Heimweh, Trauer… Aber Gott stellt ein Wunder in Aussicht: das Wunder der Befreiung. Das Wunder der Heimkehr in die wahre Freiheit, die Gott schenkt.

 

Gottes Befreiung meint aber immer auch die innere Freiheit, die Erlösung von ungesunden Bindungen und Abhängigkeiten, sei dies von Dingen, Menschen, Lob, Anerkennung…

 

Und schliesslich sehnt sich die ganze Schöpfung nach Erlösung und Befreiung. Dies beschreibt Paulus im Römerbrief, Kapitel 8,18-22:

18 Denn ich bin überzeugt, dass dieser Zeit Leiden nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll. 19 Denn das ängstliche Harren der Kreatur wartet darauf, dass die Kinder Gottes offenbar werden… 21 denn auch die Schöpfung wird frei werden von der Knechtschaft der Vergänglichkeit zu der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes. 22 Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung bis zu diesem Augenblick seufzt und in Wehen liegt.

 

Und letztendlich schwingt da auch die tiefe Sehnsucht mit, dass Gott eines Tages die vollstände Erlösung bringen und alles neu machen wird (vgl. Offb 21).

 

Gott allein wird die Wende bringen. Er wird alles zu Ende führen – zu seinem Ende. Er will uns zu sich nach Hause lieben. Er sagt: Ich werde euer Geschick, eure Gefangenschaft wenden. Ich will euer Schicksal zum Guten wenden… Ich werde alles wieder zum Guten wenden… ich werde euch wieder herstellen 

 

Wie gehen wir damit um? Wie lautet unsere Antwort? Vertrauen wir dieser Zusage von Gott? Vertrauen wir uns ihm an – komme, was wolle?

David macht es uns vor und empfiehlt (Psalm 37,5):

Befiehl dem HERRN deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohlmachen. Überlass dem HERRN die Führung deines Lebens, wälze auf ihn deinen Weg und vertraue ihm dein Leben an, setze dein ganzes Vertrauen auf ihn – er wird handeln, er macht es richtig, er wird’s zu Ende führen!

 

Vertraue ich darauf, dass Gott weiss, was er tut, und dass sein Weg für mich gut ist, wie es Paulus ein paar Verse weiter sagt (Römer 8,28):

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.

 

Oder mit Worten von Dietrich Bonhoeffer gesprochen:

«Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Schicksal ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet.» (Dietrich Bonhoeffer)

 

Gottes Hände sind meine Zuversicht.

Durch das Dunkel führen sie doch zum Licht.

Im Frieden geborgen, vom Kampf umtost,

in deinen Händen, Herr, bin ich getrost!

 

(Aus einem alten Volkskalender)

 

Diese Wende wünsche ich uns von Herzen… – bald!

Sabine Herold

 

Bibelstellen zum Nachlesen

Psalm 37; Psalm 126; Jeremia 30,18; 31,23; 33,7.11; Zephanja 3,20; Matthäus 6,13; Offenbarung 21