Zeichen der Ermutigung zum Start

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Zeichnung von Deborah Keller.

 Gott 

wir warten auf dich, 

wir sehnen uns nach dir, 

dass du kommst, 

dass du wiederkommst. 

Gott 

komm wieder zu uns, 

und erfülle unser Denken, 

damit wir DICH denken. 

Gott 

komm zu uns, 

und gestalte unsere Worte, 

damit wir Gutes sagen. 

Gott 

komm wieder zu uns, 

und berühre unsere Herzen, 

damit wir lebendig werden. 

Gott, 

komm zu uns, 

und belebe unser Handeln, 

damit wir Liebe wirken. 

Gott, 

komm wieder zu uns, 

und berühre uns, 

damit wir uns dir öffnen 

und dich empfangen: 

immer wieder neu, 

immer wieder, 

immer! 

Will-kommen 

Gott 

AMEN 

© Pfarrerin Sabine Herold (3. Januar 2021) 

Warten 

Wer wartet schon gerne? Wartest du gerne? 

Worauf warten wir, wenn Weihnachten vorbei ist? 

Worauf warten wir im neuen Jahr? Was erwarten wir? 

Worauf warten wir, wenn wir warten? 

Was geschieht, wenn wir zu Ende gewartet haben? 

Mit Warten ist eine Hoffnung verbunden, ein Sehnen und der damit verbundene Wunsch, dass sich die Hoffnung erfüllt und die Sehnsucht gestillt wird. Warten braucht Geduld, und was diese Geduld nährt, ist die beharrliche Hoffnung. 

Dieser Satz «HERR, ich warte auf dein Heil!» taucht zum ersten Mal in Genesis Kapitel 49,18 auf und wird von Jakob ausgesprochen. 

Aber worauf hat Jakob gewartet? 

Eigentlich wartete er nur noch auf sein Ende – auf seinen Tod. 

Jakob lag auf seinem Sterbebett und schenkte jedem seiner Söhne ein Wort: den väterlichen Segen. Diesen hatte er sich in jungen Jahren von seinem Vater erschlichen. Nun hatte er seine Lektion gelernt und machte es anders (nachzulesen in Genesis 49). Als Jakob seinen siebten Sohn Dan (Der Name Dan bedeutet Richter) als zukünftigen Richterstamm segnet, gibt er diesen eindrücklichen Satz von sich: 

«HERR, ich warte auf dein Heil!» 

Jakob sehnte sich nach Heil, nach Erlösung, nach Gottes Heilstaten und nicht nach menschlichem Wirken und Walten. Das hatte er in seinem Leben zur Genüge erfahren, denn sein Leben war geprägt von enttäuschten Hoffnungen, schmerzhaften Verlusten, Trauer, Lug und Betrug, Unversöhnlichkeit… und dennoch von Segenszusagen und Segenszeichen Gottes. 

Nun vertraut Jakob nicht mehr seinen Tricks und Methoden, sondern er setzt seine Hoffnung auf einen anderen: «HERR, ich warte auf dein Heil!» 

Was ist Heil? Was bedeutet dieses Wort? 

Das Wort für Heil heisst auf Hebräisch «Jeschuah» – und entspricht dem hebräischen Namen von Jesus. Das Wort Jeschuah bedeutet Heil, Hilfe und beschreibt die Heilstaten Gottes. In der Ankündigung der Geburt Jesu an Josef in Matthäus 1,21 wird mitgeteilt, dass das Kind Jesus heissen soll, denn «er wird sein Volk retten von ihren Sünden» (vgl. Lukas 1,31). 

Das Verb aus der Wurzel von Jeschuah bedeutet helfen, retten, zu Hilfe kommen. 

Dieser Name Jeschuah (Jesus) ist und bleibt Programm. 

Als Jakob diesen eindrücklichen Satz «HERR, ich warte auf dein Heil!» sagt, ist es, wie wenn er eine Vision hat und eine prophetische Aussage macht. Mit seinem inneren Auge scheint er mehr und weiter zu sehen, als sein irdischer Blick reicht. 

Jakob, der Vater von zwölf Söhnen und Stammvater von zwölf Stämmen, der seine Hoffnung lange Zeit auf einen leiblichen Sohn gesetzt hat, hat auf einmal einen anderen «Sohn» vor Augen: das Heil Gottes, den Heiland: Jeschuah! 

In Psalm 119,166 wird dieser Satz wiederholt. In den 176 Versen dieses Psalms geht es beständig um Gottes Wort, Gottes Weisungen und Gesetze. Und auch hier ist wieder Jesus Zentrum, denn er ist das fleischgewordene Wort Gottes: «Gott war das Wort… und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns…» (vgl. Johannes 1,1.14) 

Rund um die Geburt Jesu wird berichtet, wie Menschen warten, hoffen und sich sehnen – bewusst oder unbewusst, so auch der alte Simeon (vgl. Ermutigung zum 1. Januar): 

Simeon wartet schon lange auf den Trost Israels und hat vom Heiligen Geist die Verheissung bekommen, den Messias noch zu seinen Lebzeiten zu sehen (vgl. Lukas 2,22-35). Und nun sieht er Jesus, nimmt ihn in die Arme, lobt Gott und sagt: »Herr, nun kann dein Diener in Frieden sterben, denn du hast deine Zusage erfüllt. Mit eigenen Augen habe ich das Heil gesehen, das du für alle Völker bereitet hast – ein Licht, das die Nationen erleuchtet, und der Ruhm deines Volkes Israel.« (V. 29-32) 

Simeons Warten hat sich gelohnt. Seine Hoffnung wird erfüllt, seine Sehnsucht gestillt. 

Worauf wartest du? Wonach sehnst du dich? 

Hoffst du auf etwas, das über das Irdische hinausgeht? 

Hoffst auch du auf das Heil Gottes, auf den Messias? 

Hoffst du auch darauf, dass er wiederkommen wird, wie er es gesagt hat? 

Gott möge unsere Sehnsucht nach ihm stillen und unsere Augen für sein Heil und für ihn selbst öffnen. Er stärke die Hoffnung auf sein Kommen – auf seine Wiederkunft! 

Pfarrerin Sabine Herold