Zeichen der Ermutigung, Folge 24

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Es folgt das 24. Zeichen der Ermutigung, für das die Redaktion Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen/AG, und der Künstlerin Deborah Keller, Sulgen/TG, bestens dankt. Die kongenialen Werke von Sabine Herold und Deborah Keller erscheinen in Form einer gediegenen Broschüre, die unter sabine.herold@ref-wohlen.ch für Fr. 5.- zu beziehen sind.

Illustration von Deborah Keller.

 Zuspruch für meine Seele 

Du, meine Seele, 

schaue auf Gott, wende dich ihm zu, 

vertraue ihm, baue auf ihn. 

Ungewissheit ist kaum auszuhalten. 

Unruhe legt sich nicht von alleine. 

Dennoch, meine Seele: 

Beruhige dich, warte ab, halte aus, halte durch! 

Du, meine Seele, 

erinnere dich doch, 

wie Gott dich bis hierher 

begleitet, versorgt und bewahrt hat. 

Vergiss nicht all das Gute, 

das dir von ihm zuteilwurde. 

Du, meine Seele, 

schaue auf Gott, wende dich ihm zu, 

vertraue ihm, baue auf ihn. 

Du, meine Seele, 

von Gott allein kommt 

deine Kraft, deine Hilfe, deine Hoffnung. 

Er allein ist die Quelle des Lebens. 

Bei ihm bist du sicher. 

Er gibt dir Boden unter den Füssen. 

Er hält dich, 

darum fällst du nicht, sondern kannst bestehen. 

Du, meine Seele, 

schaue auf Gott, wende dich ihm zu, 

vertraue ihm, baue auf ihn. 

Du, meine Seele, 

suche deine Zuflucht bei Gott, 

berge dich bei ihm, der sicheren Burg, 

denn ER allein ist deine Hilfe: Jeschuah! 

© Pfarrerin Sabine Herold (25. Oktober 2020) 

 

Immer wieder muss ich es mir sagen: Vertrau auf Gott, dann findest du Ruhe! Er allein gibt mir Hoffnung, er ist der Fels und die Burg, wo ich in Sicherheit bin, darum werde ich nicht wanken. (Psalm 62,6-7) 

So lautet dieses Psalmwort in der «Guten Nachricht». 

Moment mal. Mit wem spricht der Beter hier eigentlich? Führt er etwa Selbstgespräche? 

Der Psalmbeter David, der von seinem Feind König Saul jahrelang verfolgt wird und auf der Flucht ist, macht sich immer wieder neu bewusst, wo er echte Hilfe bekommt, wo sein wahrer Zufluchtsort ist, wo seine Seele zur Ruhe kommt und Heimat findet. 

Diese beiden Verse 6 und 7 sind eine Wiederholung der Verse 2 und 3, doch diesmal spricht er es sich bewusst zu, wie wenn er sich selbst motivieren und sich diese Aussage in Erinnerung rufen möchte. 

David weiss, dass Kopfwissen alleine nicht ausreicht. Die Wahrheiten von Gott wollen bis ins Innerste, bis in den Kern der Persönlichkeit gelangen, und so kommt David mit seiner Seele, mit seiner Persönlichkeit, mit seinem innersten Kern ins Gespräch: 

Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung. Er ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde. (Lutherbibel) 

David setzt allen schwierigen Umständen ein entschiedenes Dennoch entgegen und trotzt so den aktuellen Widrigkeiten. Er fordert seine Seele bzw. sich selbst auf, sich an Gott zu wenden und bei ihm Zuflucht zu suchen. Hier kann er zur Ruhe kommen. Hier muss er nicht mehr in panisches Tun oder hektischen Aktivismus verfallen, sondern kann auf Gott warten und abwarten, was er wirkt. 

Die Gute Nachricht Bibel formuliert diesen ersten Teil sehr frei und überträgt ihn folgendermassen: Immer wieder muss ich es mir sagen: Vertrau auf Gott… 

Es genügt also nicht, sich diese Wahrheit über Gott ein Mal bewusst zu machen. Nein: Unsere Seele, unser Innerstes braucht Wiederholung und muss es immer wieder neu hören: Sei nur stille zu Gott, meine Seele… 

Warum? 

Was ist der Grund, dass die Seele bei Gott zu Ruhe kommen kann? 

Davids Antwort lautet: Gott ist meine Hoffnung. Er allein gibt mir Hoffnung. 

Diese Hoffnung bleibt. Diese Hoffnung hält. 

Diese unerschütterliche Hoffnung trägt durch bis ans Ende. 

Das hebräische Wort für Hoffnung (tiqwah) wird an einer einzigen Stelle in der Bibel in der Bedeutung «gedrehte Schnur» gebraucht, und zwar in Josua 2. In diesem Kapitel wird berichtet, wie die Hure Rahab aus Jericho die beiden israelitischen Kundschafter an einem roten Seil durchs Fenster entkommen liess, weil ihr Haus an der Stadtmauer stand. Dieses rote Seil wurde für sie zum rettenden Hoffnungsseil, denn als die Stadt erobert wurde, blieb ihr Haus als einziges stehen und sie wurde verschont. Rahabs Hoffnungsseil wurde sowohl für die Kundschafter, als auch für sie selbst zur Rettung (Josua 2,15.18.21; 6,22.23.25). 

So ein rettendes Hoffnungsseil ist Gott auch für uns. 

Warum? 

Warum beschreibt David Gott als einzige Hoffnung? 

Was macht den Unterschied? 

David spricht seiner Seele zu: Nur Gott ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde. 

Mit diesem Felsen ist ein freistehender, stabiler, harter, fester Fels gemeint, der hält. 

Hilfe heisst auf Hebräisch Jeschuah und bedeutet Heil, Heilstaten, Rettung. Genau dieses Wort Jeschuah ist auch der Name von Jesus, und sein Name bedeutet: Gott hilft, Gott rettet. 

Der Schutz, von dem David spricht, ist sowohl eine sichere Festung, Anhöhe, Hochburg, als auch Zuflucht. Eine Hochburg ist eine Befestigung oberhalb einer Stadt, zu der die Bewohner fliehen konnten und Zuflucht fanden. Für David ist Gott so ein Zufluchtsort, zu dem er in Not fliehen kann, zu dem er aber auch sonst jederzeit Zugang hat. 

Was bedeutet dies für David, dass Gott allein sein Fels, seine Hilfe und seine Zuflucht ist? Die Antwort heisst: Ich wanke nicht! 

Gott gibt ihm Standfestigkeit und Sicherheit. Er ist der feste Grund, auf dem David in und trotz allen Widrigkeiten des Lebens bestehen kann. In Gott ist er sicher. 

Daran erinnert David seine Seele. Niemals will er diese Wahrheit vergessen, und deshalb entscheidet er sich, sie immer wieder zu bekennen: Aber sei nur stille zu Gott, meine Seele; denn er ist meine Hoffnung. Er allein ist mein Fels, meine Hilfe und mein Schutz, dass ich nicht wanken werde. 

Diesen Zuspruch für die Seele wünsche ich uns allen! 

Pfarrerin Sabine Herold