Zeichen der Ermutigung

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Illustration von Deborah Keller, Sulgen TG.

Wieder danken wir Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen AG, für ihr Zeichen der Ermutigung, das sie der Redaktion vor jedem Sonntag mit “militärischer” Pünktlichkeit sendet (eine Anmerkung, die wir uns erlauben, wenn wir an ihren unermüdlichen Dienst als Armeeseelsorger denken, 2020 sogar in zehnwöchigem “CORONA”-Assistenzdienst – oder an ihren langjährigen Einsatz auf Waffenplätzen, namentlich unserer Hauptwaffe, der Infanterie).

Gebet 

Lobe den HERRN, 

meine Seele! 

Mit all meiner Kraft, 

mit meinem ganzen Sein, 

so wie ich bin, 

will ich DICH preisen. 

Danach verlangt mein Herz. 

Das ist meine Sehnsucht. 

Ja, alles in mir, 

alles, was mich ausmacht 

und was in mir ist, 

lobe deinen heiligen Namen – 

lobe DICH! 

Meine Seele, vergiss nicht, 

was er dir Gutes getan hat: 

Ich will mich erinnern 

und mir vor Augen halten, 

was du, HERR, 

in meinem Leben schon bewirkt hast: 

Deine vollbrachten Taten, 

deine Wohltaten: 

Du vergibst und erlöst. 

Du heilst und stellst wieder her. 

Du rettest und schützt. 

Du würdigst und krönst. 

Du erbarmst dich und beschenkst. 

Du richtest auf und stärkst. 

Du greifst ein und hilfst… 

Lobe den HERRN, 

meine Seele! 

Ja, DICH will ich preisen, 

du mein Gott! 

AMEN 

© Sabine Herold (28.3.2021) 

 

Ist dir eigentlich immer und überall nach Loben zumute? Bist du tagtäglich dankbar und in der Stimmung, Gott zu loben und zu preisen? Oder kennst auch du Situationen in deinem Leben, in denen du gar nicht an Gott denkst und schon gar nicht daran, ihn zu loben und zu preisen, in denen es dir alles andere als nach Lobpreis und Freude zumute ist? Vermutlich ist uns das «Lobpreis-Gen» nicht mit in die Wiege gelegt worden… 

Auch König David ist sich bewusst, dass er sich nicht ununterbrochen in der Dauerstimmung vom Lobpreis Gottes befindet. Im Gegenteil. Und wenn wir sein Leben genauer betrachten, dann stellen wir fest, dass David mehr als einmal allen Grund gehabt hätte, aufzugeben, zu verzagen, in tiefe Depressionen und in Hoffnungslosigkeit zu versinken. Doch er tut es nicht. Warum nicht? Die Antwort finden wir in Psalm 103, in dem David wie zu sich selbst spricht, und sich und sein Inneres dazu auffordert, den HERRN zu loben. 

Lobe den HERRN, meine Seele… 

David spricht einmal mehr zu seiner Seele, zu sich selbst. Er ermutigt sein Inneres, sich auf Gott auszurichten. Das will er. Er entscheidet sich dazu. Die Seele (naefaesch) bezeichnet im hebräischen ersten Testament das Innere des Menschen, seine Persönlichkeit. Seele meint eine Person mit ihrem Charakter, ihrer Gesinnung, ihrer Sehnsucht und ihren Empfindungen. Die Seele ist der Kern der Persönlichkeit, das Ich, das einen Willen hat und sich entscheiden kann. Die Seele ist das, was den Menschen zu einem lebendigen Wesen macht. Gemäss Genesis 2,7 ist dies der Odem Gottes: Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. 

Preise den HERRN, meine Seele… 

David verwendet für loben ein Wort, das eigentlich segnen bedeutet (barak). Die Sache oder Person, über die gut geredet wird, wird gelobt, gepriesen und gesegnet. Während des Preisens und Segnens werden wahre, gute, kraftvolle Worte ausgesprochen, die zum Heil wirken. 

Wenn David mit all seinem Sein und Wesen Gott lobt, dann spricht er beim Preisen seine Wahrheiten über Gott und seine guten Lebens-Erfahrungen mit ihm aus. Er bekennt Gott, den HERRN als den, der in seinem Leben Gutes tut, wirkt, vergibt, heilt, stärkt, segnet… 

Dieser Lobpreis wirkt wiederum: Er tut seiner Seele bzw. ihm selbst gut und ebenso allen, die ihn hören. Er erhöht und verherrlicht zugleich Gott, von dem all das Gute kommt. 

Dieselbe Wortwurzel hat auch eine andere Bedeutung: niederknien. Wer Gott preist und seine Wohltaten bekennt, der kann nicht anders als niederknien und diesen Gott verehren. 

David hat die Erfahrung gemacht, dass es mehr als gesund ist und guttut, Gott und seinen Namen zu loben. Darum weckt er seine Seele und fordert sie auf: Du hast allen Grund Gott zu preisen und dich zu erinnern. Woran? 

… und vergiss nicht all seine Wohltaten: 

Lobe Gott, damit du nicht vergisst, sondern dich immer wieder daran erinnerst und dir bewusst machst, was er dir Gutes getan hat. 

Das hebräische Wort, das hier für Tat bzw. Wohltat verwendet wird (gmul), bedeutet «vollbrachte Tat», also etwas, das Gott schon getan, schon vorbereitet hat. Es ist schon da. Gott gibt an seinen vollbrachten Taten und Wundern Anteil. Wir dürfen daran teilhaben, sie miterleben, und deswegen mit offenen Augen und wachem Geist durchs Leben gehen, um dies auch bewusst miterleben und in uns speichern zu können, als Wohltaten-Vorräte für schwierige Zeiten. 

David will das Gute von Gott vor Augen haben. Er erinnert sich. Und Erinnern bewahrt vor dem Vergessen. So zählt David auf, was Gott in seinem Leben hat reifen lassen und vollendet hat, was er an ihm getan und ihm erwiesen hat. David hält sich Gottes Taten und Wohltaten vor Augen (Psalm 103,3-6): 

3 Er vergibt dir all deine Schuld und heilt alle deine Krankheiten. 

4 Er rettet dich mitten aus Todesgefahr, krönt dich mit Güte und Erbarmen. 

5 Er gibt dir in deinem Leben viel Gutes – überreich bist du beschenkt! Wie sich bei einem Adler das Gefieder erneuert, so bekommst du immer wieder jugendliche Kraft. 6 Der Herr vollbringt große Rettungstaten, allen Unterdrückten verhilft er zu ihrem Recht… (NGÜ) 

Auch wir dürfen uns immer wieder daran erinnern, was Gott Gutes in unserem Leben getan hat, und unsere Seele zum Lobpreis ermutigen. 

Sabine Herold