Zeichen der Ermutigung

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Wir danken Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen AG, und der Illustratorin Deborah Keller, Sulgen TG, für ihr neues Zeichen der Ermutigung.

Gebet 

Gott, 

ich brauche 

keinen roten Teppich, 

kein Denkmal, 

keine Memoiren, 

keine Lobhudeleien. 

Gott, 

und doch 

trage ich in mir die Angst, 

eines Tages in Vergessenheit zu geraten, 

aus den Augen, aus dem Sinn zu verschwinden, 

aus dem Gedächtnis gelöscht zu werden, 

wie wenn es mich nie gegeben hätte. 

Gott, du sagst: 

Ich vergesse dich nicht! 

Ja bitte, gib mir einen Platz bei dir. 

Lass mich ein Gedanke von dir sein. 

Denke an mich. Gedenke meiner. 

Gott, vergiss mein nicht! 

Gott, 

du segnest ins Leben hinein, 

die Grossen und die Kleinen, 

denn vor dir ist kein Ansehen der Person. 

Was zählt, ist das Herz, das Wesen, der Kern. 

Gott, 

du segnest: 

Du stärkst und befähigst zum Leben, 

du stärkst den Rücken und gibst Halt. 

Deine Berührung, deine Umarmung, deine Hand auf mir 

würdigen mich, machen mich 

zu einem gesegneten Menschen. 

Du, HERR, denkst an mich und segnest mich. 

Darum lasse ich dich nicht los. AMEN 

Der HERR denkt an uns und will uns segnen. (Psalm 115,12) 

Wie geht es dir mit dem Gedanken, dass jemand an dich denkt? 

Wenn da jemand ist, bei dem du nicht vergessen bist, dem du nicht egal bist, sondern der sich immer wieder an dich erinnert? 

Jemand, der deiner gedenkt, der dich vielleicht immer wieder mal erwähnt und letztlich würdigt? 

Wir Menschen sehnen uns ja danach, dass wir nicht einfach vergessen gehen, sondern dass wir in der Erinnerung, in den Gedanken und im Herzen anderer einen Platz haben und auch behalten – wahrscheinlich ganz besonders in unseren Familien, Freundschaften und Beziehungen. 

In uns wohnt die Sehnsucht nach Würdigung unseres Lebens und Daseins, und zugleich die Angst einfach unbemerkt aus dem Gedächtnis zu verschwinden. 

Wie wunderbar und wohltuend ist da der Satz in Psalm 115,12, der zugleich Zusage ist: Der HERR denkt an uns! 

Und noch mehr Zusagen in der Bibel bestätigen dies, dass Gott uns nicht vergisst! Eher vergisst eine Mutter ihr Kind, als dass Gott eines seiner Kinder im Stich lässt! (vgl. Jes 49,15; 44,21) Wir Menschen müssen Gott sehr viel wert sein, dass er an uns denkt (Psalm 8,5), selbst wenn wir ihn enttäuschen und uns von ihm abwenden (Jer 31,20). 

Wenn Gott sogar an die Spatzen denkt, um wie viel mehr an die Menschen, die seine Geschöpfe sind (Luk 12,6; Mt 6,26; 10,30). 

Gott denkt aber nicht nur an uns, sondern er will uns auch segnen! 

Segen ist ein unverdientes Geschenk. Gott beschenkt uns jeden Tag mit seinem Guten, mit seinen Wohltaten. 

Doch was ist Segnen eigentlich? 

Der hebräische Begriff für Segnen (brk) bedeutet im Alten bzw. Ersten Testament «mit heilvoller Kraft begaben». Segnen meint also ganz kurz: Göttliche Kraft zusprechen und weiterschenken, die zum Guten wirkt. Das Gegenteil davon ist das Fluchen mit seiner zerstörerisch wirkenden Kraft. 

Meistens besteht das Segnen aus einem kraftvollen Wort und einer bekräftigenden Handlung, wie z.B. dem Auflegen der Hände, einer Umarmung, Berührung etc. 

Der erteilte Segen wirkt immer und dauerhaft. Er kann weder zurückgenommen noch unwirksam gemacht werden. 

In der Bibel zeigt sich Segnen in Fruchtbarkeit und bewirkt Ruhe, Sicherheit vor Feinden, Glück und Heil. Segen bringt wahren Schalom (Frieden). 

Gott schenkt uns Anteil an sich selbst, nicht nur indem wir Teil seiner Gedanken sind und er an uns denkt, sondern auch indem er uns von seinem Guten, von seiner Kraft, von seinen Gaben schenkt: indem er uns segnet. 

Doch wer ist hier eigentlich gemeint? Alle? 

Psalm 115,11 nennt «alle, die Gott fürchten», d.h. wer achtsam und behutsam Gott gegenüber ist, wer in Ehrfurcht und mit der richtigen Haltung zu Gott kommt. Die Bibel spricht von Frömmigkeit. Doch es geht dabei nicht um ein «Frömmeln», dem viele negativ gegenüberstehen, sondern echte Frömmigkeit meint echt, ehrlich und authentisch zu sein. 

Menschen, die Gott fürchten, sagen Ja zu Gott und zu seinem Willen. Es sind die Menschen, die nicht nur mit den Lippen zu Gott sagen «Dein Wille geschehe», sondern die es auch tatsächlich so meinen… 

Die Furcht des HERRN ist der Weisheit Anfang. (Psalm 111,10) 

Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis. (Sprüche 1,7) 

Die Furcht des HERRN ist eine Quelle des Lebens… (Sprüche 14,27) 

So sagen es weitere Worte aus der Bibel. Wer sich also Weisheit, Erkenntnis und Leben wünscht, fürchte am besten den HERRN! 

Und schliesslich geht es bei der Gottesfurcht auch darum, Gott mehr zu gehorchen als Menschen, und Gott mehr zu fürchten als Menschen – egal, was andere denken, meinen, sagen, tun… Da geht es unserer Menschenfurcht an den Kragen… 

Und was ist mit «all denen, die Gott fürchten» in Psalm 115? 

Sie können auf den HERRN hoffen. Sie haben allen Grund Gott zu vertrauen, denn bei Gott dürfen sie sich sicher fühlen. Ja, bei ihm – als Teil seiner Gedanken und unter seinem Segen – können sie sich sogar sorglos und getrost fallen lassen. Warum? Weil Gott die wahre Hilfe, der richtige Helfer ist; weil er ihnen zu Hilfe kommt, weil er Schutzschild ist! 

Vielleicht denkst du jetzt: Warum sollte Gott an MICH denken? Ich bin doch so klein und unbedeutend. Falsch! Der Psalm drückt es ganz klar aus: Nicht nur die Menschen, denen Grösse zugeschrieben wird oder die grosse Taten vollbringen, sind in Gottes Gedächtnis, sondern auch und erst recht die Kleinen, Unbedeutenden, Unscheinbaren. Gott schaut nicht aufs Äussere oder den äusseren Schein, sondern er sieht und kennt das Herz! (vgl. hierzu 1. Samuel 16,7) Also gilt: Wenn du Gott fürchtest, gehörst du zu den Erinnerten und Gesegneten des HERRN – wie gross oder klein du auch immer sein magst! 

Sabine Herold