Zeichen der Ermutigung

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Zeichnung von Deborah Keller, Sulgen TG.

Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen AG, für ihr neues Zeichen der Ermutigung.

Gebet 

Heile du mich, HERR, 

so werde ich heil. 

Du kannst es, Gott! 

Bei dir ist kein Ding unmöglich. 

Von dir will ich mich 

ansprechen, berühren, 

bewegen, verändern, 

reparieren und wiederherstellen lassen, 

mich in deine Ordnung einfügen 

und gesunden. 

Hilf du mir, HERR, 

so ist mir geholfen. 

Wer hilft wirklich? 

Wer bietet Hilfe an 

und meint es auch so? 

Wer macht nicht nur 

grosse Worte und Hilfsangebote, 

sondern tut auch konkret etwas? 

Gott, du hältst, was du versprichst. 

Dein Wort wirkt tiefer, befreiend, heilend. 

DU bist mein Ruhm! 

Du allein hast Lob und Dank verdient. 

Dir gebührt alle Ehre und Anerkennung. 

Deine Herrlichkeit verleiht meinem Leben Glanz, 

denn durch dich lebe ich. 

Heile du mich, HERR, 

so werde ich heil; 

hilf du mir, 

so ist mir geholfen; 

denn du bist mein Ruhm. 

AMEN 

© Sabine Herold (14.3.2021) 

Wir Menschen sehnen uns danach, heil und unversehrt zu sein. 

Heil in der Bibel meint aber mehr als «nur» körperliche Gesundheit, weil der Mensch ein ganzheitliches Wesen, eine Einheit von Leib, Seele und Geist ist. Es geht um mehr als «Hauptsache gesund», wie immer wieder gesagt wird. 

Es ist der Prophet Jeremia, der hier um Heilung bittet und Gott um Hilfe anruft. Wer ist Jeremia? 

Er stammt aus einer priesterlichen Familie und wirkt um 600 v. Chr. 

Er wird in jungen Jahren berufen und bekommt von Gott den Auftrag, dem Volk Israel bzw. Juda das Gericht zu verkündigen, ebenso den Untergang und die Zerstörung des Tempels. Jeremia soll das Volk Gottes aber auch zur Umkehr rufen und sie einladen sich Gott wieder zuzuwenden. Jeremia leidet sehr in seinem Amt als Prophet und erlebt viele Anfeindungen. Sein Leiden, von dem er geheilt werden möchte, ist keine körperliche Krankheit. Jeremia leidet unter Ablehnung, Unverständnis, Einsamkeit, Verfolgung, Angriffen. Er leidet auch unter den Folgen der Sünde und Gottlosigkeit des Volkes. Jeremia gibt nicht auf, sondern ruft das Volk unermüdlich zur Umkehr auf. Er erlebt auch die Zerstörung Jerusalems mit und wird ebenso verschleppt. Als Prophet hat er keine privilegierte Position. Im Gegenteil… 

Heile du mich, Herr, dann werde ich wieder gesund! Hilf mir, dann ist mir wirklich geholfen! Du hast mir doch immer Grund gegeben, dich zu preisen. (Gute Nachricht) 

Als Jeremia Gott um Heil und Hilfe bittet, hat er das grosse Leiden noch vor sich. Ein paar Kapitel später antwortet Gott: 

Rufe mich an, so will ich dir antworten und will dir kundtun grosse und unfassbare Dinge, von denen du nichts weisst… Siehe, ich will sie heilen und gesund machen und will ihnen dauernden Frieden gewähren. (Jer 33,3.6) 

Beim Heilen bzw. Gesundwerden in der Bibel geht es auch darum, wiederhergestellt zu werden, sozusagen um eine Reparatur. Dies bedingt auch, dass Heilung zugelassen wird, d.h. dass wir Gott unsere Wunden und Verletzungen hinhalten und ihn an uns wirken lassen… – nicht wie es folgender Patient in einer Therapie machte: 

Zwei Patienten in einer Rehaklinik bekommen Therapie. Jeder liegt in seiner Kabine auf dem Behandlungstisch, dazwischen ein Vorhang. Der Therapeut beginnt beim ersten Patienten. Dieser stöhnt und windet sich vor Schmerzen. Er kann die Qual kaum ertragen und ist froh, als die Therapie endlich vorbei ist. Nun geht der Therapeut zum nächsten Patienten. Der bleibt still und erträgt alles geduldig. Nach der Therapie fragt der erste seinen Nachbarn: „Sag mal, macht dir das nicht weh? Ich könnte schreien vor Schmerzen!“ „Nein“, sagt der andere, „ich halte dem doch nicht meine kranke Stelle hin! Ich lasse den doch nicht an meinen wunden Punkt!“ 

Wen lassen wir an unsere wunden Stellen? Von wem oder was erwarten wir unsere Hilfe? Verlassen wir uns auf Menschen, auf unsere Beziehungen, auf die Gnade anderer oder auf Gott? Trauen wir Gott zu, dass er uns retten kann, oder versuchen wir lieber alles andere? – Die wahre Hilfe kommt von Gott, denn er ist der Arzt, ausser ihm gibt es keinen Heiland! (vgl. Exodus 15,26; Jesaja 43,11) 

Jeremia ist verzweifelt und ruft um Hilfe. Er erwartet seine Hilfe nicht mehr von Menschen, sondern von Gott, dass dieser ihn rettet und aus seiner Situation befreit. 

Und schliesslich endet der Hilferuf von Jeremia folgendermassen: 

Denn du bist mein Ruhm; dich allein will ich preisen! 

Dieser kurze Ausspruch ist grundlegend, denn hier entscheidet sich, auf wen wir ausgerichtet sind. 

Wenn Gott unser Ruhm ist und wir ihn allein preisen und loben, dann stimmt unsere Ausrichtung, dann erwarten wir alle Hilfe und unser Heil von ihm. 

Letztendlich geht es in unserem Leben immer wieder um die Frage: Suche ich meine eigene Ehre, mich selbst oder Gott? 

Die Antwort und Entscheidung liegen bei mir persönlich. 

Wie antworte ich? Wie entscheide ich mich? 

Sabine Herold