Zeichen der Ermutigung

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Illustration von Deborah Keller.

Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen AG, für ihr Zeichen der Ermutigung zu Sonntag, 7. März 2021.

Gebet 

Gott, 

wie unbegreiflich 

sind für mich deine Gedanken, deine Pläne, deine Vorhaben. 

Gott, 

wie unbegreiflich 

sind für mich deine Wege, dein Wesen, dein Verhalten. 

Sie übersteigen mein Denken, meine Vorstellungen, meine Fantasie. 

So weit kann ich weder denken, noch fühlen, noch gehen. 

Gott, 

wie unbegreiflich ist für mich, 

dass du uns Menschen noch nicht aufgegeben hast, 

dass du noch immer die Sonne auf- und untergehen lässt 

über Gerechte und Ungerechte. 

Wer kann das nachvollziehen? 

Kein Mensch wäre von sich aus wie du. 

Niemand ist dir gleich. Kein Mensch ist mit dir zu vergleichen! 

Menschlich ist vielmehr, 

wer was verdient hätte, 

wer falsch oder richtig tickt, 

wer besser oder schlechter ist, 

wer wie sein sollte… – 

so würden wir denken. 

Göttlich ist anders, sprengt unser enges Denksystem. 

Du bist anders. Du bist göttlich. Du bist Gott! 

Deine Gedanken und Wege übersteigen mich, denn: 

Du stillst die Sehnsucht. 

Du beschenkst mit deinen Gaben. 

Du sprichst Leben. 

Du lässt dich finden. 

Du hast Erbarmen. Du vergibst. 

Wo ist ein Gott wie du? Wo? 

Zeige mir den Weg, den ich gehen soll, 

denn ich sehne mich nach dir! 

AMEN 

© Sabine Herold (7. März 2021) 

Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. (Jesaja 55,8-9, Lutherbibel) 

Dieses Wort von Gott sagt es klar: 

Da ist ein riesiger Unterschied zwischen Gott und uns, zwischen seinen Gedanken und unseren Gedanken, zwischen seinen Plänen und unseren Plänen, zwischen seinen Wegen und unseren Wegen. Unsere Gedankensplitter, rudimentären Pläne und Wege reichen niemals an Gottes Genialität, Gedanken und Vorhaben heran. Wir sind diesbezüglich meilenweit von ihm entfernt. Deswegen ist er aber nicht ferne von uns!!! 

Gott spricht hier durch den Propheten Jesaja zu seinem Volk und teilt diesem seine Gedanken mit. Er lässt seine Kinder Anteil nehmen an seinen Plänen. Die Worte, die Gott in diesem Kapitel zu seinem Volk sagt, sind ein ständiges Werben und Einladen in seinen Bund, in seine Familie. 

So gibt er ihnen Einblick in seine Gedanken und Wege: 

– Bei mir wird euer Durst und eure Sehnsucht gestillt! (V.1) 

– Bei mir bekommt ihr gute Gaben – umsonst! Einfach so, als Geschenk. (V.2) 

– Bei mir findet ihr Lebensworte und Wahrheit. Hört meine Worte, so werdet ihr leben. Ich will einen bleibenden, beständigen Bund mit euch schliessen. (V.3) 

– Ich mache dich herrlich; ich würdige dich. (V.5) 

– Suche mich, rufe mich an, kehre um zu mir. Bei mir ist viel Vergebung! (V.6) 

So sehen Gottes Gedanken und Wege aus. 

Doch was ist mit den «Gedanken» gemeint? 

Gedanke meint von der hebräischen Wortbedeutung her auch Vorhaben, Plan und Erfindung. Gottes Gedanken beinhalten das, was er vorhat mit seinem Volk, mit seinen Menschen; was er plant. Und auch: Was er erfindet bzw. schafft. Da reichen wir Menschen sowieso niemals heran, denn in der Bibel ist das Wort für «schaffen» (bara) alleine Gott vorbehalten. Das kann kein Mensch. 

Vieles von Gott verstehen wir nicht, denn es hat in unserem menschlichen Denken keinen Raum. Es sprengt und übersteigt unser Vorstellungsvermögen. 

David drückt es in Psalm 139 folgendermassen aus: Wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so gross! Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir. (V.17.18) 

Und was ist mit den «Wegen» gemeint, von denen Jesaja 55 spricht? 

Dies betrifft nicht nur einen Weg, eine Wegstrecke oder Reise, sondern auch das Verhalten, die Art und Weise sowie den ganzen Lebenswandel. 

In der Tat unterscheiden wir uns auch hier unverkennbar von Gott, denn wenn wir obige Aufzählung anschauen, müssen wir sagen: 

Kein Mensch kann unsere Sehnsucht wirklich und bleibend stillen. Menschen geben uns auch nicht unbedingt umsonst, was wir dringend zum Leben und für unsere Seele brauchen. 

Sogenannte «Wahrheiten» oder «Wahrheitsbehauptungen» prasseln von allen Seiten auf uns ein, doch Lebensworte und wahres Leben finden wir bei der Quelle des Lebens allein: bei Gott. Sogar die Würdigung und Wertschätzung, die wir brauchen, bekommen wir grundlegend bei Gott, denn alle menschlichen Ehrungen und Anerkennungen sind vergänglich. 

Bei Gott gibt es ausserdem Erbarmen und viel Vergebung. Auch das entspricht nicht unbedingt dem menschlichen Naturell. 

Doch was Gott betrifft, so gilt sein Angebot für uns. Er sagt: «Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst – den Weg zum Leben – ich will dich mit meinen Augen leiten…» (Psalm 32,8; vgl. 16,11) 

Wie denke ich über Gottes Angebot? Gehe ich darauf ein und antworte wie David: «Tu mir kund den Weg, den ich gehen soll; denn mich verlangt nach dir.» (Psalm 143,8)? 

Oder bleibe ich dabei, meine eigenen Pläne und Wege zu verfolgen? Letztendlich ist Gott derjenige, der unsere Herzen prüft und unsere Schritte lenkt (vgl. Sprüche 16,9; 21,2). 

Und schliesslich zeigt uns die Bibel noch etwas über Gottes Gedanken (Jeremia 29,11): Denn ich weiss wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung! 

Wir haben allen Grund, auf Gottes Angebot und Einladung einzugehen und seinen Weg für uns anzunehmen. 

Sabine Herold