Zeichen der Ermutigung

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Illustration von Deborah Keller.

Die Redaktion dankt Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen AG, für ihr neues Zeichen der Ermutigung.

Gebet 

Gott, 

wenn ich das Wort «demütigen» höre, 

dann denke ich an Erniedrigung, 

und die alten Verletzungen melden sich. 

Eine Wolke von negativen Gefühlen will mich einhüllen. 

Vor meinem inneren Auge sehe ich den 

Kampf der Geschlechter, der Rassen, der Menschen. 

Einer versucht den anderen zu übertrumpfen, 

um besser, schneller, erfolgreicher, höher, beliebter… zu sein. 

Und dann ist da noch die ständige Rebellion gegen dich 

mit dem getarnten Wunsch, so zu sein wie du, Gott. 

Welch ein Theater! 

Doch der Kampf ist auch in uns selbst: 

Selbstüberschätzung gegen Selbstabwertung. 

Wir suchen unseren Platz. 

Ich suche meinen Platz im Leben. 

Wer zeigt mir, wo ich hingehöre? 

Die Lösung ist bei dir: 

Wenn ich meinen Platz bei dir suche, 

an deiner Seite, unter deiner Obhut, 

dann liege ich richtig. 

Dann kannst du an mir wirken, 

und mir deinen Platz für mich zuteilwerden lassen. 

Der Kampf hört auf. 

Entlastung breitet sich aus und wirkt. 

Meine Seele wird leicht und frei 

und schwebt dir entgegen. 

Alle meine Sorgen werfe ich auf dich, 

denn dir liegt an mir – 

ich liege dir am Herzen. 

AMEN 

© Sabine Herold (28. Februar 2021) 

 

Der Apostel Petrus schreibt in seinem ersten Brief (1. Petr 5,6.7): 

Demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zur rechten Zeit, indem ihr alle eure Sorge auf ihn werft! Denn er ist besorgt für euch. Ja, ihm liegt an euch! 

(Elberfelder Übersetzung) 

Dem bekannten Vers aus dem 1. Petrusbrief, dass wir die Sorge ums Leben, das Sorgen um Morgen und überhaupt alle unsere Sorgen auf Gott werfen sollen, geht ein anderer Vers voraus, der in der Regel unter den Tisch fällt. Aber: Beide Verse bilden einen Satz, beide gehören zusammen, einer bedingt den anderen. V. 6 stellt den ersten Teil dar, sozusagen die Grundlage für das, was dann in V. 7 folgt. Doch mal ehrlich: Würden wir auf diesen ersten Teil, auf die Sache mit dem «Demütigen» nicht lieber verzichten? Und so kennen die meisten von uns auch nur den zweiten Teil der Aussage (V.7). 

Was ist Demut überhaupt? Was meint Demütigen? 

Es geht in diesem Bibelwort nicht darum, dass jemand erniedrigt wird im Sinn von verletzt, beleidigt, abgewertet, sondern es geht um die richtige Sicht der Dinge, um einen realistischen Blick, um meinen Platz im Leben und um meine persönliche Grundeinstellung. 

Wo ist eigentlich mein Platz im Leben? 

Welche Stellung habe ich, wenn ich mich mit Gott vergleiche? 

Manche Menschen neigen dazu, viel zu hoch von sich zu denken und andere zugleich zu verachten, abzuwerten und niedriger als sich selbst zu machen. Andere kennen eher das Gegenteil: Selbstabwertung, sich ducken, Minderwertigkeitsgefühle… 

Doch da ist jeweils ein zwischenmenschliches Gefälle anstatt Gleichwertigkeit, und so machen wir uns gegenseitig das Leben schwer. Vor Gott sind wir aber alle gleich-wertig! 

Und im Vergleich mit Gott? 

Es gibt eine wichtige Einsicht in unserem Leben, und die lautet: 

«Es gibt einen Gott – und ICH BIN ES NICHT !!!» 

Es geht darum, dass wir nicht höher von uns denken als wir sind, dass wir uns nicht selbst zu Gott machen, auch wenn die Versuchung (wie schon im Paradies) immer wieder gross ist, wie Gott sein zu wollen. 

Es geht darum realistisch und bescheiden zu werden und es zu bleiben. 

Es geht darum, mich dort einzuordnen, wo ich hingehöre: 

auf die Ebene des Menschen – nicht mehr und nicht weniger, und mich zugleich in Gottes gute Ordnung einzufügen, mich unter Gottes mächtige Hand zu beugen und ihm die Herrschaft über mein Leben zu geben. Das bedeutet: im Vertrauen darauf, dass Gott für mich sorgt, mich und mein Leben mit allen Lebenslasten ihm und seiner Obhut anzuvertrauen. Das beinhaltet zugleich: aufhören ständig zu rebellieren und sich aufzulehnen, aufhören zu murren und nur unzufrieden zu sein. 

Denn damit rauben wir uns selbst am meisten Lebensenergie und machen uns viele Sorgen. Ein Ja zum Leben und So-Sein finden, die Situation akzeptieren, nimmt viel Stress und entlastet. 

Dies hat tiefgreifende Folgen: 

Es geht dann nicht mehr um Selbsterhöhung oder Selbstabwertung, sondern ein anderer macht mich gross, erhöht mich, richtet mich auf, verleiht mir Ansehen, Wertschätzung und Würde, die bleibt: Gott selbst. So wie es angemessen ist und wie es zu mir passt, denn er kennt mich ja durch und durch. 

Das sind ganz andere und neue Grundvoraussetzungen und Grundlagen fürs Leben. 

Wenn ich darüber nachdenke, dann wird mir bewusst, dass sich so schon viele Sorgen und Probleme erübrigen. Der Lebensrucksack wird automatisch leichter, das Sorgenkarussell stoppt und vermutlich bleiben dann nicht mehr so viele Sorgen übrig. Auch diese dürfen wir an Gott abgeben, ja sogar auf ihn werfen; sie ihm mit voller Kraft entgegenschleudern. 

Was uns Kummer macht, was uns gedanklich beschäftigt, dürfen wir von uns weg auf Gott wälzen. Warum? 

Weil er für uns sorgt. Wir sind im Fokus seiner Fürsorge. Er nimmt Anteil an unserem Ergehen, an unserem Leben. Wir sind in seinen Augen wichtig und liegen ihm am Herzen. Unsere Anliegen sind ihm nicht egal, im Gegenteil: Bei ihm finden wir Entlastung für unsere Seele. Er kümmert sich um uns. Er ist für uns und für uns da! 

So demütigt euch nun unter die gewaltige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zu seiner Zeit. Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.