Zeichen der Ermutigung

Standard

 

 

Wir danken Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen, und der Illustratorin Deborah Keller, Sulgen, für ihr neues Zeichen der Ermutigung. Ebenso danken wir den Leserinnen und Lesern für deren Bekundungen des Dankes gegen Ende des ersten Corona-Jahres; jetzt im Jahr 2021, das Anlass zur Hoffnung gibt.Als ich gerade erst entstand, hast du mich schon gesehen, Gott. Alle Tage meines Lebens hast du in dein Buch geschrieben – noch bevor einer von ihnen begann! (Hoffnung für alle) 

Gebet 

Gott, 

ein Buch: 

dein Buch 

mit meiner Geschichte. 

Du schreibst sie. 

Du erzählst sie mir, 

die Geschichte deiner guten Gedanken über mich, 

die Pläne deiner Wege für mich: 

Zukunft und Hoffnung. 

Und ich schreibe mit, 

darf jede Seite mitgestalten 

und meine Spur hinterlassen. 

Gott, 

du und ich, 

wir schreiben miteinander 

unser gemeinsames Unterwegssein: 

unsere Geschichte. 

Jeder Tag eine neue Seite 

in meinem Lebensbuch. 

Blanko. 

Jeder Tag ein Geschenk 

neu zu beginnen 

mutig Neues zu wagen 

mich prägen und verändern zu lassen von dir; 

verwandelt werden in dein Bild. 

Gott, 

ich bitte dich: 

Schreib mich ein in deine Hand. 

Schreib dich ein in mein Herz. 

Lass mich ein Schriftstück werden, 

das von deiner Liebe spricht: 

dein Liebesbrief für diese Welt. 

AMEN 

© Sabine Herold (14. Februar 2021) 

Ein Buch. 

Gottes Buch. 

Und darin aufgeschrieben und beschrieben: alle Tage meines Lebens, meine Lebenszeit, was vor mir liegt, was kommt und wie es sein wird. In diesem Schriftstück wird erzählt, wie Gott mein Leben wunderbar erdacht und vorbereitet hat, wie er mich gewollt und geformt hat, wie ein Töpfer sein Gefäss. 

Moment mal, geht es mir automatisch durch den Kopf: 

Ist dann alles vorherbestimmt, jede Minute, jeder Augenblick? 

Bin ich dann diesem Schicksal völlig ausgeliefert und kann nur hilflos zusehen? Bin ich nur eine Marionette, die von einer höheren Macht programmiert und gelenkt wird, und die sich nach dem Drehbuch des Regisseurs richten muss? Wird alles kontrolliert und notiert, was ich denke, vorhabe, sage, entscheide, tue oder unterlasse? 

Lieber nicht! Das passt doch überhaupt nicht mehr in unsere heutige individualistische, egozentrische Zeit, denken wir vielleicht… 

Doch Gott hat uns Menschen nicht als Marionetten geschaffen, sondern er hat uns einen freien Willen gegeben. Er hat in uns Fähigkeiten und Kreativität angelegt. Er hat uns die Möglichkeit geschenkt zu entscheiden, sogar für oder gegen ihn. 

Man könnte vielleicht sagen: Gott hat den Rahmen vorbereitet und alle Bedingungen geschaffen, damit wir leben, uns entwickeln und entfalten können. Wir dürfen das Leben mitgestalten mit den Gaben, die Gott uns geschenkt hat. 

Alles im Leben hat seine Zeit, und jedes Vorhaben hat seine Stunde – so schreibt es der Prediger (Pred 3,1-8). Wir sind daran sehr wohl beteiligt und zum Mitwirken aufgefordert, also nicht einfach einer Schicksalsmacht ausgeliefert. Wir planen und werden aktiv, wir haben unsere Emotionen, sind konstruktiv und destruktiv. Wir suchen unseren Weg in den Höhen und Tiefen des Lebens. Und in all dem werden wir von einer Sehnsucht geleitet, nämlich von der 

Sehnsucht nach dem zu fragen, was ewig ist, denn Gott hat die Ewigkeit ins Herz der Menschen gelegt. (Pred 3,11). 

Unterwegs mit dieser Sehnsucht füllt sich unser Lebensbuch Seite für Seite. Gott schreibt, und wir schreiben mit. 

Letztendlich liegt unsere Zeit, unsere Lebenszeit, unser Leben in Gottes Händen (Psalm 31,16), und er hat uns sogar in seine Hände gezeichnet. Er vergisst uns nicht! (Jesaja 49,15.16). Wie wir aber unser Leben gestalten und wie wir unsere Tage verbringen, ist unsere Entscheidung und auch unsere Verantwortung. Gott gibt uns die Gestaltungsfreiheit, auch die Freiheit unser Leben mit oder ohne ihn zu leben. 

Auch wir haben sozusagen einen Stift in der Hand, um an unserer Geschichte mitzuschreiben, um an unserem Leben mitzuwirken und unsere Geschichte zu erzählen. Dies machen wir sowieso – auch ohne Stift, auch ohne Worte, denn unser Leben redet lauter als die Worte, die wir sagen oder schreiben! 

Die Bibel erwähnt ein weiteres Buch: das Buch des Lebens, in dem Namen stehen. Es sind die Namen der Menschen, die zu Gott gehören, zu seinem Volk, zu seiner Familie. Es sind die Menschen, die an Gott glauben und die Jesus Christus nachfolgen.1 

1 Lukas 10,20: Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind. (vgl. 2. Mose 32,32f; Offb 3,5) 

Und Gott spricht noch von einem anderen Schriftstück: von unseren Herzen. In unsere Herzen will Gott seinen Willen, seine Wahrheiten, seine Ordnungen eingravieren, seine Lebensworte, die uns prägen und begleiten wollen.2 

2 Jeremia 31,33; Sprüche 3,3; 7,2f; Hebräer 8,10; vgl. Hesekiel 11,19; 36,26f 

So werden wir selbst zu einem kostbaren lebendigen Schriftstück Gottes für diese Welt. Der Apostel Paulus beschreibt es so: 

Ihr seid ein Brief Christi… geschrieben… mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf steinerne Tafeln, sondern auf fleischerne Tafeln der Herzen. (2. Korinther 3,3) 

Ich wünsche uns, dass wir zu einem solchen Schriftstück Christi werden, das von Gottes Liebe zeugt. 

Sabine Herold