Zeichen der Ermutigung

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Illustration von Deborah Keller.

 

Schon zum 26. Mal sendet uns Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen/AG, ihr Zeichen der Ermutigung.

Ein Hinweis, den wir gerne weitergeben: Sabine Herold und die Künstlerin Deborah Keller fassten die ersten 20 Ermutigungen in einer prächtig gestalteten, fein gedruckten Broschüre zusammen. Sie kosten fünf Franken und können wie folgt bezogen werden: sabine.herold@ref-wohlen.ch

 

Gebet

Gott,

wie ein Kind möchte ich sein:

sorglos

schaukeln

springen

tanzen

lachen

jauchzen

begeistert sein

und

ins Spiel vertieft

 

alles um mich herum vergessen

auch die Sorgen um morgen

 

nur tragen

was du auferlegst

nicht die Last

der ganzen Welt

 

nur heute leben

und dies

ganz

im Vertrauen

dass du sorgst

auch für mich

und

dass du um morgen weisst

 

im hier und jetzt

ganz

da sein

leben

mit dir

ohne

Sorgen

AMEN

© Pfarrerin Sabine Herold (11. November 2020)

Jesus sagt: Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.(Matthäus 6,34 Lutherbibel)

Als Kind machte ich mir nur wenig Sorgen. Zwar hatte ich immer wieder mal einen Unfall, musste am Kopf oder am Fuss genäht werden, weil ich auf einmal eine Heugabel im Fuss hatte oder mit dem Kopf auf eine Treppenkante gefallen war, doch das trug nicht dazu bei, meinen Mut zu schmälern. Schon bald wagte ich das nächste Abenteuer. Es gab auch verschiedene Enttäuschungen in meiner Kindheit, die mir das Sorgen-Gen allerdings auch nicht vergrössern konnten.

Einmal hörte ich die Geschichte von einem kleinen ängstlichen Spatz, der sich von Kindesfedern an Sorgen machte und dabei ganz vergass zu leben: Während sich seine Geschwister des Lebens freuen, ist die Welt für den ängstlichen Spatz voller Gefahren. Eine Sorge löst die andere ab.

Es scheint schon fast seine Tagesbeschäftigung zu sein, um alle möglichen und unmöglichen Gefahren und Schwierigkeiten zu kreisen. Als Vater Spatz vom himmlischen Vater Geschichten erzählt, wie er sogar die Spatzen versorgt, hört der kleine Angstvogel nicht einmal richtig zu, so sehr ist er mit seinen Sorgen beschäftigt…

Natürlich ging diese Kindergeschichte gut aus, und der kleine Spatz lernte das Fliegen doch noch und lernte auch eine liebe schüchterne Spatzenfrau kennen… Dennoch blieb es mir ein Rätsel, wie man bzw. spatzsich im Leben nur solche Sorgen machen konnte.

Dies änderte sich, als ich älter wurde. Auf einmal gab es da ganze Listen von Menschen, Dingen, Themen, Situationen, möglichen Gefahren, über die ich mir automatisch den Kopf zerbrach, vor denen ich Angst bekam, die mir Sorgen machten, die mir den Mut nahmen.

Mein Kopf wusste zwar – weil ich als Kind in meinem „Elternnest“ viele biblische Geschichten gehört hatte – dass da ein himmlischer Vater ist, der sich um seine Kinder kümmert und sie versorgt, doch dieses Wissen war viele Jahre lang irgendwie zwischen Kopf und Herz stecken geblieben…

Wie gehst du mit Sorgen um? Kannst du schlafen, wenn dir etwas Sorgen bereitet? Oder grübelst du Tag und Nacht?

Ja, schon wieder kommt das Thema «Sorgen» in diesem Ermutigungsschreiben zur Sprache. Warum? Weil wir diesen Dauerbrenner alle kennen: das Grübeln und Nachdenken, das Dauerkreisen um ein oder mehrere Themen. In diesem Vers geht es jedoch um ein ganz bestimmtes Sorgen: nämlich um das Sorgen um Morgen, um den nächsten Tag, was künftig sein wird. Es geht um die Sorge um die nahe oder ferne Zukunft.

Jesus sagt hier:

«Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.» (Lutherübersetzung)

Jesus sagt hier nicht, dass wir sofort aufhören sollen uns Sorgen zu machen oder keinen Gedanken mehr an das verschwenden sollen, was uns beschäftigt. Er weiss, dass dies kaum möglich ist, und er weiss, dass das Sorgen wie auch die Angst Teil vom menschlichen Leben sind. Jesus grenzt das Sorgen ein, damit es nicht ins Uferlose geht. Heute ist genug. Einen Tag nach dem anderen nehmen mit seinen Themen und Herausforderungen, das genügt.

Ja, jeder Tag bringt seine eigenen Belastungen mit sich, hat seine Mühen, Plagen, Schwierigkeiten, Lasten und Mühsal, Beschwerde und Grund zum Verzagen.

Es ist aber nicht nur jeder Tag, der seine Themen und Sorgen mit sich bringt, sondern auch jede Zeit, jede Lebenszeit, jedes Alter, jedes Leben…

Es ist auch nicht meine Aufgabe, mir um alles und jedes und um die ganze Welt Sorgen zu machen, und durch Sorgen können wir unser Leben um keine Minute verlängern, höchstens unsere Kraft verkleinern und unseren Mut schmälern (vgl. Mt 6,27)

In allem Sorgen bietet Jesus eine Alternative, die auch uns hier und heute gilt: «Sorgt nicht um euer Leben… euer himmlischer Vater weiss, was ihr braucht.»(Mt 6,25.32)

Jesus lädt uns ein uns nichtzu sorgen. Er ermutigt uns, von den alltäglichen Sorgen wegzuschauen – zunächst auf die Vögel und die Lilien, die grundsätzlich alles bekommen, was sie brauchen. Und danach sollen wir auf den Schöpfer dahinter schauen, der genau weiss, was auch wirzutiefst brauchen: unseren Vater im Himmel. Er weiss um alles, was uns Sorgen macht. Und er weiss, was wir nötig haben.

Diesem himmlischen Vater – Seinen Händen, Seinem Herzen – dürfen wir uns getrost für jeden neuen Tag anvertrauen, mit allem, was gestern war, was heute ist und was morgen möglicherweise sein wird, auch mit dem, was uns Sorgen macht.

Pfarrerin Sabine Herold