Zeichen der Ermutigung

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Schon zum 26. Mal sendet uns Hptm Asg Sabine Herold, ev. Pfarrerin in Wohlen/AG, ihr Zeichen der Ermutigung.

Ein Hinweis, den wir gerne weitergeben: Sabine Herold und die Künstlerin Deborah Keller fassten die ersten 20 Ermutigungen in einer prächtig gestalteten, fein gedruckten Broschüre zusammen. Sie kosten fünf Franken und können wie folgt bezogen werden: sabine.herold@ref-wohlen.ch

Illustration von Deborah Keller.

Gebet 

Ein Stück Ton? 

Lehm, Dreck… – mehr nicht? 

Von Erde genommen, 

um wieder zu Erde zu werden? 

Soll das alles gewesen sein? 

Und doch: 

Aus Erde geformt, 

wie Ton getöpfert, 

im Verborgenen bereitet: 

durch deine Hand, Gott. 

Und deshalb 

wertvoll, kostbar, einmalig, einzigartig – 

ein Gefäss zu deiner Ehre. 

Aber es gibt Tage, 

da will ich weder Ton noch Gefäss 

noch sonst etwas sein. 

Da will ich nicht mehr. 

Da kann ich nicht mehr. 

Da will ich nur noch weg – 

wieder zu Erde werden… 

Doch du, Gott, 

formst weiter, 

gibst mich nicht auf. 

Dein Atem ist lang, reicht weiter… 

Und ich lasse es zu 

und bleibe 

in deiner Hand. 

Wohin sollte ich sonst? 

Ich nehme mich ja doch überall hin mit. 

Also bleibe ich: 

in deiner Hand; 

wie Ton in des Töpfers Hand. 

Forme mich, du, mein Töpfer! AMEN 

© Pfarrerin Sabine Herold (7. November 2020)

 

Siehe, wie der Ton in des Töpfers Hand, so seid auch ihr in meiner Hand. (Jeremia 18,6) 

Wer möchte schon gerne mit einem Klumpen Ton oder Lehm verglichen werden – letztendlich mit einem Haufen Dreck…? Vermutlich die wenigsten… 

Zu dieser Frage kommen mir zwei Gedanken in den Sinn: 

Das Bild von Ton bzw. Lehm erinnert an den Schöpfungsbericht, in dem es heisst, dass Gott den Menschen aus Erde formte (vgl. Genesis 2,7). Und nach dem Sündenfall sagt Gott zum Menschen: Du bist Erde und sollst zu Erde werden. (Genesis 3,19) 

Der andere Gedanke ist die Frage nach dem Wert des Menschen. Was ist schon ein Stück Lehm? Der reine Materialwert des Menschen – bestehend aus Wasser, Eisen, Fett, Zucker, Kalk, Phosphor, Magnesium, Schwefel… – beläuft sich gemäss Berechnungen eines Chemikers übrigens auf etwa 5-10 SFr. – also nicht gerade viel… 

Doch es geht in diesem Vers um viel mehr, denn so ein grundsätzlich wertloser Klumpen Ton wird in der Hand eines fähigen Töpfers – unter seinem Geschick und Können – zu einem brauchbaren und wertvollen Gefäss geformt: ein Kunstwerk, etwas, das andere erfreut, das nützlich ist und einem bestimmten Zweck dient. 

So auch wir Menschen: Vom Material her nicht gerade kostspielig, doch in Gottes Hand geschieht etwas mit uns – vorausgesetzt wir lassen unseren Schöpfer an uns HANDeln… 

Mal ehrlich gefragt: 

Darf Gott an und mit mir wirken? 

Lasse ich Veränderung an mir und in meinem Leben zu? 

Bin ich offen für Gottes Willen und Weg für mich? 

Und wenn wir einen Blick in die Bibel werfen, können wir überlegen, welche «Tonklumpen» Gott schon zu besonderen Gefässen geformt hat: 

Den bequemen, nachgiebigen Abram zu einem Gott vertrauenden Abraham, die herrische Sarai zu einer klarsichtigen Sarah. Gott formte die manipulative Rebekka, den betrügerischen Jakob, die unscheinbare Lea, den eitlen Josef, den jähzornigen Moses, den ängstlichen Gideon, den selbstgerechten und sturen Jona, den wankelmütigen Petrus, den habgierigen Zachäus, den fanatischen Saulus. 

Wie sich diese Menschen veränderten oder verändern liessen, können wir in der Bibel nachlesen. Bei manchen ist es klar, bei anderen bleibt es offen. Gott gebrauchte sie dennoch. 

So ein Verwandlungsprozess ist alles andere als angenehm, und manchmal kostet er alles, vor allem unser Ego. Aber es ist wohl so, dass es schrecklich und befreiend, schmerzhaft und erlösend zugleich ist, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen und sich diesen Händen anzuvertrauen, Gottes Wirken zuzulassen und sich mit Gottes Willen einverstanden zu erklären – immer wieder! (vgl. Psalm 31,6; Hebräer 10,31) 

Gottes Hand wird zum Ort unserer Verwandlung: zum Wendepunkt. Es ist der Ort, wo Gottes Kraft an und in uns wirkt, und wo wir den Besitzer wechseln: Nicht mehr ich herrsche und bestimme über mich und mein Leben (oder gar über andere), sondern ich erkläre mich einverstanden mit dem Grösseren, der den Überblick hat und behält: Gott! 

Aber nun, HERR, du bist doch unser Vater! Wir sind Ton, du bist unser Töpfer, und wir alle sind deiner Hände Werk. (Jesaja 64,7) 

Und genau darin liegt unser Wert. Genau das macht uns kostbar! 

Ein weiterer Gedanke kommt mir in den Sinn, nämlich das bekannte Gebet des Niklaus von Flüe: 

Mein Herr und mein Gott, 

nimm alles von mir, was mich hindert zu dir. Mein Herr und mein Gott, 

gib alles mir, was mich führet zu dir. 

Mein Herr und mein Gott, 

o nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir. 

Gott möge uns dabei helfen, uns immer wieder seinen Händen zu überlassen: Wie der Ton in der Hand des Töpfers, so sind auch wir in der Hand des HERRN! 

Pfarrerin Sabine Herold