Zeichen der Ermutigung

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Hptm Asg Sabine Herold beendete am Freitag vor Pfingsten ihren zehnwöchigen Assistenzdienst. Sie sendet uns ihr zwölftes Zeichen der Ermutigung.  

Gebet

Gott, du kennst mich. Mein ganzes Leben ist dir vertraut. Du weisst, wo ich mich fürchte und wo die Angst meinen Alltag bestimmt. Gott, ich gebe dir meine Angst vor dem Leben. Ich überlasse dir meine Menschenfurcht, Feigheit und Mutlosigkeit.

Jesus, du kennst meine Schwächen, meine Schwachheit und meinen Mangel. Du bist selbst durch Schwachheit und Versagen gegangen, und du sagst: «Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig!» Ich bitte dich um deine Gnade, um Kraft zum Leben, um Lebenskraft für jeden Tag. Deine Gnade stärkt mich.

Gott, du bist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in dir. Du liebst mich – trotz allem. Deine Liebe bleibt. Deine Liebe heisst mich willkommen, nimmt mich liebevoll an. In deiner Liebe bin ich geborgen. Ich bitte dich um diese Liebe in mir: für dich, für mich, für andere. Deine Liebe stiftet echtes Miteinander.

Gott, du kennst meine Grenzen und Möglichkeiten, meine Abwertung und Selbstüberschätzung. Du gehst behutsam mit mir um, immer wieder neu. Von dir will ich lernen, achtsam und besonnen zu werden – mit mir und mit anderen.

Gott, ich bitte dich um deinen Geist der Kraft um deinen Geist der Liebe um deinen Geist der Besonnenheit.

AMEN    © Pfarrerin Sabine Herold (29. Mai 2020)

 

Der Apostel Paulus schreibt an Timotheus: Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (2. Tim 1,7)

Das mit der Furcht ist so eine Sache… Wir können uns vor vielem fürchten. Das Leben bietet eine grosse Auswahl und unzählige Möglichkeiten: Angst in oder vor bestimmten Situationen, an speziellen Orten, vor verschiedenen Tieren, Menschenfurcht, Platzangst, Angst vor Krankheiten oder Angst vor dem Zahnarzt… Selbst wenn uns diese Ängste eher fremd sind, so kennen wir vermutlich die Angst zu versagen, nicht dazuzugehören, abgelehnt zu werden… Doch wenn Furcht und Ängstlichkeit die Triebkraft unseres Lebens sind, dann verpassen wir Wesentliches, wenn nicht sogar den Kern unseres Daseins. Angst ist ein Energiefresser ohnegleichen.

Der Apostel Paulus macht uns bewusst: «Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben!» Nein, Furchtsamkeit, Mutlosigkeit, Feigheit, Zaghaftigkeit, Verzagtheit… kommen nicht von Gott. Sondern: Gott hält etwas ganz Anderes und viel mehr für uns bereit!

Als Gegenteil von Furcht kommt mir das Wort «Mut» in den Sinn. Mut, der trotz Angst Schritte wagt. Und mit dem Heiligen Geist hat Gott uns DEN Ermutiger als Lebens-Begleiter zur Seite gestellt. Mit ihm schenkt Gott uns eine Fülle an Lebensqualität und segnet uns mit wertvollen Gaben: mit Kraft, mit Liebe und mit Besonnenheit.

Wenn wir von Gottes Liebeskraft bewegt werden, dann erfüllt uns dies und steigert die Lebensfreude. Wenn wir achtsam und behutsam mit uns selbst und anderen umgehen, dann kann auch ein gutes Miteinander erfahren werden. Doch all das ist nicht von uns selbst erzeugt, sondern bleibt Geschenk. Gott bietet uns seinen Geist der Kraft an, der uns zu wertvollen Gedanken, Worten und Taten ermächtigt, die zum Guten beitragen und zum Guten wirken.

Gott überlässt uns seinen Geist der Liebe, der uns befähigt, liebevolle Annahme und freundliche Offenheit zu leben, so dass sich andere bei uns willkommen fühlen und dazugehörig erleben. Dieser Geist macht genügsam und zufrieden, denn die Liebe Gottes erfüllt uns. Sie füllt unseren Mangel aus und stillt unsere Sehnsucht. Gott ermöglicht in uns den Geist der Besonnenheit und einen achtsamen, behutsamen Umgang mit uns selbst und mit anderen. Denn nur wer sich selbst führen kann, der ist auch fähig andere zu begleiten und mit anderen lebensfördernd unterwegs zu sein. Worte wie Disziplin, Selbstbeherrschung oder Mässigung sind für uns vielleicht negativ behaftet, doch letztendlich geht es darum, uns selbst zu kennen und zu achten – und so zu leben, dass wir authentisch bleiben können, ohne die Achtung vor uns selbst zu verlieren.

Wir feiern Pfingsten, das Fest, an dem Gott seinen Heiligen Geist über die Jünger Jesu ausgegossen hat. Das Fest, an dem aus ängstlichen Versagern mutige Verkündiger des Evangeliums wurden. Das Fest, das eine lebendige Bewegung in Gang setzte, die nicht von Menschen gemacht werden kann. Gott segnete die Gläubigen mit seinem Geist des Mutes anstatt der Angst, mit dem Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit anstatt der Furcht.

Fast 2000 Jahre später wirkt der Heilige Geist noch immer. Gott will auch uns diesen Geist der Kraft, den Geist der Liebe und den Geist der Besonnenheit schenken. Jesus hat versprochen, dass Gott uns den Heiligen Geist schenken wird, wenn wir ihn darum bitten, denn Gott gibt seinen Kindern gerne gute Gaben: «Trotz all eurer Bosheit wisst ihr Menschen doch, was gut für eure Kinder ist, und gebt es ihnen. Wie viel mehr wird der Vater im Himmel denen den Heiligen Geist schenken, die ihn darum bitten!» (Lukas 11,13)

Wir sind eingeladen, Gott unsere Angst und Furcht zu geben. Wir sind eingeladen, unsere Hände und Herzen zu öffnen, um Gottes Heiligen Geist zu empfangen: den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Pfarrerin Sabine Herold