Zangenangriff auf die “Hauptstadt”

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Hellgelb die “Republik” Karabach = 11’458 km². Hellbraun die armenische Pufferzone. Dunkler braun die Staaten Armenien, Iran und Aserbeidschan. Im Zentrum die “Hauptstadt” Stepanakert.

  • Auch wenn beide Parteien gemäss der Gerassimow-Doktrin hybride Kampfmittel einsetzen, trägt der Karabach-Krieg vornehmlich konventionelle Züge. Fast klassisch setzt am 5. Oktober 2020 der azerische Angreifer auf die “Hauptstadt” zur Zangenattacke auf die gegnerische “Hauptstadt” Stepanakert an.
  • Am neunten Kriegstag werden im Süden und Norden von Karabach entlang beider Fronten schwere Kämpfe gemeldet. Die armenischen Verteidiger melden eine feindliche Offensive an der gesamten Hauptkampflinie. Aserbeidschan sucht das Territorium der ganzen “Republik” Nagorno Karabach zu erobern. Das operative Ziel ist die Inbesitznahme der “Hauptstadt” Stepanakert.

Unter Russlands Duldung

  • Wir reden da von einem Krieg auf relativ kleinem Territorium. Die eigentliche “Republik” Berg-Karabach misst nur 11.458 km² (gut ein Viertel der Schweiz).
  • Demografisch zählt sie lediglich rund 187’700 vorwiegende armenische Einwohner. Rund um die “Republik” hält Armenien in Aserbeidschan einen militärischen Puffer besetzt, aus dem sie in der 1990er-Jahren die azerische Bevölkerung vertrieb – mit Russlands Duldung und Hilfe

Azerische Mehrfachraketenwerfer – Reichweite 70 km.

Raketenwerfer Smerch 300 mm und Grad 122 mm

Beide Parteien melden das Feuer ihrer weitreichenden Artillerie:

  • So sollen in Stepanakert azerische Raketen eingeschlagen sein. Unter den Opfern werden Soldaten und Zivilpersonen gemeldet. Aserbeidschan wurde mit sowjetisch-russischen Mehrfachraketenwerfern reichlich ausgerüstet. Die azerische Artillerie nimmt den Gegner mit 30 9A52-Smerch-300-mm-Werfern und 43 BM-21-Grad-122-mm-Geschützen unter Beschuss.
  • Jede Smerch-Batterie verfügt über zwölf 300-mm-Raketenrohre. Der formidable Werfer reicht 70 Kilometer weit. Mit der Smerch-Artillerie beherrscht Aserbeidschan den kleinräumig aufgestellten Gegner.
  • Der BM-21-Grad-122-mm-Werfer kam bisher in mehr als zwei Dutzend Kriegen zum Einsatz. Ein Lastwagen sowjetischer Herkunft führt in vier Zehner-Reihen insgesamt 40 Rohre ins Gefecht. Ihre Einsatzdistanz betrug mit älteren Raketen gut 20 Kilometer. Mit moderneren Geschossen soll das Geschütz 45 Kilometer weit reichen – im Karabach-Krieg ein Klacks.
  • Armenien hält mit seiner sowjetisch geprägten Artillerie dagegen. Mit ihren gut 50 BM-21-Grad soll sie Gandscha getroffen haben, Aserbeidschans zweitgrösste Stadt. Dort will Armenien den azerischen Luftstützpunkt zerstört haben.

Russischer Grad-Raketenwerfer in St. Petersburg. In vier Zehnerreihen insgesamt 40 Rohre à 122 mm.