Woher kam der Angriff?

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Woher kamen die 18 Drohnen und sieben Cruise Missiles, die am 14. September 2019 Abqaik und Khurais zerstörten? Und können Drohnen derartige Verwüstungen anrichten? Zur Urheberschaft steht Aussage gegen Aussage – Houthi/Iran gegen Saudi/USA, wie im yemenitischen Stellvertreterkrieg.

Oberst al-Maliki, Saudis Armeesprecher.

“Gröberes” Gerät.

Im Yemen reklamieren die Houthi-Rebellen den “Sieg” für sich. Sie hätten mit der Zerstörung der grössten Raffinerie der Welt und des zweitgrössten Ölfeldes des saudischen Erzfeindes dessen Angriffe auf ihr “Hoheitsgebiet” in Yemen gerächt. Houthi greifen im Westen der Arabischen Halbinsel seit längerer Zeit saudische Infrastrukturen an. Wenn es stimmen würde, dass sie Abqaik, 330 Kilometer nordöstlich von Riad, und Khurais im Osten, von Yemen aus trafen, käme dies einer neuen Dimension in ihrer Kriegsführung gleich.

In Washington beschuldigte Aussenminister Mike Pompeo sofort den Todfeind Iran, Amerikas Verbündeten Saudi-Arabien angegriffen zu haben. Teheran stellte den Anwurf postwendend in Abrede. Abqaik und Khurais lassen sich von Iran aus sehr viel leichter attackieren als aus dem fernen Yemen. Der Persische Golf ist an der fraglichen Stelle nur 180 Kilometer breit.

Drohnenexperten schliessen aus, dass die Angreifer mit Kleindrohnen derart schwere Schäden anrichten konnten. Es müsse “gröberes Gerät” zum Einsatz gelangt sein. In jedem Fall habe die saudische Abwehr versagt. Weder habe Radar die eindringenden Geschosse entdeckt noch sei die Fliegerabwehr in Aktion getreten. Ausgeschlossen wird, dass Houthi ohne fremde Hilfe Drohnen und Cruise Missiles entwickeln, bauen und einsetzen können, die derart präzis treffen und so grosse Anlagen in Brand setzen.

Reichweiten der iranischen Waffen.

These 1 zur Herkunft der Geschosse basiert auf den Aussagen des Houthi-Brigadiers Saree vom 14. September 2019, wonach “zehn Kampfdrohnen” aus Yemen den Schaden angerichtet hätten. An dieser Aussage sind Zweifel erlaubt. Es waren insgesamt mindestens 25 Geschosse, davon 18 Drohnen. Die Reichweiten der Waffen, deren Trümmer untersucht werden, betragen höchstens 700 Kilometer. Zudem zeigen alle 22 Einschläge, dass die Drohnen und Cruise Missiles von Norden kamen.

These 2 gründet auf der Tatsache, dass Iran derzeit in Irak rund 60’000 Mann stationiert hat: Teil des Quds-Korps unter General Soleimani, Schiiten-Milizen und irakische Hisbollah. Israelische Mossad-nahe Quellen gehen von Abschüssen aus Irak aus. So schreibt Debka: „Early Saturday, Sept. 14, a drone attack was mounted from pro-Iranian Shiite militia bases in southern Iraq against the Saudi Aramco’s biggest oil facility at Abqaiq and second largest oil field at Kurais. Saudi oil production was cut in minutes by five million barrels a day – half the kingdom’s output.“

CIA basiert auf Abschuss von al-Ahwaz, Iran.

These 3 basiert auf der Tatsache, dass sich leicht nördlich des Persischen Golfes zwei grosse iranische Flugfelder befinden. Demnach führte der Weg de Geschosse zuerst nach Westen über Kuwait und dann nach Süden zwischen den Einsatzbereichen der saudischen Flab hindurch in die beiden Ziele.

These 4 geht von der Annahme aus, Houthi und iranische Sonderkräfte seien nach Saudi-Arabien eingedrungen und hätten die Geschosse von saudischem Territorium lanciert. Hingewiesen wird auf den Umstand, dass die Angriffe an einem Samstag morgens um 4 Uhr erfolgten – kurz nach dem Ende des Freitags, auch in Saudi-Arabien der heilige Tag. Diese These muss als “entfernt” eingestuft werden.

Welche Cruise Missiles setzten die Brandstifter ein? In Riad nennte Oberst Turki al-Maliki, ein Pilot, das iranische Modell Va-Ali. Er führte entsprechende Trümmer vor. Experten tippen jedoch auf Quds-1, auch das ein iranisches Produkt.

Drohne Delta-Wing gemäss Saudi/USA.

Und die 18 Drohnen? Al-Maliki identifizierte die Trümmer als “Delta Wing” oder “Delta Wave”, iranische Geschosse wie die Drohnen, die am 14. Mai 2019 die saudischen Tanker “Marzoqah” und “Amjad” angegriffen hatten.

Unbestritten ist die Bauart (und wohl Herkunft) der Waffen. Sie sind iranischer Provenienz. Schwieriger bleibt der Abschussort. Denkbar sind die iranischen Flugfelder von Omidiyeh und Ahwaz. Die Quds-1-Reichweite beträgt 683 km, die der Delta-Wing-Drohne 700 km. Von Omidiyeh,aber auch von Ahwaz sind Abqaik und Khurais gut zu treffen.

Zur Tragweite des Angriffs nochmals Debka: 

  • „The US possess the military resources to retaliate for Iran’s most massive act of aggression hitherto and will find it hard to evade this challenge.“
  • Republican senator Lindsay Graham: „Iran will not stop its attacks if it was not forced to face the consequences.“
  • IDF Maj. Gen. Aharon Haliva, OC Operations: “We are facing a complex reality we have not known for many years. The next confrontation may erupt any day.

Einschläge von Norden, nicht von Yemen.

Gesamthaft ist das Lagebild verworren:

  • Iran behauptet sich unter schweren wirtschaftlichen Nachteilen (Sanktionen wirken)
  • Hardliner (Khamenei, Gen. Salami, Gen. Soleimani) behalten die Oberhand; Trump beginnt zu zögern
  • Trump ist in der Sackgasse: Krieg schadet im Wahlkampf 2020, aber auch Irans Widerstand schadet ihm
  • Kritisch wird die Lage, wenn Iran Uran wieder über 20% anreichern würde
  • Iran treibt Landbrücke ans Mittelmeer beharrlich voran
  • Iran kann Saudi mit iranischen Waffen enorm schaden (Abqaik/Khurais), bedingt auch Israel (Hamas/Hisbollah)
  • Israel hält sein Pulver am Trockenen, wäre aber bei hoher Uranreicherung direkt gefordert.

Niemand ist Prophet im Orient. Mit Prognosen ist Vorsicht geboten:

  • Der Ausgang der Eskalation Iran/USA ist ungewiss > wir standen schon einmal 10 Min. vor dem Krieg, als Trump den Angriff dann abblies
  • Die Operation „REGIME CHANGE“ der US-Falken blieb bisher ohne durchschlagende Wirkung
  • Sollten USA/Israel einen Krieg gewinnen, wären die innenpolitischen Folgen in Iran offen
  • Bisher haben in Iran Hardliner die Oberhand: Khamenei/ und die Garde; Trump zögert.
  • Sicher ist: Wenn Iran der Bombe nahe kommt, greift Israel militärisch ein (eventuell mit USA).