Wo rollen Köpfe? und wo nicht?

Standard

 

 

Nach der Einsetzung des Armeegenerals Zhidko zum neuen Frontkommandanten ist sein Vorgänger Alexander Dwornikow spurlos verschwunden. Dwornikow gehörte zu den angesehenen russischen Armeegeneralen. Er hatte den Militärbezirk Süd befehligt, die Landbrücke von der Krim zum Donbass geschaffen und übernahm im April 2022 das neu geschaffene Kommando über den ganzen Frontbogen von Charkow bis Cherson.
Er zog Konsequenzen aus der Niederlage vor Kiew, mit der nichts zu tun gehabt hatte, und passte die russische Taktik an. Anfänglich erzielte er namentlich im Donbass Geländegewinne; doch dann geriet die Frühjahresoffensive ins Stocken. Russische Quellen berichten, im Gegensatz zu anderen Generalen und Admiralen sei er “in Ehren” ersetzt worden. Weder sei er verhaftet worden noch stehe er unter Hausarrest. Tatsache ist aber: Präsident Putin enthob ihn seines hohen Kommandos.
Dwornikows Schicksal spornt die Garde der Kremlologen zu immer neuen Spekulationen an. Köpfe rollen, Putins putzt mit dem eisernen Besen durch die hohen Ränge, Generäle werden verhaftet, ein Admiral wird in Zivilkleidern ertappt.
Objekt Nummer 1: Gerassimow
In der Rangliste der Namensnennungen nimmt General Valeri Gerassimow, seit 2012 Generalstabschef, den Spitzenrang einsam ein.
  • Schon nach dem Scheitern vor Kiew schrieben ihn jene ab, die selbst an der Kremlmauer das Gras wachsen hören.
  • Dann tauchte der General an der Izjumfront auf, wo 30 ukrainische Raketen im Schulhaus Nummer 12 einschlugen, in dem er ein HQ inspiziert hatte. Er war vor den Einschlägen abgeflogen, aber nun deklarierten ihn die Gelehrten zum Verwundeten, was er nicht war.
  • Als er dann am 9. Mai 2022 auf dem Roten Platz an der Mai-Parade fehlte, schwappte die Welle vollends hoch. Entweder lag er im Spital – oder dann hatte ihn Putin abgesetzt.

Mit Stand 8. Juni 2022 trifft das alles nicht zu. Valeri Gerassimow führt den Generalstab und damit die gesamten russischen Streitkräfte nach wie vor – im zehnten Jahr seit seiner Ernennung.

 

Sicher entmachtet: Kisel und Osipow

Unter den hohen Offizieren, die Putin entmachtete, ragen je ein General und Admiral hervor:

  • Der 51-jährige Generalleutnant Sergej Kisel (Bild oben, mit zwei Sternen), der Kommandant der prestigiösen 1. Garde-Panzerarmee, wurde entlassen, als sich die Niederlage vor den Toren von Kiew abzeichnete. Seine Garde gehört zum Militärbezirk West und galt als Eliteverband. In der Schlacht um Kiew erzielte sie nicht das von ihr erwartete Rendement, teils auch wegen Führungsfehlern – und der oberste Chef musste den Hut nehmen. Vor dem Krieg hatte Kisel als Anwärter auf noch höhere Positionen gegolten.
  • Der 49-jährige Admiral Igor Osipow  (Bild unten) hielt in der russischen Marine jung einen der begehrten Posten. Er kommandierte die Schwarzmeerflotte, die im Seekrieg – verstärkt durch die drei anderen Flotten – die Hauptlast trägt. Als ukrainische Seezielraketen Osipows Flaggschiff, den Raketenzerstörer “Moskwa”, versenkte, lastete Putin dem Flottenchef das Versagen an. Osipow suchte in Zivilkleidern zu fliehen, wurde aber in Sewastopol verhaftet. Auch seine Laufbahn fand ein jähes End
Fazit: Nicht jedes Gerücht stimmt
Es rollen Köpfe, aber nicht jedesmal, wenn die Kremlologen die Alarmglocke läuten, hat Putin schon wieder einen General kaltgestellt.