Wird Asot-Chemie zum zweiten Asovstal?

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Das polnische Rochan-Institut bringt folgende Bildcombo vom Asot-Werk in Sewerodonezk.

Fotos Planet/Airbus.

Die Aufnahme links stammt vom Planet-Satelliten, der Rochan seit dem letzten Winter zuverlässig mit Luftfotos versorgt. Die Fotografie wurde am 8. April 2022 erstellt – zehn Tage, bevor die Russen ihre Donbassoffensive mit gewaltsamer Aufklärung einleiteten.

  • Die langgestreckte Anlage im Industriequartier von Sewerodonezk ist intakt. Noch hat Russland mit seiner seit jeher starken Artillerie und der wieder erstarkenden Luftwaffe noch nicht zugeschlagen.
  • Vier grosse runde Lagertanks erscheinen im Sonnenlicht. Ausgedehnte Fabrikationshallen und das Netz der Fabrikstrassen erlitten noch keine Treffer, sie sind offensichtlich nicht beschädigt. Ob Asot, das bedeutendste Chemiewerk des Landes, am 8. April 2022, am 44. Kriegstag, noch Chemikalien produzierte, lässt Rochan offen.

Die Verwüstungen am 100. Kriegstag

Ganz anders sieht es am 100. Kriegstag aus – am 3. Juni 2022. Auf dem Airbus-Bild belegen drei gelbe Pfeile und ein Rechteck die russischen Treffer, wohl durch Artillerie und Luftwaffe.

  • Zum Rechteck schreibt Airbus lapidar: “Vier zerstöre Lagertanks für Flüssigstoffe”. Früh teilte der Anwalt des Asot-Werkes mit, zusätzlich zu 600 Zivilisten hätten sich 200 Arbeiter in der Fabrik verschanzt. Die Arbeiter hätten ein Detachement gebildet, das nur ein Ziel verfolge: Es gelte, Treffer auf hochexplosive Chemikalien zu vermeiden. Offensichtlich ist das den Wächtern gelungen. Die vier Tanks sind zerschlagen, aber die befürchtete Katastrophe trat nicht ein.
  • Links neben dem Rechteck weist der gelbe Pfeil auf zerstörte Gebäude hin, wie auch der Pfeil rechts oben. Der vierte Pfeil links oben bezieht sich auf den Gleisanschluss der Fabrik: “Zerstörte Tankwagen der Bahn.”

Bitterer Vergleich

Die Bildcombo gemahnt bitter an die vielen Luftfotografien, die wir vom Asow-Stahlwerk in Mariupol erhielten und immer noch erhalten. Wird Asot Asow? Längst wird die Schlacht um Sewerodonezk so heftig, so rücksichtslos geführt wie die Schlacht um Mariupol. Am Asowschen Meer bleiben eine weitgehend zerstörte Stadt und die beiden komplett zertrümmerten Stahlwerke Illich und Asowstahl übrig.

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