Wien: “Bundesheer am Rand des Grabes”

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Jägerbataillon 18 im neuen Kampfanzug – Tarnfleck statt Olivgrün (bh).

Zur dramatischen Lage des österreichischen Bundesheeres schreibt unser Wiener Korrespondent Oberst i Gst Georg Geyer:

Im Rahmen der Hauptversammlung der Österreichischen Offiziersgesellschaft am 23. November 2019 hob Bundesminister Starlinger die dramatische Situation des Bundesheeres hervor.

Starlinger übte wiederholt massive Kritik an den politisch Verantwortlichen, ohne Namen zu nennen. Das Bundesheer stehe “am Rande des Grabes” und seine “Totengräber” gefährdeten nicht nur massiv die Sicherheit der Bevölkerung, sondern auch viele Arbeitsplätze.

Nicht einsatzbereit

In den kommenden Wochen werde über das Schicksal des Bundesheeres entschieden. Durch den hohen Investitionsrückstau (zehn Mia. Euro bei der Ausrüstung, 1,7 Mia. im Bereich der Infrastruktur) und die Reduktion der Grundwehrdienst-Ausbildung auf sechs Monate sei das Bundesheer sowohl bei den präsenten als auch bei den Miliztruppen nicht einsatzbereit.

Offensichtlich werde bewusst ignoriert, dass das Gerät, die Fahrzeuge, Hubschrauber und Infrastruktur des Bundesheeres am Ende ihrer Lebenszeit angelangt sind. Dass dadurch die Aufgabenerfüllung unmöglich sei und das Leben der Soldaten in ihren Einsätzen vorsätzlich gefährdet werde, scheine niemanden zu interessieren.

Die „Totengräber des österreichischen Bundesheeres“ gäben im Vorfeld der Regierungsverhandlungen bereits von sich, dass es ausreichend sei, dem Bundesheer 400 Mio € pro Jahr mehr zu geben und dass die Erhöhung des Grundwehrdienstes auf acht Monate kein Thema mehr sei.

Finanzielle Aushungerung

Der Generalstab habe die Konsequenzen einer weiteren finanziellen Aushungerung des Bundesheeres analysiert: Es gäbe deutlich weniger Kasernen, nur mehr die Hälfte der Rekruten könne ausgebildet werden. Die Mobilmachungsstärke würde von 55.000 auf 35.000 Soldaten sinken. Ein Schutz der Bevölkerung und der kritischen Infrastruktur sei nur mehr punktuell möglich, die Katastrophenhilfe würde massiv eingeschränkt, im Ausland könnten nur mehr maximal 600 Soldaten eingesetzt werden.

Wenn der politische Wille dafür in Österreich nicht vorhanden sei, sollte man auch den Mut haben, dies der Bevölkerung klar zu sagen. Dann sollte aber auch die Bundesverfassung abgeändert und die militärische Landesverteidigung sowie der Schutz für die Bevölkerung herausgestrichen werden, betonte Starlinger.                         Georg Geyer

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Wer ist der Minister Brigadier Starlinger?

Brigadier Thomas Starlinger (bh).

Bis zu seiner Ernennung zum Minister war Brigadier Thomas Starlinger militärischer Adjutant des Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen.

Starlinger wurde 1963 in Gmunden geboren. Vier Jahre war er Vizechef des Stabes beim multinationalen Kommando “Operative Führung Eingreifkräfte” in Ulm. Von 2003 bis 2007 war er bei der österreichischen Militärmission in der Europäischen Verteidigungsagentur Brüssel tätig. Von November 2008 bis Mai 2009 übernahm er das Kommando über die “Multinationale Task Force Süd” der KFOR im Kosovo. Weitere Auslandseinsätze absolvierte er in Syrien, Zypern, im Iran und in Tadschikistan.

Siehe auch >

Wer’s glaubt, zahlt einen Taler > Beitrag zu Finanzproblem der dt. Bundeswehr