Wieder so ein Aufnahmeritural?

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General Campbell, selber SAS-Offizier, bei seinem schweren Auftritt am 19. November 2020.

  • Ausgerechnet die australische Armee wird von einem Bericht über grausame Kriegsverbrechen des Special Air Service (SAS) schwer heimgesucht.
  • General Angus Campbell, als Kommandant der Streitkräfte Australiens oberster Soldat, gestand am 19. November 2020 ein, einzelne Unteroffiziere und Soldaten des SAS hätten bei der Aufnahme neuer Operators willkürlich afghanische Männer ermordet und somit auf schwerste gegen das Kriegsvölkerrecht verstossen.
  • General Campbell entschuldigte sich im Namen der australischen Streitkräfte öffentlich in aller Form, wie Premier Morrison dem afghanischen Präsidenten Ghani gegenüber seine “tiefe Trauer” ausdrückte.

Schwerer Schlag für angesehene Armee

  • Die australischen Streitkräfte besitzen (oder besassen?) weltweit einen vorzüglichen Ruf. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg zeichnete sich das ANZAC, das australisch-neuseeländische Corps, an schwierigen Fronten durch Tapferkeit, Mut und zähes Durchhalten aus. Während der Schlacht von el-Alamein lobte Feldmarschall Montgomery ANZAC-Truppen explizit.

Australier 1945 im Zweiten Weltkrieg.

  • Ein Ruhmesblatt schrieben australische Piloten in der Luftschlacht um England (Battle of Britian). Rund eine Million Australier diente in Nordafrika, Europa und dann zunehmend in Asien.
  • Als treue Verbündete der Briten und der Amerikaner stachen sie auch in den Golfkriegen durch anerkannt gute Operationen heraus. Der australische Geheimdienst gehört mit den USA, GB, Kanada und Neuseeland zum Ring “ECHELON”, dem Superverbund der Agenten.
  • Umso härter kommt die australische Armee die Aghanistan-Vorwürfe an. Stimmen sie? Immerhin untersuchte der Generalmajor und Richter Paul Brereton mit seinem Team das offensichtlich verbrecherische Aufnahmeritual einzelner SAS-Formationen vier Jahre lang. Beretons Bericht umfasst 486 Seiten.

Immer wieder Aufnahmerituale

  • Offenbar gehen Aufnahmerituale so weit, dass ihre Initianten und die Beteiligten Kriegsverbrechen begehen.
  • Die SAS-Morde geschahen nach ersten Meldungen in kleinen Teams. Spezialkräfte operieren oft in der Formation von zwölf Männern. In Afghanistan setzte die Führung die SAS-Teams an den exponiertesten Stellen ein, oft selbständig und auf sich allein gestellt.

Australische Soldaten in Afghanistan.

  • Unteroffiziere hiessen neu eingeteilte Operators, unschuldige, unbewaffnete Dorfbewohner zu misshandeln und zu erschiessen – mit der verwerflichen Begründung, die Neuen müssten sich ans Töten gewöhnen.
  • Nach den Morden schoben sie die Opfern Waffen oder Kriegsgerät unter. Der Betrug sollte beweisen, dass die Erschossenen kombattant waren.
  • Die Kette missbräuchlicher, ja verbrecherischer Aufnahmerituale zieht sich wie eine Blutspur durch die Militärgeschichte.
  • Das zweitjüngste Beispiel entlarvten Untersuchungen im 2. Bataillon des deutschen KSK. Neben anderen Missständen führten widerwärtige Rituale dazu, dass die Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer die Einheit sang- und klanglos auflöste – weg damit.