Iran: Fünf Optionen gegen Israel

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Auf der Strasse parallel zur israelisch-libanesischen Grenze hoch über Galiläa. Zwei Aufklärerwagen der israelischen Armee.

Nach dem gescheiterten Hisbollah-Vorstoss auf israelisches Territorium richtet sich das Augenmerk auf Iran. Teheran lieferte der Hisbollah seit dem unentschiedenen Zweiten Libanon-Krieg rund 150’000 moderne Raketen; und das Ayatollah-Regime finanziert die Terrortruppe im Südlibanon wie auch Hamas in Gaza.

Aufgrund der Eskalation und Israels Corona-Not sprechen israelische Offiziere von mehreren gegnerischen Optionen. Zur Rache für den Tod des Hisbollah-Kommandanten Mohsen und die Niederlage am Har Dov umreissen sie im groben Raster fünf feindliche Optionen.

Option 1: Mehr oder weniger symbolischer “Angriff” 

  • Noch streiten die Experten über den Charakter des Hisbollah-Vorstosses vom 27. Juli 2020. Die These, es sei ein mehr oder weniger symbolischer “Angriff” gewesen, um Mohsens Tod zu rächen, hält sich hartnäckig.
  • In Anbetracht der propagandistischen Ausschlachtung selbst geringster Erfolge schliessen israelische Offiziere weitere solche Vorstösse nicht aus. Bei der Hisbollah immer dabei: die Video-Equipe zur Dokumentation der “Heldentaten”.

Option 2: Ernst gemeinte Attacke, aber unter Vermeidung schwerer eigener Verluste

  • Auch diese Option wird in Israel ernsthaft erwogen. Generalstabsoffiziere brauchen dazu den englischen Begriff “contested terror”.
  • Die israelischen Streitkräfte setzen im Abschreckungs- und Abnützungskrieg vornehmlich die Luftwaffe ein, die über Libanon und Syrien schon Tausende Missionen flog. In Syrien zerstörten F-15I F-16I und F-35I schon Hunderte iranische Ziele: Flug- und Raketenstützpunkte, Kommandoposten, Munitionslager, auch Waffentransport vom Flughafen Damaskus nach Libanon.
  • Iran und Syrien setzen Hisbollah-Kämpfer gerne gegen die Sheeba-Farmen und Ziele in Galiläa ein. Seit dem Sommerkrieg 2006 erlitt die Hisbollah enorme Verluste, sei es gegen Israel, sei es im syrischen Bürgerkrieg (Schlacht um Aleppo).
  • Hisbollah-Chefs greifen zu Kornet-Boden-Boden-Raketen. “Beliebtes” Ziel sind die israelischen Grenzsiedlung Avivim und Yiron.
  • Was führ die Hisbollah in dieser Option zählt: Die Aktionen sollten mit einem Mindestmass an eigenen Verlusten Erfolge erzielen. Der Blutzoll, den Hisbollah in den letzten Jahren erbracht, schwächt die Guerilla-Truppe.

Option 3: Nochmals Har Dov

  • Zentralen Wert misst Hisbollah den Sheeba-Farmen am Dreiländereck Israel–Libanon–Syrien bei. Für die libanesische Hisbollah geht es dort um “Territorium von Libanon”, das Israel dem Heimatstaat der Guerilla 1967 entrissen habe.
  • Das Gefechtsfeld ist coupiert und liegt taktisch für den Angreifer ungünstig. Bei Nadelstichen im Sheeba-Raum setzte die Hisbollah bisher Katyusha-Raketen, Mörser und Panzerabwehrwaffen ein.

Option 4: Angriff von Syrien aus > Golan > Galiläa

  • Iran und Nasrallah drohten Israel schon mit einer umfassenden Offensive, sei es von Syrien aus über den Golan, sei es aus dem Südlibanon nach Galiläa – oder an beiden Abschnitten der Nordfront, eventuell ergänzt von einer Hamas-Operation aus dem Gazastreifen.
  • Irans stärkster Stützpunkt in Mittelsyrien heisst T-4. Von diesem kombinierten syrisch-iranisch-russischem Flugfeld aus soll ein HQ die Offensive gegen Israel planen und einleiten.
  • Politisch fordert Israel nach einem späteren Waffenstillstand in Syrien den vollständigen Abzug israelischen Truppen aus dem Nachbarland. Iran wird jedoch in Syrien bleiben und die schiitische Landbrücke vom Persischen Golf ans Mittelmeer vorantreiben.
  • Im Moment zieht Israel die rote Linie gegen Iran entlang der Strasse Damaskus–Deraa an der jordanischen Grenze. Die Linie verläuft 60 Kilometer östlich der vordersten israelischen Golan-Stellungen. Jedes Überschreiten der Deraa-Strasse wird von Raketen und Kampfjets sofort bekämpft.

Option 5: Angriff mit präzisen Raketen

  • 2006 verschoss Hisbollah gegen Israel Tausende “dummer” Raketen, die teils im unbewohnten Gelände aufschlugen, teils in Haifa und gailäischen Orten Schaden anrichteten und Opfer forderten.
  • Seither rüstete Iran die Verbündeten mit weitreichenden, präzisen Raketen aus. Dazu lieferte die Revolutionsgarde der Guerillatruppe ein Drohnen-Arsenal, aus dem Angriffe in den israelischen Luftraum erfolgten – bisher ohne Erfolg.
  • Dennoch ist ein Präzisionsangriff weit über Haifa hinaus, bis Tel Aviv, womöglich bis Beersheva im Negev, die für Israel gefährlichste Bedrohung.
  • Wie 2006 würde die Raketengefahr Israels Leben im gefährdeten Raum teilweise lahmlegen; nur wäre Israel 2020 bis hinunter in den Negev bedroht. Einzig Jerusalem würde wohl wegen den heiligen Stätten des Islams ausgespart.

Und Irans nukleare Option?

Noch hat Iran die Atombombe nicht gebaut. Das Land verfügt Shahab-Raketen, die problemlos bis Tel Aviv reichen. Allerdings ist fraglich, ob die USA und Israel zulassen, dass Iran die Nuklearwaffe “vollendet”. Im Moment keine realistische Option.

 

 

 

A precision strike to show off munitions

Hezbollah could opt for an expanded operation that combines its new technology, such as precision guided munitions it acquired from Iran.

This could combine also with the drones that it has used over the last two decades and with which Iran has become more proficient.

A complex Hezbollah operation like this would seek to humiliate Israel and show off the terrorist group’s deterrence capabilities. It might seek to use a precision guided weapon to strike at critical infrastructure – or merely to show how far it can fire such a missile in an attempt to evade Israel’s air defenses.

Hezbollah has bragged in the past about sending drones into Israeli airspace.

In 2012, it claimed to have flown a drone over Israel. There have been incidents with small Hezbollah drones over the past year.

The 2012 incident is still the most serious. Hezbollah has been known to have contacts in the West Bank and Gaza Strip, and Israel has recently busted two PFLP cells backed by Iran.

This potentially gives Hezbollah a longer arm in terms of retaliation options. Combining its infrastructure in Lebanon with precision-guided weapons and allies in the West Bank or Gaza may appeal to its asymmetrical warfare plans. This would add a new threat to its arsenal and also not risk a border escalation.