Wie Fernsehen SRF Adelboden in die Pfanne haute

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Grossrat Jakob Schwarz.

Der Zeitschrift “Standpunkt” der EDU entnehmen wir das folgende Interview, das der Redaktionsleiter Anian Liebrand nach einer Sendung des Schweizer Fernsehens über die Gemeinde Adelboden mit dem dort wohnhaften Grossrat Jakob Schwarz führte.

Das Schweizer Fernsehen strahlte in den vergangenen Wochen die mehrteilige Serie «Adelboden BE – Auf Identitätssuche» («SRF bi de Lüt») aus. Wie hat die Sendung aus Ihrer Sicht das Dorfleben erfasst?

Jakob Schwarz: SRF hat mit dieser Sendung ein verzerrtes Bild von Adelboden gezeichnet. Leider muss davon ausgegangen werden, dass dies ganz bewusst geschah. So hat mir ein Direktbetroffener bestätigt, dass SRF bei vielen Antworten ganze Teile weggeschnitten hat, weil diese offensichtlich nicht in das Bild gepasst haben, das mit dieser Sendung vermittelt werden sollte. Es wurden vor allem jene Teile herausgebrochen, die aufzeigten, dass die Gläubigen in diesem Ort zu anderen Bevölkerungsgruppen sehr gute und freundschaftliche Beziehungen unterhalten. Auch Zweitwohnungsbesitzer und Gäste von Adelboden waren nach dieser Sendung irritiert und bestätigten, dass Adelboden keineswegs auf Identitätssuche sei. SRF hätte viele Bereiche zeigen können, wo Hand in Hand erfolgreich zusammengearbeitet und gegenseitiges Vertrauen gelebt wird.

Die Gemeinde Adelboden wird von SRF mehrfach kritisch beäugt. Teilweise wird suggeriert, dass «die Frommen» und die Freikirchen eine «Gefahr» seien. Was sagen Sie dazu?

Jakob Schwarz: Dies ist eine perfide Unterstellung. Wenn dies so wäre, hätte sich der Tourismus in den letzten hundert Jahren nicht so entwickeln können, dass Adelboden-Lenk heute das drittgrösste Skigebiet der Schweiz ist. Dies war nur möglich, weil sich die Adelbodner bewusst sind, dass sie alle im gleichen Boot sitzen und ihr Einkommen direkt oder indirekt vom Tourismus abhängt. Dass die touristische Entwicklung nicht in einem «Ballermann» oder «Ischgl» geendet hat, darf man vielleicht tatsächlich dem Umstand zuschreiben, dass es in unserem Dorf viele «geerdete» Menschen gibt. So ist denn Adelboden heute vor allem als Ferienort für Schweizer Familien und Sportbegeisterte bekannt und beliebt. Auch das Ortsbild wurde dank der traditionsbewussten Bevölkerung gut erhalten und Bausünden sind kaum zu finden.

Was geben Sie den Zuschauern mit auf den Weg, die von dieser Fernsehserie ein falsches Bild von Adelboden vermittelt erhielten?

Jakob Schwarz: Leider hat sich einmal mehr bestätigt, dass die Medien heute nicht mehr Informationen vermitteln wollen, sondern Sensationsgeschichten zusammenstellen, die nicht viel mit der Realität zu tun haben. Wer sich ein richtiges Bild machen will, dem empfehle ich, sich vor Ort selber ein eigenes Urteil zu bilden; Adelboden ist im Sommer wie im Winter eine Reise wert, kennt die eigene Identität und bleibt sich selber treu.