Wie eine (“renommierte”) Zeitung irren kann

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Ein gewisser Kai Rohrschneider, hier als Brigadier und deutscher Stabschef US Army Europa (bw).

Vor zehn Jahren befehligte ein gewisser Oberst Kai Rohrschneider in Afghanistan den umkämpften Bundeswehr-Stützpunkt Kunduz. Die renommierte, manchmal etwas hochnäsige Hamburger Zeitung “Zeit” sandte einen Korrespondenten nach Kunduz, der unter dem Titel “Das Kunduz-Symptom” schrieb:

“Sollte Rohrschneider nervös sein, so kann er das gut verbergen; geschliffene Sätze sind seine Spezialität. Sollte er Kunduz überstehen, wird er wahrscheinlich General. Er darf nur keinen Fehler machen. Ein Fehler, das ist alles, was es in die Nachrichten schafft: tote Zivilisten, deutsche Särge.“

Der Text erschien am 4. März 2010, ein halbes Jahr, nachdem US Jagdbomber auf deutschen Befehl zivile Tanklastzüge zerstört hatten, was den verantwortlichen Bundeswehroffizier (vorübergehend) die Karriere kostete.

Ein Monat verging – und die düstere Prophetie der “Zeit” ging in Erfüllung. Beim Karfreitagsmassaker 2010 kamen im deutschen Lager viele Soldaten um.

Was aber gibt die Bundeswehr jetzt bekannt, überall, nur nicht in der “Zeit”?

“Im Verteidigungsministerium ist die Position des Chefs Führung Streitkräfte wieder besetzt: Am 1. April 2020 übernahm Generalmajor Kai Rohrschneider die Führung Streitkräfte. Der bisherige Chef, Generalleutnant Markus Laubenthal, wurde zum Stellvertreter von Generalinspekteur Eberhard Zorn ernannt”.

Von links: Rohrschneider, der Kommandant der US Army Europe Generalleutnant Cavoli, Rohtschneiders Nachfolger in Ulm Renk und der Vorgänger Laubenthal (bw/us).

Rohrschneider war seit September 2018 Stabschef im Multinationalen Kommando Operative Führung in Ulm. Vorher war er der zweite deutsche Stabschef der US Army Europe in Wiesbaden. Und jetzt ist er im Ministerium der erste Chef Führung Streitkräfte, der – aus seinem Afghanistan-Einsatz – die seltene Einsatzmedaille Gefecht trägt. Hamburger Zeitungen hin oder her.