Weissrussland – 120’000 Spezialkräfte ???

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Seltenes Bild weissrussischer Speznaz: BTR-80 im Manöver 2016.

 

  • Was die angespannte Lage in Minsk, bleiben wir bei der Weisheit: Niemand ist Prophet – weder im Orient noch im europäischen Osten.
  • Der stalinistische Autokrat Lukaschenko klammert sich an die Macht, die Opposition rennt an gegen ihn. Russland zieht Belarus gegenüber wirtschaftlich die Schraube an.
  • Wenig Vertrauen erwecken teils Schweizer Medien – etwa, wenn sie von 120’000 weissrussischen Spezialkräften faseln.

Kurzer Blick zurück

  • Bis zum Untergang der Sowjetunion gehörte Weissrussland als Republik zur UdSSR. Als sie Ende 1991 zum eigenen Staat wurde, bildete sie aus Beständen und mit Waffen der Roten Armee die weissrussischen Streitkräfte.
  • Diese sind und bleiben russisch gegliedert, bewaffnet und ausgebildet. Dies gilt auch die Spezialkräfte. Ihr Vorbild sind die gefürchteten russischen Speznaz, von denen die russische Armee acht Brigaden und ein selbständiges Regiment einsetzt (plus natürlich die starken Luftlandeverbände mit ihren 45’000 Mann).

IISS nennt 5’900 Mann

Wohl umgibt Spezialkräfte weltweit der “Nebel des Krieges”, der Mantel der Geheimhaltung. Aber ganz so unbekannt sind ihre Bestände dann doch wieder nicht, jedenfalls nicht so, dass Schweizer Journalisten von 120’000 Weissrussen salbadern können. Verlässlich sind angelsächsische Quellen, so das IISS in London oder der Sonderkräfte-Spezialist Chris Chant:

  • In seiner “Military Balance 2020” nennt das IISS für Belarus insgesamt 5’900 Mann, gegliedert in drei Brigaden. Dies entbehrt nicht einer gewissen Logik. In der Literatur wird der Speznaz-Bestand von Russland generell im Bereich von 15’000 Mann angesiedelt, unterteilt in die acht Brigaden zu 2’000 Mann und das selbständige Regiment zu 1’000 Mann. Vorausgesetzt, die drei weissrussischen Brigaden seien einander ebenbürtig, ergäbe der Gesamtbestand von 5’900 pro Brigade 1’966 Mann, fast so viele wie die russischen Brigaden umfassen.
  • Chant gibt in seinem Standardwerk “Special Forces” zu Weissrussland nur die Angabe: 5. Unabhängige Speznaz-Brigade, dem Generalstab unterstellt; damit spricht er den “Dachverband” an, das vom IISS aufgelistete Special Operations Command.

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Die mobile 122.mm-Haubitze D-30, in Belarus nur bei den Speznaz.

 

Sowjetisch-russisch bewaffnet

Das IISS nennt die Bewaffnung des weissrussischen Speznaz-Kommandos:

  • 185 BTR-70M1 und BTR-80.
  • 24 gezogene 122-mm-Geschütze 24 D-30.
  • 18 gezogene 120-mm-Mörser 2B23 NONA-M-1.
  • Pzaw-Raketen 9K111 Fagot (NATO-Code AT-4 Spigot), 9K111-1 Konkurs (AT-5 Spandrel), 9K115 Metis (AT-7 Saxhorn).

Diese rein sowjetisch-russische Bewaffnung lässt auf robuste Kampfkraft und bevorzugte Stellung schliessen. Im jetzigen Machtpoker mag den Spezialkräften Gewicht zukommen; von den 120’000 Mann in unseren Gazetten ist das weissrussische Sonderkommando jedoch weit entfernt. Würden die Elite-Sonderkräfte von der Fahne gehen, wäre das für Lukaschenko ein Schlag. Zurzeit stehen sie fest zum Regime.