Wehrbereitschaft & Rüstung 1920–2020

Standard

 

 

Jürg Steiner, Interlaken, Vizepräsident Verband Bernischer Unteroffiziersvereine, Strategiekommission Pro Militia, schreibt der Redaktion:

“Vorab herzliche Gratulation zu Ihrem Bulletin BISS, dessen Beiträge ich jeweils mit grossem Interesse lese. Aktuell sehr interessant dabei die Beiträge zum NKF-Entscheid.

Im Rahmen des 100 Jahre Jubiläums des Verbands Bernischer Unteroffiziersvereine hatte ich die Ehre, für die Festschrift im vergangenem Herbst einen Textbeitrag über die Wehrbereitschaft unserer Armee in den vergangenen 100 Jahren zu verfassen. Dieser Beitrag wurde in zwei Teilen in der Februar und März Ausgabe der Zeitschrift Schweizer Soldat veröffentlicht.

Falls von Interesse würde mich eine Veröffentlichung in Ihrem Bulletin unter der Rubrik Geschichte ausserordentlich freuen und wäre für mich eine grosse Ehre

Mit kameradschaftlichen Grüssen

Jürg Steiner, Interlaken, Vizepräsident Verband Bernischer Unteroffiziersvereine, Strategiekommission Pro Militia”

 

Es folgt Jürg Steiners gründliche, lesenswerte Studie im originalen Wortlaut:

Wehrbereitschaft & Rüstungsanstrengungen unserer Armee in den vergangenen 100 Jahren

Prägende Aspekte 1920 – 2020

 

  • Zwischenkriegszeit; 1920 – 1939

« Nie wieder Krieg »

 

Nach der Katastrophe des ersten Weltkrieges mit fast 10 Millionen gefallenen Soldaten wurde nach dem Motto nie wieder Krieg, auch die Schweizer Armee massiv abgerüstet. Zeitweise wurde der Armee in den zwanziger Jahren kaum noch das Existenzminimum zugestanden. Erst die sich abzuzeichnende Aggression durch die deutschen Nationalsozialisten, führte ab 1936 zu einer dringend notwendigen Aufrüstung und Modernisierung. Von den Nachbarmächten stets Respekt gezollt wurde den Eigenheiten des eidgenössischen Wehrwesens, wie dem Wehrwillen der Soldaten und speziell dem Schiesswesen mit der Aufbewahrung der persönlichen Waffe inklusive der Munition zu Hause, statt im Zeughaus. Der in dieser Zeit eingeführte, präzise Karabiner 31 trug wesentlich zu dieser Einschätzung bei.

 

 

  • II Weltkrieg; 1939 – 1945

« Wieso wurden wir nicht angegriffen ?  Eine Spekulation »

Mit der vorhandenen Ausrüstung bei der Mobilmachung am 1. September 1939, hätte die Armee einem wie in Polen vorgetragenen  Angriff mit verbundenen Waffen, kaum lange Widerstand leisten können. (*)Allerdings erreichten die seit 1936 getroffenen wirtschaftlichen und militärischen Kriegsvorbereitungen dann Ende September 1940 einen Stand, die es dem deutschen Reich nicht mehr erlaubt hätte, nur mit einem Einsatz der «Lörracher Feuerwehr», wie die alemannischen Nachbarn spasseshalber behaupteten, den demokratischen Querschläger Schweiz im deutschen Machtbereich zu eliminieren. (* Hans Richard_ 2011_ September 1939 und 1940_ Schicksalsmonate für die Schweiz und Europa) Hervorzuheben ist dabei speziell die Fliegertruppe: Diese war zu diesem Zeitpunkt mit sehr gut ausgebildeten Piloten und rund 235 Stück, den schweizerischen Bedürfnissen entsprechend nachgerüsteten Kampfflugzeugen ausgestattet. 77 Stück davon waren moderne Messerschmitt Me 109 Jagdflugzeuge. Dass neben anderen Gründen aus militärtaktischer und strategischer Sicht zum damaligen Zeitpunkt kein Angriff auf unser Territorium erfolgte, lag nicht am wirkungsvoll in die Tiefe gestaffelten, mit zahlreichen Sprengobjekten ausgestatteten, ausgeklügelten Festungs-Abwehrsystem. Dieses bestand 1940 erst ansatzweise, vollständig bereit erst Jahrzehnte später im Verlauf des Kalten Krieges. Die Stärke unserer Fliegertruppe stellte gegenüber dem Zustand der deutschen Jagdluftwaffe zu diesem Zeitpunkt, durchaus ein ernstzunehmendes Verteidigungspotential dar. Der Frankreich-Feldzug forderte, entgegen den offiziellen deutschen Berichten, einen sehr hohen Tribut an abgeschossenen Jagdflugzeugen. Überaus verlustreich, bekanntlich ab September 1940 praktisch schon verloren, auch die Luftschlacht um England, was dazu führte, dass die deutsche Luftwaffe faktisch bereits zu diesem Zeitpunkt die Luftherrschaft über Westeuropa für die gesamte Dauer des Zweiten Weltkrieges weitgehend einbüsste. Die rund 100 für den Angriff auf die Schweiz vorgesehenen, langsamen und schwerfälligen Junkers Ju 87 Sturzkampfbomber wären im schweizerischen Luftraum gegen die schnellen, wirkungsvoll bewaffneten Jagdflugzeuge, wie über dem Ärmelkanal, chancenlos geblieben. Bizarr erscheint acht Jahrzehnte später, dass der deutschen Luftwaffe in dieser Phase, die regulären Jagdstaffeln zum Schutz eben dieser Sturzkampfbomber fehlten. Diese hätte man von den Reserve-Stationierungen in Norwegen oder sogar von Fliegerschulen bereitstellen müssen, da man von der Kanalfront angesichts der immensen, täglich höher werdenden Verluste keine Jagdflugzeuge abziehen konnte. Anderseits ist es natürlich klar, dass ein massiv vorgetragener nächtlicher Terror Luftangriff mittels 200 bis 300 Heinkel und Dornier Bombern auf eine Schweizer Altstadt, mit den vorhandenen Mitteln nicht hätte verhindert werden können. Die deutschen Stabsplaner erachteten zur Eroberung der Schweiz in einer ersten Fassung der Angriffsstudie, 9 Divisionen, beziehungsweise in der zweiten Fassung (Angriffsstudie Tannenbaum der Heeresgruppe C vom 4. Oktober 1940) sogar zwischen 18 und 21 Divisionen als notwendig. Im Vergleich zu den 6 Divisionen die für die Eroberung von Norwegen genügten, wog dies schwer. Die vorneweg von der italienischen Seite dominierte Angriffsplanung vom Mai 1941, ging von 15 benötigten Divisionen aus, um im südlichen Aufmarschgebiet mit mindestens doppelt so grossen Kräften antreten zu können. Der länger als geplant andauernde Balkanfeldzug führte dann dazu, dass das hierfür notwendige Zeitfenster und die entsprechenden Ressourcen vor dem am 22.6.1941 erfolgten Überfall auf die Sowjetunion fehlten. Verbunden mit der von General Guisan ausgehenden, markant verbesserten Moral zum Widerstand, verschaffte dies den weiteren Verteidigungsanstrengungen entscheidend Luft. Die Umgruppierung grosser Teile der Armee ins Reduit zusammen mit der massiv gesteigerten Schlagkraft, führten in der Folge dazu, das der Eintrittspreis zu einer Besetzung unseres Territoriums, um in den unversehrten Besitz der Alpentransversalen zu gelangen und um in der zweiten Phase des Krieges die erwarteten alliierten Vorstössen aus dem Süden abzufangen, immer höher veranschlagt werden musste. Die Angriffsplanung ab 1943 sah im Mittelland panzerstarke Vorstösse mit 3 Divisionen vor, dazu zusätzlich 11 Divisionen ergänzt mit 2 Fallschirmbrigaden zum Angriff auf die befestigten Reduit-Eingänge. Die damit verbundenen Einbussen an der Ostfront, zusammen mit denen für die Abwehr der bevorstehenden angloamerikanischen Invasion bereitzustellenden Truppen, fielen dann offenbar als Aufwand zu schwer ins Gewicht. Die Einschätzung bezüglich dem hohen Eintrittspreis betraf gleichermassen auch die alliierte Seite. Das unser Land vom Krieg verschont blieb, ist in bedeutenden Teilen sicher auch auf die wirtschaftlichen Beziehungen mit Deutschland  zurückzuführen, wie im Anfangs 2002 publizierten Bergier-Bericht aufgezeigt wurde. Nichts genutzt haben die mit dem III-Reich äusserst intensiv unterhaltenden wirtschaftlichen Beziehungen den Niederlanden. Unter der Priorisierung von militär-strategischen Erfordernissen und unter Ausnutzung der nur schwach vorhanden Verteidigungsfähigkeit, wurde das Land binnen wenigen Tagen erobert. Hätte unser Land über keine ernst zu nehmende Armee verfügt, so wären unsere Nachbarmächte in der ersten Phase des Krieges wahrscheinlich dazu gezwungen worden, das militärische Vakuum präventiv auszufüllen, um dem Gegner zuvorzukommen. Endgültig davon absehen konnte man von deutscher Seite in der Schlussphase des Krieges erst durch die Einschätzung des massiv gestärkten Verteidigungspositivs, die dann die im Frühjahr 1943 erfolgte Zusicherung von General Guisan an die Adresse von SS-Standartenführer Schellenberg, die schweizerische Neutralitätspflicht im Bedarfsfall auch gegenüber den Alliierten mit militärischen Mitteln wahrzunehmen, glaubwürdig erschienen liess.

 

  • Kalter Krieg; 1948 – 1990

« Geheime Wunderwaffen »

Die Armee wurde nach dem II Weltkrieg in allen Teilen massiv aufgerüstet. Ab 1959 wurde die Masse des Heeres mit dem Sturmgewehr 57 ausgerüstet. Obwohl etwas schwer, zählte dieses zu einem der weltbesten Sturmgewehre. Als Weiterentwicklung der Reduit-Strategie stand vorneweg die abschreckende Wirkung im Fokus. Hinsichtlich der konventionellen Kriegsführung, bereitete man sich intensiv zur Abwehr von massiv vorrückenden mechanisierten Verbänden vor. Durch operative Sperrverbände mittels permanenten und temporären Sperrstellen, sollten diese dann aufgehalten und abgeriegelt werden, um sie nachher durch Gegenstösse der eigenen zahlreich vorhandenen Panzer und Panzerartillerie Verbände zu vernichten. So wurde speziell der Panzerabwehr grosse Bedeutung beigemessen. Innerhalb Europas verfügte unsere Infanterie ab 1990 zum Beispiel als Einzige auf den Einheitsstufen Bataillon mit Piranha-Tow, Kompanie mit Dragon sowie Zug mit der Panzerfaust über panzerbrechende Doppelhohlladungsgeschosse. Eine Eigenheit der bis Mitte der 1990-Jahre in der Schweiz vorhandenen Bunker-Panzerabwehrstellungen bestand darin, potenzielle Ziele flankierend direkt mittels Zielfernrohr oder indirekt mithilfe einer mit dem Geschütz verbundenen Panoramaausrüstung-Richttafel Vorrichtung anzuvisieren. Auf dieser wurden verschiedene, exakt auf die Schiessdatenelemente der Panzerabwehrkanone abgestimmte Zielsektoren beim Panzersperrhindernis spiegelbildlich dargestellt. Die Zielzuweisung erfolgte störungsfrei und sekundenschnell durch Beobachter, welche gedeckt im Zielgebiet mittels Feldtelefonen an festinstallierten Anschlusskasten und im Boden fix verlegten Kabeln mit der Bunkerbesatzung in Kontakt standen. Bei eingeschränkten Sichtverhältnissen oder durch künstliche Vernebelung der eigenen Bunkerstellung hätten auf diese Weise im Ernstfall gegnerische Panzer nun zielgenau «blind» bekämpft werden können, beziehungsweise hätte diesen verunmöglicht, das Feuer durch Direktbeschuss erfolgversprechend auf die gepanzerten Scharten zu erwidern. Einfach aber wirkungsvoll, im Verbund mit permanenten Sprengobjekten, waren diese Bunker nachhaltig in die Tiefe gestaffelt, entlang sogenannter Kompartiments Linien zahlreich im Land verteilt. Durch strikte Geheimhaltung dem militärischen Ausland nur in Ansätzen bekannt, begründeten diese Kampfmittel, neben anderen in ihrer für die damalige Zeit beachtlichen Abwehrkomplexität, den heute oftmals gehörten Begriff: «Geheime Wunderwaffen der Schweizer Armee». Die Gesamtanzahl an vorhandenen Festungs- und mobilen Geschützen führte zur wahrscheinlich tiefsten, über die Fläche gestaffelte Feuerdichte Westeuropas. Mit 540 Stück in den mechanisierten Divisionen eingeteilten Panzerhaubitzen, stand die hinter der US-Armee weltweit zweitgrösste M 109 Pz-Haubitzen Flotte zur Verfügung. Aus militärischer Sichtweise konnte später festgestellt werden, dass im Falle eines mit konventionellen Mitteln erfolgten Angriffs auf unser Territorium, die in entsprechenden Dispositiven aufgestellte, straff strukturierte Armee 61 ihren militärischen Verteidigungsauftrag wohl gemeistert hätte. Dies umso mehr, da man ja nicht die gesamte gepanzerte WAPA Streitmacht, sondern nur Teile davon, hätte aufhalten müssen. (*) Die Armee 61 war nicht nur die grösste Schweizerische Armee aller Zeiten, sondern erbrachte Leistungen, die unserem Land zu internationalem Ansehen verhalfen. (* Franz Betschon / Louis Giger_ Erinnerungen an die Armee 61_ 2009)

 

  • Armee 95 & XXI; 1995 – 2018

« Friedensdividende nach der Auflösung der Sowjetunion »

 

Als wiederum als eines der weltweit präzisesten Sturmgewehre, wurde als Ersatz des Sturmgewehres 57, ab Anfang der 90er Jahre das Sturmgewehr 90, mit neu dem Kaliber 5.6 mm eingeführt. Das Ende der geistigen Landesverteidigung wurde 1989 durch den Fall der Berliner Mauer eingeleitet. Über die Aufträge, die Ausrüstung und Mannschaftsstärke der Armee begann in der Politik und Öffentlichkeit eine langanhaltende Debatte. Zahlreiche Schwächen der Armee 95 sowie die fehlende politische Bereitschaft, weiterhin eine so grosse Armee zu finanzieren, führten Ende der 1990er Jahre zu einem weiteren Reformschritt, der nach heftigen Widerständen innerhalb der Armee und aus konservativen Kreisen, in der sogenannten Armee XXI umgesetzt wurde. Die Reform griff sehr tief in die Struktur der Armee ein, die in der Folge massiv abgerüstet wurde. Einen besonders herben Dämpfer erhielt die bislang im Ausland hoch geachtete schweizerische Wehrbereitschaft im Jahre 2007 durch die Einstellung der Taschenmunitions-Heimabgabe für die persönliche Waffe. (*)Somit wurde das Ziel einer stetig fortschreitenden Armeeabschaffung indirekt erreicht, ohne dass ein grosser Teil des Volkes dies realisiert hatte. Dass die Schweiz als Wasserschloss von Mitteleuropa weiterhin ein strategisches Ziel darstellt, ging in der aktuellen friedlichen Einheit der EU praktisch gänzlich unter.                 (*Imboden&Studer, Reisläuferei_ 2017)Der letzte Schuss der mächtigen Bison 15,5 cm Festungsartillerie im Jahre 2011, symbolisierte die Ausserdienststellung sämtlicher permanenten, gehärteten Kampfanlagen. Neben der erwähnten Bison Festungsartillerie umfasste dies auch die mehrheitlich bis zum Ende der 90er Jahre erstellten, äusserst wirkungsvollen 12 cm Monoblock Zwillings-Minenwerfer und die 10.5 cm Centurion Panzerabwehr Bunker. Dazu kam der Rückbau von hunderten, über das ganze Land an strategisch wichtigen Punkten vorbereiteten Sprengobjekten. Ein weiterer Tiefpunkt in dieser Phase war dann die verlorene Referendumsabstimmung vom 18.5.2014 bezüglich dem Teilersatz der veralteten F5 Tiger durch 22 Stück Gripen Kampflugzeugen, inklusive dem von der Gruppe Schweiz ohne Armee in Bern veranstalteten Freudentanz. Ob der Intensität des Abbaus von Ressourcen, wie die vollausgeschöpfte Milizwehrpflicht, die Geländeverstärkungen und Schutzzonen sowie die vorhandenen militärischen und zivilen Infrastrukturen, wurden mancherorts kritische mahnende Worte ausgesprochen. Auf der anderen Seite, galt es unter dem Spardruck der Politik sowie unter dem Aspekt der sich stark akzentuierenden neuen asymmetrischen Bedrohungslagen, wie Terror und Cyber Angriffe, die benötigten Mittel auf der Grundlage von entsprechend umfangreich durchgeführten Kosten & Nutzenanalysen sicherzustellen. Mit dem Resultat von beschleunigten Ausserdienststellungen von nicht mehr effizienten, besonders kostentreibenden Systemen und Strukturen.

Zur Erhaltung, beziehungsweise zur Steigerung der Feuerkraft wurde dann ein entsprechender Beschaffungsprozess mit den Rüstungsbotschaften 2015plus und 2016 eingeleitet. Mit einer Nutzungsverlängerung bis mindestens 2025, sowie der Nachrüstung aller Abteilungen zum Sensoren-Verbund betraf dies das bewährte 35 mm Mittelkaliber Fliegerabwehrsystem kurzer Reichweite (Oerlikon, heute Rheinmetall). Mit der Rüstungsbotschaft 2016 wurden weitere zwei moderne Waffensysteme lanciert, beide besonders dazu geeignet zu einer im Bedarfsfall spezifischen Gefechtsführung in urbanen Gebieten. Zu einem betraf dies schwedische schultergestützte Mehrzwecklenkwaffen, mit der Befähigung fahrende Panzer oder Gebäudestrukturen sowohl im Horizontalflug, wie auch vertikal von oben bekämpfen zu können. Zum anderen das 32 Einheiten starke 12 cm Cobra Panzermörser System von RUAG und Mowag. Das schnelle, hochmobile und komplexe System ermöglicht künftig ein völlig autonomes Schiessverfahren, bei identischem Zieleinschlag mit einer Kadenz von 9 Granaten in der Minute. Infolge allerdings aufgetretenen technischen Schwierigkeiten, musste die Indienststellung leider bis 2024 aufgeschoben werden. Ebenfalls enthalten in der Rüstungsbotschaft 2016 waren zudem 14 neue Patrouillenboote 16, als Ersatz für die ab 2019 ausser Dienst gestellten Patrouillenboote 80.

 

  • Weiterentwicklung der Armee; Ab 2018

« Asymmetrische, hybride Gegnerschaft »

 

(*)Wir alle wissen nicht, was die Zukunft bringt, niemand weiss, was morgen passiert.

Sicher ist jedoch, dass es die Hauptaufgabe unserer Milizarmee ist, Land und Leute zu schützen. (*KKdT A. Blattmann; CdA bis Ende 2016)

(*)Das aktuelle Reorganisationsprojekt der Schweizer Armee trägt den Namen «Weiterentwicklung der Armee», kurz WEA. Die WEA dient dazu, die Bereitschaft der Armee zu erhöhen, die Ausbildung und Ausrüstung zu verbessern sowie die regionale Verankerung der Streitkräfte zu stärken. Die WEA soll die Armee in die Lage versetzen, die Schweiz und ihre Bevölkerung auch in Zukunft wirksam gegen moderne Bedrohungen und Gefahren zu verteidigen und zu schützen, die zivilen Behörden bei Bedarf optimal zu unterstützen und einen Beitrag zur internationalen Friedensförderung zu leisten. Mit der Weiterentwicklung will sich die Armee modern und flexibel für die Zukunft ausrichten. Die vier Kernpunkte sind deutliche Verbesserungen in der Bereitschaft, der Kaderausbildung, der Ausrüstung und eine stärkerer regionale Ausrichtung. Die Umsetzungsphase der im Projekt beschlossenen Verbesserungsmassnahmen wurde am 1. Januar 2018 gestartet. Die Armee steht nun in der Mitte des Umsetzungsprozesses und soll den vollen Leistungsumfang gemäss WEA stufenweise bis Ende 2022 erreicht haben.

 

(*)Rahmenbedingungen, Eckwerte:

  • Fundament: Wehrpflicht und Milizprinzip
  • Sollbestand: 100 000 Angehörige der Armee
  • Kostendach: 5 Mrd. CHF / Jahr (4-Jahres Finanzrahmen)

 

(*)Die vier Kernpunkte der WEA

  • Höhere Bereitschaft: Neues abgestuftes Bereitschaftssystem ermöglicht auch bei einem unerwarteten Ereignis voll ausgerüstete Truppen aus dem Stand aufzubieten und rasch einzusetzen. Neu bezeichnete Milizformationen mit hoher Bereitschaft zur Ergänzung und Unterstützung bereits eingesetzter Truppen. Für die gesamte Armee Wiedereinführung eines Mobilmachungssystems.
  • Effektivere Kaderausbildung: Fokus verstärkt auf wirksamere Kaderausbildung, künftige Kader absolvieren wieder eine gesamte Rekrutenschule (Dauer 18 Wochen). Gesamte Rekrutenschule und vollständiges Abverdienen des letzten Dienstgrades innerhalb einer praktischen Dienstleistung bezweckt frühzeitige und wichtige Führungserfahrung. Ausdehnung der Kadervorkurse auf eine Woche, zur Verstärkung der Führungskompetenz und generellen Verbesserung der Kaderausbildung.
  • Vollständige Ausrüstung: Verkleinerung der Armee und Neuzuweisung des Materials ermöglicht eine vollständige Ausrüstung, insbesondere für Leistungen zur Unterstützung ziviler Behörden und Basisleistungen. Milizformationen mit hoher Bereitschaft werden in Armeelogistikcentern oder in ihren Aussenstellen mit reserviertem Material rasch ausgerüstet.
  • Regionale Verankerung: Zivile Behörden werden rasch und flexibel von Territorialdivisionen unterstützt, sie leisten Katastrophenhilfe, Sicherungs- und Unterstützungseinsätze oder übernehmen im Fall eines militärischen Angriffs auch Schutz- und Sicherungsaufgaben (Bindeglied zu den Kantonen). Verstärkung der Territorialdivisionen durch organisch unterstellte Truppenkörper (ein Stabsbataillon, vier Infanteriebataillone, ein Geniebataillon und ein Rettungsbataillon) und der Möglichkeit von weiteren Zuweisungen. (* Quelle: vtg.admin.ch)

 

Bis auf weiteres, soll die nunmehr seit 30 Jahren im Einsatz stehende, vermutlich letzte aus rein schweizerischer Produktion stammende Sturmgewehr 90 Serie, modifiziert und einem Werterhalt-Programm unterzogen, im Einsatz verbleiben. Bei den Waffensystemen wurde mit der Rüstungsbotschaft 2019 die Beschaffung von 300 neuen, präziseren und die Feuerleistung gesteigerte Minenwerfer (8.1cm Mörser 19) eingeleitet. Als gewichtiger Posten wurde in der Rüstungsbotschaft 2020 weiter mit einer umfassenden technischen Werterhaltung, der Nutzungsverlängerung der vorhandenen 186 St Kampfschützenpanzer 2000 zugestimmt. Die Armee soll damit auch künftig dazu befähigt sein, militärische und hybride Bedrohungen mittels einer beweglichen Kampfführung im Verbund mit den Panzern 87 Leopard abwehren zu können. Das Jahr 2020 wird speziell in die Anale zur Geschichte der Schweizerarmee eingehen. Der Assistenzdienst-Einsatz während dem Corona-Pandemie zu Gunsten des zivilen Gesundheitswesens, der Eidgenössischen Zollverwaltung und der kantonalen Polizeikorps, führte mit 6000 Armeangehörigen inklusive der Stäbe, zur grössten Truppeneinberufung seit dem 2 Weltkrieg. Als Meilenstein zum künftigen Schutz des Luftraums mittels dem Ersatz der F/A-18 Hornet Kampfflugzeugen und der Neubeschaffung eines Boden-Luft Abwehrsystems grösserer Reichweite (Projekt AIR2030), dann die knappe Zustimmung des Souveräns vom 27 September 2020 zum Bundesbeschluss über die Beschaffung neuer Kampfflugzeuge. Als nächstes grosses Rüstungsprojekt steht ab Mitte der 2020er Jahre die Erneuerung der Mittel der Bodentruppen an. Als besonders grosse Herausforderung dürfte sich in naher Zukunft die notwendige Alimentierung von 100’000 Armeeangehörigen erweisen.

 

Interlaken, Oktober 2020

Jürg Steiner, RS 1976 als Pz Fahrer (Centurion), UOS 1977 zum Kpl (das waren noch Zeiten, 28 Pz Bataillone!), Einteilung Pz Kp III / 21. Später als Bunker Kdt, Wk Kp 10, Reduit-Brigade 21.