Was soll das – der “geeignete” Jet?

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Der S-57 mit der Nummer 052 der russ. Luftwaffe (gov).

In der Evaluation des neuen Kampfjets gilt laut Armasuisse folgende Gewichtung der Kriterien:

  • Wirksamkeit (operationelle Wirksamkeit, Einsatzautonomie) 55%
  • Produktesupport (Wartungsfreundlichkeit, Supportautonomie) 25%
  • Kooperation 10%
  • Direkte Offsets 10%

Gleichzeitig betont das VBS, es gelte den für die Schweiz geeigneten oder gar geeignetsten Jet auszuwählen.

  • Da geht es nicht nur um militärische Kriterien im Kampf > sonst würde die “operationelle Wirksamkeit” – lies: die Kampfkraft – höher als mit 55% eingestuft.
  • Vor allem die nicht näher definierten 10% für Kooperation belegen, dass sich das VBS und der Bundesrat einen politischen Entscheid vorbehalten.

Warum nicht der beste Jet?

So weit, so gut. Wenn das der politische Wille der politischen Führung ist, dann ist das deren Sache. Es gilt der Vorrang der Politik.

Nur: Kann man die Gewichtung unter militärischem Aspekt nicht auch anders vornehmen? Im Klartext: Warum suchen wir nicht den besten statt den geeignetsten Jet?

Was zählt, ist das Genügen im Krieg

Russland macht aus der Truppen-Einführung der Su-57 kein Geheimnis mehr (gov).

Unabhängig von den schwammigen 10% Kooperation gilt für Soldaten der grundlegende Art. 32 DR: “Ziel der militärischen Ausbildung und Erziehung ist die Fähigkeit zur Auftragserfüllung im Krieg und in anderen Krisensituationen, auch unter Einsatz des Lebens.”

“Ausbildung und Erziehung” muss ergänzt werden durch Ausrüstung > durch Waffen, auch Waffen der Zukunft.

Kein Zweifel: Mit ihren noch 30 F/A-18 verfügt unsere Luftwaffe derzeit über eine kriegsgenügenden Kampfjet, wenn auch in zu geringer Zahl. Aber wie steht es 2040? wie 2050?

Auch wenn wir bis zum Geht-nicht-mehr mit der Botschaft berieselt werden, es bestehe keine Gefahr – niemand, auch nicht die VBS-Direktion Sicherheitspolitik, weiss, was 2035, 2045 ist.

Wir wissen nur, dass die Grossmächte bereits über Kampfjets verfügen, die auch 2040 noch bestehen. Russland erprobte den Suchoi-57 in Syrien und führt ihn jetzt in der Luftwaffe ein. Man darf fragen:

  • Welche Waffe besteht auch 2040 gegen den gefährlichsten Jet potentieller Gegner?
  • Und wer verantwortet es, Piloten in 2040 hoffnungslos veralteten Maschinen in den Kampf auf Leben und Tod zu schicken?

Kampfkraft – oder zivile Gesten?

Das Kriterium des Kriegsgenügens muss besser als mit 55% gewichtet werden. Die Kampfkraft auch in Zukunft wiegt unendlich viel schwerer als irgendwelche Konzessionen zur zivilen Luftfahrt oder gar zu Bahnlinien im süddeutschen Raum und ähnlicher Humbug.