Was Israel militärisch von den Arabern erwartet

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Siehe auch: Israels stille Freunde in Arabien  und Der Feind meines Feindes ist mein …

Wer vor drei Jahren diesen Titel setzte, der wurde als Phantast verlacht. Im Februar 2022 beschäftigt Irans Atomrüstung die feudalen Erbmonarchien am Persischen Golf derart stark, dass die Frage namentlich in Bahrain und den VAE ernsthaft erwogen wird.

Selbst im Sultanat Oman und im Königreich Saudi-Arabien hoffen die Herrscher, dass Israel, wenn nötig, dem Ayatollah-Regime militärisch Einhalt gebietet; wie das heimlich auch die Potentaten von Katar und Kuwait tun.

General Kochavi: „MOMENTUM“

Israel Armee, die Zahal, ist bereit und gerüstet, Irans Atomrüstung zu zerstören. General Aviv Kochavi, der starke, brillante Armeechef, setzt das Unternehmen „MOMENTUM“ durch.

Aus der Armee, die seit 1948 auf Geländegewinn aus war, wird eine Streitmacht, die primär gegnerisches Potential zerschlägt. Zu den traditionell kräftigen Merkawa-Panzerverbänden, die den Krieg bis zu 100 Kilometern aufs Terrain des Gegners hineintragen, kommt die neue Teilstreitkraft „YESHURON“.

Sie setzt sich schwergewichtig aus Spezialkräften zusammen und sucht den Feind über Tausende Kilometer auf. Im Verbund mit der Luftwaffe und der Marine, der „stillen Kraft“, zerstört sie den Gegner notfalls 1‘200 oder 1‘500 Kilometer entfernt – das Ziel lautet Iran, im Visier Natanz, Fordo, Busheer, Qom und so fort (Iran dezentralisiert seine Nuklearrüstung geschickt aus 18 Standorte).

Aber: Israel zerschlägt Irans tödliche Rüstung nicht allein. Wohl setzt Zahal die Waffengewalt exklusiv ein. Doch mit Support steigen die Erfolgsaussichten mit jedem Verbündeten, der den Zerstörungsschlag still unterstützt.

Freier Luftraum

Fundamental ist freier Luftraum. Vor Jahren zauberten Grafiker drei Hauptrouten auf ihre Computer: NORD > die Levante hoch und dann im rechten Winkel über Südostanatolien in Richtung Teheran. ZENTRAL > direkt über Jordanien und Irak an den Golf. SÜD > in weitem Bogen über Saudi-Arabien und eventuell Bahrain oder die VAE ins strategische Dreieck Bandar-Shiraz-Isfahan.

Mit Erdogans radikaler Abkehr vom Kemalismus entfällt NORD weitgehend. Aus dem Freund Türkei ist der Feind Türkei geworden. Jordaniens König Abdallah II. lässt den Nachbar Israel gewähren. Aber der zerrissene Irak mit seiner schiitischen, verdeckt pro-persischen Mehrheit ist heutzutage ein unsicherer Kantonist. ZENTRAL ist ungewiss.

Nichts steht SÜD entgegen. Riad ist Teherans arabischer Hauptfeind. Namentlich von Nevatim im Negev aus hemmt der Südbogen die Luftwaffe nicht entscheidend. Als die El Al 2020 erstmals nach Abu Dhabi, Dubai und al-Manama flog, öffnete Saudi-Arabien den Luftraum bereitwillig.

In Nevatim stationiert Israels Generalstab die beiden F-35I-Adir-Staffeln 140/114 und ansehnliche F-16I-Sufa-Kräfte. F-35 und F-16 bilden mit F15I-Raam das Rückgrat einer jeden israelischen Luftoffensive.

Aufklärung, Auftanken, Landerechte, CSAR

Im Support werden auch Bahrain und die Emirate Zurückhaltung üben. Ihre Luftstützpunkte Isa bei al-Manama und al-Dhafra südlich Abu Dhabi könnten der israelischen Luftwaffe helfen. Doch würde Iran Landerechte für den zionistischen Gegner als feindliche Massnahme einstufen und ahnden.

Zum Auftanken setzt Israel seine sechs alten K-707 ein. Ob das reicht? In Trumps vier Amtsjahren rechnete Israel mit der Hilfe der mächtigen amerikanischen Tankerflotte. Unter Biden ist dieser Support wieder so ungewiss wie unter Obama.

Gilt das auch für die Aufklärung? Satelliten und AWACS arbeiten diskreter. Da könnten die USA verborgener helfen als mit ihren massiven KC-46-Tankern. Zudem hat Israel seine Ofek-Satelliten; und die F-35-Patrouille, die Irans strategisches Dreieck aufklärte, ohne vom gegnerischen Radar erfasst zu werden, bewies, was die beiden F-35-Staffeln zu leisten vermögen

Bleibt CSAR: Combat Search and Rescue. Ein israelischer Generalmajor sagt: „Nichts fürchten wir mehr, als wenn Ayatollas einen unseren Piloten gefangen durch die Strassen von Teheran zerren.“ Die Bilder vom amerikanischen Black-Hawk-Piloten in Mogadishu 1993 haben sich auch im Orient eingeprägt. Sollte sich ein Israeli am Fallschirm retten, wäre Israel wohl auf sich allein gestellt.

Doch als leise agierende Standorte am Golf könnten Bahrain und die Emirate hilfreich sein.