Wagner-Söldner vor Mali-Einsatz?

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Wagner-Soldaten auf russischem Panzer.

Armee Wagner im Donbass.

An brisanten Fronten setzen Grossmächte Söldner ein. Söldner lassen sich verleugnen, Söldner sterben anonym, Söldner erscheinen in keiner Gefallenen-Statistik. Söldner belasten amtlich kein Budget und keine Rechnung. Zwischen Weihnachten 2021 und Neujahr 2022 erregt die bekannteste Söldnertruppe überhaupt, die russische Wagner-Gruppe, im westafrikanischen Kriegsstaat Mali Aufsehen.

Offenbar steht in Mali der Einsatz der Wagner-Söldner bevor. In europäischen Hauptstädten und in Ottawa schrillen die Alarmglocken. 15 Nationen beteiligen sich an internationalen Missionen in Mali. Bereits verurteilten sie die Stationierung der Söldner in Westafrika. Der russischen Regierung werfen sie vor, sie unterstütze das Engagement der effizienten, jedoch berüchtigten Söldner. In der sogenannten “Armee Wagner” dienen ex-Kader und -Soldaten russischer Spezialkräfte wie der Speznaz. Die Gruppe kooperiert eng mit dem GRU, dem Geheimdienst der russischen Streitkräfte. Ihr Gründer war 2014 der Speznaz-Oberst Dmitry Utkin, ein Vertrauter des Präsidenten Putin. Die Speznaz unterstehen als Spezialkraft dem GRU. Ein offizielles Bild mit Putin zeigt Utkin, wie er in Zivil vier Tapferkeitsorden trägt.

Gruppenbild mit Präsident Putin (Mitte) und Oberst Dmitri Utkin (ganz rechts, gross gewachsen).

Der Speznaz-Oberst Dmitri Utkin.

  • Utkin trug als Speznaz einen nom de guerre, einen Code, einen Kampfnamen: “Wagner”, in Anspielung auf den deutschen Komponisten. Er übertrug seinen Decknamen auf die Söldner-Armee, die seither mit dem Schöpfer des Rings, der Meistersinger, des fliegenden Holländers und anderer Meisterwerke in den Krieg zieht.

Scharfer Protest von 15 Nationen

Die Erklärung der 15 Nationen Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Kanada, Litauen, Niederlande, Norwegen, Portugal, Rumänen, Tschechien und Schweden wurde am 23. Dezember 2021 veröffentlicht. Grundlegende Passagen lauten:

  • “Wir als internationalen Partner, die dem Frieden in Mali verpflichtet sind, verurteilen in aller Form die Stationierung von Söldnertruppen auf malischem Territorium.”
  • “Diese Entwicklung kann die Sicherheitslage in Westafrika weiter verschärfen und gefährdet das Algier-Abkommen über Frieden und Versöhnung in Mali.”
  • “Wir bedauern zutiefst, dass Mali ohnehin spärliche Mittler für Söldner ausgibt, statt dass die malischen Streitkräfte unterstützt werden.”
  • “Wir sind uns der Involvierung der russischen Regierung bewusst. Diese unterstützt die Wagner-Gruppe materiell. Wir appellieren an Russland, zu einem verantwortungsbewussten und konstruktiven Benehmen in der Region zurückzukehren.”

Russische Frachter bringen Kriegsgerät

Das Augenmerk richtet sich auf die malische Hauptstadt Bamako. Auf dem Flughafen von Bamako werden im Eilempo militärische Anlagen errichtet. Diese sollen einen grossen Bestand an Söldnern aufnehmen. Die russischen Streitkräfte sollen ihre beträchtliche Lufttransport-Kapazität dazu einsetzen, der Wagner-Gruppe Material, auch schwere Waffen, nachzuführen. Wagner-“Offiziere” sollen die Ankunft und Verteilung des Kriegsgeräts überwachen. 

  • In Berlin stellte schon am 15. September 2021 die damalige Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) das Mali-Engegament deutscher Kader und Soldaten in Frage: “Sollte sich die Zusammenarbeit von Mali mit russischen Söldnergruppen bestätigen, müssten wir gemeinsam mit dem Bundestag die Konsequenzen ziehen.”
  • Christine Lambrecht, die Nachfolgerin von AKK, stellt eine Überprüfung der deutschen Beteiligung an der europäischen Mali-Mission und eine Verlegung des deutschen Kontingents in ein anderes Land in Aussicht.

In keinem anderen Land stellt Deutschland mehr Truppen als in Mali: 1’100 in der UNO-Friedensmission MINUSMA und 300 in der Ausbildung malischer Soldaten. MINUSMA gilt als der gefährlichste Einsatz der UNO überhaupt. Seit 2013 kamen fast 250 UNO-Soldaten ums Leben. Aus Hinterhalten attackieren islamistische Kämpfer die Blauhelme.

 

Es folgt das Dementi der malischen Übergangsverwaltung vom 24. Dezember 2021