Vertrauen zerstört > scharfe Kontrollen

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Foto der türkischen Armee: Die “Razoni” verlässt Odessa.

Siehe auch > Ende der Blockade > 26’000 Tonnen Mais

Die Verhandlungen in der Türkei zogen sich aus militärischem Grund in die Länge. Bis die Details zum Kontrollregime und der Sicherheit des Korridors vereinbart waren, verging viel Zeit. Zwischen Russland und der Ukraine ist das Verhältnis in einem Ausmass vergiftet, das selbst in einem blutigen Krieg ungewöhnlich ist. Keine der beiden Parteien traut der anderen über den Weg.
  •  Was die Blockade betrifft, verdächtigen die Russen den Gegner, die Frachter würden für den Waffentransport missbraucht. Einerseits könnte die Ukraine auf den zurückkehrenden Schiffen westliche Waffen nach Odessa, Berdjansk und Mariupol schmuggeln. Anderseits gebe es, behauptet Moskau, korrupte Ukrainer, die den Waffenramsch, den der Ukraine gewisse Osteuropäer liefern, via auslaufende Getreideschiffe abstossen könnten.
  • Ehemalige Warschau-Pakt-Armeen hätten ihre Uralt-Depots geleert und den Verbündeten Waffen in unbrauchbarem Zustand geliefert. Die Gefahr bestehe, dass diese auf dem verbreiteten Schwarzen Markt in falsche Hände gerieten. Terrorbanden und die Organisierte Kriminalität warteten nur auf solches Kriegsgerät. Nur scharfe Kontrollen durch die Türkei könne den Missbrauch des Korridors verhindern.
  • Die Ukrainer wiederum bekunden Mühe mit dem Durchlass für die zivilen Schiffe. Sie selber haben die Zufahrt nach Odessa schwer vermint. Und sie trauen den Russen nicht, was die enge, heikle Passage aus dem Golf von Odessa angeht.

So ist zu hoffen, dass die Fahrt der “Razoni” gut verläuft: dass sie den Bosporus heil erreicht und über die türkischen Meerengen zügig in die Ägäis gelangt. Im östlichen Mittelmeer wartet dann die US Navy, die ihre Präsenz dort verstärkt hat – wie die russische Marine mit Einheiten de Pazifikflotte, basierend auf dem Hafen Tartus in Syrien.

Wenn sich der Getreide-Export gut entwickelt, könnte das – gemäss OSZE-Vokabular – eine “vertrauensbildende Massnahme” sein; hoffen zwar nur die allergrössten Optimisten.