USA legen Irans fähigsten General um

Chatprotokoll

 

General Kassem Soleimani (irg).

Der Tod ereilte Soleimani mitten Bagdad.

Im Mittleren Osten beginnt 2020 mit einem gewaltigen Donnerschlag. In der Nacht zum 3. Januar töteten die USA in Bagdad den iranischen Generalmajor Kassem Soleimani, den fähigsten Befehlshaber der ganzen Region (die israelischen Top-Generale ausgenommen).

Die CIA hatte Soleimanis Standort aufgeklärt. Die USA setzten eine Reaper-MQ-9-Drohne ein und legten den Generalmajor mit zwei Hellfire-Raketen um. Auf der Fahrt zum Flughafen Bagdad starben mit Soleimani mehrere Begleiter, unter ihnen der Führer einer der schiitischen Milizen in Irak.

Mitte sitzend Khamenei, rechts von ihm (Hand aufs Herz) Soleimani.

  • Der 62-jährige Soleimani führte in Irak, Syrien und Libanon das gefürchtete al-Quds-Korps der iranischen Revolutionswächter.
  • Als Chef der besten Pasdaran zählte er in Teheran unter dem geistlichen Führer Ali Khamenei zum innersten Machtzirkel.
  • Er war es, der im Sommer 2015 in Moskau die russisch-iranische Militärkooperation einfädelte, die vom 30. September 2015 an das Regime des syrischen Kriegsverbrechers al-Asad rettete.
  • Soleimani trug entscheidend zur militärischen und territorialen Zerstörung des ISIS bei. Mit den Kurden trugen die Pasdaran und die Hisbollah die Hauptlast des Bodenkriegs gegen den Islamischen Staat.
  • Auch die starke Leistung der Houthi-Rebellen im Yemen geht auf Soleimani zurück.
  • Im Krieg gegen Saddam Husseins Irak 1980–1988 übernahm der operativ begabte Soleimani als 28-Jähriger die 41. Sarallah Division, die zentrale Frontabschnitte hielt.
  • Für Teheran bedeutet Soleimans Tod einen brutalen Rückschlag. Auch wenn der amerikanische Aussenminister Pompeo beteuert, die USA wollten keinen Krieg,eskaliert der Konflikt am Persischen Golf weiter. In irgendeiner Form wird Iran den Anschlag auf den Spitzengeneral rächen.
  • Bereits am 3. Januar 2020 kündigte Grossayatollah Khamenei gnadenlose Vergeltung an.

Soleimani (mit Vollbart) gehörte zum innersten Machtzirkel.

Wer war Kassem Soleimani?

Man nannte ihn den „Schatten“. Kassem Soleimani war einer der mächtigsten Männer im Nahen Osten und gleichzeitig der grosse Unbekannte. Bis zu seiner Tätung arbeitete der Generalmajor der iranischen Revolutionsgarden und Befehlshaber der Al-Quds-Elite-Brigade daran, den Einfluss des Iran in der Region zu stärken.

Soleimani war ein brutaler Extremist und treuer Gefolgsmann des iranischen Regimes. Er half in Syrien bei der Niederschlagung des Aufstands gegen den Diktator al-Asad und führte Terroristen, im ganzen Nahen Osten Menschen töteten. Er unterstand unmittelbar dem geistlichen Revolutionsführer Ajatollah Ali Khamenei und hatte freie Hand für die Unterstützung der Hisbollah im Libanon oder der pro-iranischen Milizen im Irak.

Iranischer Nationalheld

Doch Soleimani war für viele auch ein iranischer Nationalheld, der beim Sieg über den Islamischen Staat im Bodenkrieg die entscheidende Rolle spielte.

Der CIA-Agent John Maguire urteilt, Soleimani sei „der mächtigste Einzelakteur im Nahen Osten. Und niemand kennt ihn.“ Der britische Guardian bezeichnet Soleimani als wichtigsten Drahtzieher des Nahen Ostens.

Schlüsselfigur der Nahost-Strategie

Soleimani war nicht nur ein Vollstrecker, sondern auch ein strategischer Kopf. 2019 kürte ihn das Magazin Foreign Policy zum weltweit führenden Militärdenker.

Der charismatische Offizier mit dem graumelierten Vollbart war die Schlüsselfigur der aggressiven iranischen Nahost-Strategie. Es gelang ihm, den Einfluss des Iran im Irak und Syrien auszuweiten, den libanesischen Verbündeten Hisbollah zu stärken und die anti-saudischen Houthi-Rebellen im Jemen aufzurüsten.

Soleimani in einer seiner vielen Verkleidungen.

Soleimanis Weltsicht wurde durch den – vom Westen unterstützten – Krieg des Irak gegen den Iran 1980–1988 geprägt, den er als junger Offizier und Kommandant erlebte.

Der unentschiedene Krieg ist ein nationales Trauma für die Iraner. Sie mussten damals erleben, dass der irakische Diktator Saddam Hussein bei seinem Angriff auf ihr Land für Milliarden Waffen aus den USA erhielt. Soleimani hatte sich in der iranischen Revolution von 1979 den Revolutionsgarden angeschlossen. Er kämpfte an der Front acht Jahre lang gegen Irak.

Die Erinnerung an den Krieg, bei dem rund 500’000 Iraner starben, ist einer der Gründe für die iranische Einmischung beim Nachbarn: Der Iran will sicherstellen, dass er nie wieder vom Irak angegriffen wird. Die Iran-feindliche Nahost-Politik der USA hat die Gegnerschaft zu Washington zementiert.

Soleimanis Warnung von 2018 – an Trump

Soleimanis Tod ist ein schwerer Rückschlag für das Regime in Teheran, doch die iranischen Revolutionsgarden werden durch den Verlust angespornt, weiter gegen den Westen zu kämpfen. Anderthalb Jahre vor seiner Ermordung hatte Soleimani im Sommer 2018 eine Warnung an die amerikanische Regierung geschickt, die heute wie ein Auftrag an seine Nachfolger in Teheran wirkt: Amerika werde den Krieg vielleicht beginnen, aber der Iran werde ihn gewinnen, sagte Soleimani damals an die Amerikaner gerichtet. „Wir sind bereit.“

Soleimani beherrschte alles – 2019 an einer islamischen Feier.

 

Trump: “Verantwortlich für den Tod von Millionen”

Präsident Trump äusserte sich auf Twitter am 3. Januar 2020 wie folgt:

“General Qassem Soleimani has killed or badly wounded thousands of Americans over an extended period of time, and was plotting to kill many more…but got caught! He was directly and indirectly responsible for the death of millions of people, including the recent large number of PROTESTERS killed in Iran itself. While Iran will never be able to properly admit it, Soleimani was both hated and feared within the country. They are not nearly as saddened as the leaders will let the outside world believe. He should have been taken out many years ago!”

Trump: “Wir hätten ihn schon früher töten müssen.” (wh).

Präsident Trump persönlich traf die Entscheidung, Soleimani auszuschalten. Der General habe viele US-Bürger töten wollen. Außenminister Pompeo spricht von einem “Akt der Selbstverteidigung”.

Trump twitterte, der Befehlshaber der iranischen Quds-Brigaden sei für den Tod einer “grossen Zahl von Demonstranten” im Irak und die Ermordung von “Tausenden US-Bürgern” über einen langen Zeitraum verantwortlich gewesen. Soleimani habe geplant, “noch viele weitere zu töten – aber er wurde erwischt!” Er hätte schon “vor vielen Jahren” getötet werden müssen, so Trump – eine Anspielung auf das Verhalten seiner Vorgänger Barack Obama und George W. Bush, die vor der Liquidierung Soleimanis stets zurückschreckten.

Pompeo: “Soleimani plante Angriff auf US-Bürger”.

Kurz zuvor hatte Aussenminister Mike Pompeo ebenfalls von einem unmittelbar bevorstehenden Angriff gesprochen, bei dem zahlreiche Amerikaner getötet werden sollten. Der Angriff hätte “Dutzende, vielleicht sogar Hunderte Leben von US-Bürgern in Gefahr gebracht”, sagte Pompeo unter Verweis auf Geheimdienste. “Wir wussten, dass es unmittelbar bevorstand”, sagte Pompeo. Die Tötung Soleimanis sei ein “Akt der Selbstverteidigung” gewesen.

Pompeo schloss sich aber auch der Aufforderung mehrerer Länder zur “Deeskalation” an: Iran solle sich wie ein normales Land verhalten und keine Terroristen in der ganzen Region unterstützen, sagte Pompeo: “Wir wollen keinen Krieg mit Iran.”

Die USA würden Provokationen Irans aber nicht unbeantwortet lassen. Der Militäreinsatz sei “komplett legal” und “strategisch richtig” gewesen. “Die Abwesenheit von Qasem Soleimani ist ein Segen für diese Region”, sagte Pompeo.

Stärkt der Militärschlag Trump im Wahlkampf?

Als Präsident Trump nach dem Abschuss einer US Drohne Global Hawk den Vergeltungsschlag zehn Minuten vor dem Angriffsbefehl abbrach, machte er sich unter den Falken in der eigenen Republikanischen Partei nicht nur Freunde. Sie warfen ihm seinen Zick-Zack-Kurs in Mittelost offen vor > jetzt “bedient” Trump sozusagen den harten rechten Flügel seiner Anhängerschaft erneut mit einem spektakulären Militärschlag > kurz nach dem Überfall auf den ISIS-“Kalifen” Abu Bakr al-Bagdhadi (ABB), der sich nach dem Angriff von Special Forces in die Luft sprengte.