US Artillery 2 – Taktisch über 70 km

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Siehe auch > US Artillery – vorwärts mit Hyperschall!

Die Panzerhaubitze M109A6 Paladin.

Die amerikanische Artillerie holt auch im taktischen Feuer auf:

  • Sie steigert die Reichweite ihrer konventionellen Geschütze von knapp 40 auf über 70 Kilometer.
  • Sie setzt die GPS-gelenkte M982-155-mm-Granate Excalibur und das ältere Laser-gesteuerte M712-Geschoss Copperhead ein, ebenfalls vom Kaliber 155 mm.

Im Kern der Erneuerung steht ein bewährtes Konzept, das die Amerikaner MDO nennen: Multi-domain operations. Das ist nichts anderes als der Kampf der verbundenen Waffen, wie ihn im Kalten Krieg auch die Schweizer Armee entwickelte.

Robust gegen den Warschau-Pakt

Vor 1989 konzentrierte sich Amerikas robuste Artillerie entlang des Eisernen Vorhangs gegen den Warschau-Pakt (WAPA). Ihre 105-mm, 155-mm- und 8-inch-Waffen waren schwergewichtig in der Bundesrepublik Deutschland gegen Osten gerichtet.

Mit dem 8-inch-Geschütz ist die redoutable 203-mm-Kanone gemeint, die ihre schweren Granaten 32 Kilometer feuerte. Auch Israel setzte sie auf Raupen mit verheerender Wirkung gegen arabische Angreifer ein.

Schon vor der Zeitenwende von 1989 kam die amerikanische Artillerie gezogen und selbstfahrend daher. Die Batterien mit 155- und 203-mm-Geschützen hielten sich zum konventionellen und nuklearen Feuer bereit.

Die US Artillery besass zudem politisch bedeutsame, atomar einsetzbare Raketen. Die Lance reichte 75 Meilen (121 Kilometer) weit, die zweistufige Pershing 460 Meilen (740 Kilometer). 1982 stationierte das Heer auch den Mehrfachraketenwerfer mit einer Einsatzdistanz von 165 Meilen (266 Kilometer).

Allerdings war die NATO-Artillerie der Massierung von WAPA-Geschützen numerisch unterlegen. Die Ostarmeen standen in der Tradition der Sowjetunion, deren Rote Armee die deutsche Wehrmacht mit überlegenem Artilleriefeuer schwer dezimiert hatte.

Die 8-inch-Kanone, das schwere 203-mm-Geschütz mit 32 Kilometern Einsatzdistanz.

Die verlorenen Jahrzehnte 

Im Zeichen der unseligen “Friedensdividende” baute die Clinton-Regierung Amerikas Artillerie sträftlich ab. 1989 umfasste die US Artillery 218 Bataillone (96 Army, 17 Reserve, 105 Naztionalgarde) und 38 selbständige Batterien in den gepanzerten Kavallerieregimentern (Kavallerie ist der überkommene Code für Aufklärung).

Am Übergang von Präsident Clinton zu George W. Bush war die Artillerie auf 141 Bataillone und 22 eigenständige Batterien geschrumpft. Die Reserveformation hatte im Pentagon Clintons Minister Les Aspin zu 100% aufgelöst. Gravierender noch: Er unterband auch die Modernisierung des Systems Artillerie.

Noch unter Präsident George H. Bush hatten die USA und ihre Alliierten die rückständige Armee des irakischen Gewaltherrschers Saddam Hussein besiegt. Der Erfolg in der Arabischen Wüste bestärkte die Bremser in ihrer Auffassung, es brauche in der Artillerie keine Erneuerung. Der zweite Bush und Barack Obama führten Clintons fehlerhafte Politik fort:

  • 2002 brach er das Projekt “CRUSADER” ab. In die moderne Panzerhaubitze waren schon 11 Milliarden $ investiert worden.
  • 2009 stellte die Obama-Administration das Vorhaben “FCS” ein. Dieses Projekt sollte das Heer umfassend erneuern.
  • Angedacht waren der Ersatz der M-2-Bradley Schützenpanzer, der M-1-Abrams Kampfpanzer und der M109A6-Paladin-Panzerhaubitze. Die M-2, M-1 und M109 bildeten das Rückgrat der Kampf- und Feuerkraft der US Army.

Das Projekt XM1203 NLOS-C, von Obama schubladisiert.

  • Die XM1203-NLOS-C-155-mm-Panzerhaubitze sollte die M-109-Geschütze aus den 1960er-Jahren ersetzen. Der Prototyp zeigt eine in jeder Hinsicht erneuerte Artilleriewaffe. Mit einem Federstrich beendete Obama das fortgeschrittene Projekt.

Kampfgruppen  besitzen 18 Rohre

2009 seufzte ein Waffenexperte: “Die Streichung des FCS-Projektes wirft das Heer um eine Generation zurück. Obama verpasst die Chance, die Panzer- und Artilleriewaffe der Army rechtzeitig zu erneuern.”

Seit 2017 holte Amerikas taktische Artillerie wieder auf. Im Heer zählt die dringend nötige Modernisierung des weitreichenden Feuers zu den Kernprojekten. Als Grundlage dienen die Anforderungen der Kampftruppen. Jede Brigade-Kampfgruppe (BCT) verfügt organischen über ein Feldartilleriebataillon von 18 Geschützen, gegliedert in drei Geschützbatterien mit je sechs Rohren.

Die gezogene M119-105-mm-Haubitze.

  • Die Brigade-Kampfgruppe der Infanterie verfügt über zwei M119-105-mm-Batterien und eine M777-155-mm-Batterie.
  • Die Brigade-Kampfgruppe der Stryker besitzt drei M777-Batterien.
  • Die Brigade-Kampfgruppe der Panzer führt drei selbstfahrende Batterien M109A6-Paladin-Batterien ins Gefecht, Kaliber 155 mm.

Die gezogene M777-155-mm-Haubitze.

Als letztes selbstfahrendes Geschütz bleibt die Panzerhaubitze M109A6-Paladin. M-109-Batterien versehen ihren Dienst seit gut einem halben Jahrhundert. Sie wurden immer wieder kawestiert.

Ursprünglich entwickelte und produzierte United Defense LP das Geschütz. Jetzt baut BAE Systems Land and Armaments die neueste Version M109A7 und stellt diese  im Paladin Production Operation centre in Chambersburg, Pennsylvania, her.

Die Panzerhaubitze M-109A7 Paladin, 155 mm.

Das 155-mm-Geschütz M-109A7 Paladin hat mit der Panzerhaubitze M109 der 1960er-Jahre nicht mehr viel gemein. Kawestiert wird die Kanone, die Verlässlichkeit und die Mobilität. BAE steigerte die Leistung auch beim Munitionsfahrzeug M992A3, das analog zum Bradley einen neuen Rumpf erhielt.