US Artillerie – 550 km? 1’850 km? 2’250 km?

Standard

 

Testschiessen der BAE-Kanone auf M-109 auf 64,3 km.

Von den potentiellen Kriegsgegnern der USA bauten mehrere dichte Luftabwehrschirme. Russland, China und Iran besitzen Fliegerabwehrsysteme, die selbst der amerikanischen Luftwaffe das Eindringen schwer machen. Weitreichende Artilleriefeuer gehört darum im Heer zu den sechs Säulen der Zukunft.

  • Der Fachbegriff lautet Long Range Precision Fires (LRPF), Präzisionsfeuer auf lange Distanzen. Teils hat diese Waffe nichts mehr mit der herkömmlichen Artillerie und ihren Flächenzielen (zum Beispiel 400 x 200 Meter) auf Distanzen von 18–21 Kilometer zu tun.
  • Vielmehr geht es um hochpräzise Geschosse – Raketen, nicht mehr einfach “dumme” Granaten – und Reichweiten von Hunderten Kilometer.
  • Technisch ist der amerikanischen Artillerie viel zuzutrauen. Wenn die US Fachpresse inzwischen von einem Rohrgeschütz berichtet, dass 1’850 Kilometer weit reichen soll, dann ist das von der Konstruktion her vermutlich nicht gleich von der Hand zu weisen; die Frage lautet nur: Wie teuer kommt ein solches System im Einsatz zu stehen? Namentlich die Munition, die über derart futuristische Distanzen immer noch auf wenige Meter präzis einschlagen soll, wird kosten.

Der bestehende Verbund

Mit dem Säulen-Projekt LRPF ergänzt das Heer den bestehenden Artillerieverbund, der umfasst:

  • Gezogene 155-mm-Haubitzen M777
  • 155-mm-Panzerhaubitze M-109 Paladin
  • Raketensystem M270 MLRS
  • Hochmobiles Mehrfachraketensystem HIMARS

Neue realistische Projekte

  • Der Kawestierung der 155-mm-Rohrartillerie gilt das Vorhaben Extended Range Canon (ERCA). BAE Systems liefert eine neue 155-mm-Kanone von 58 Kaliberlängen, was eine Rohrlänge von 8,99 Metern ergibt. Am 6. März 2020 erprobte die amerikanische Artillerie die Kanone auf einem M-109A7-Träger (auf Kette).
  • Angestrebt wird eine neue Reichweite im Bereich von 60–80 Kilometern. Verschossen wurde im März das XM1113-Geschoss auf ein Doppelziel in 64,3 Kilometern Entfernung. Beide Ziele wurden zerstört.

Test der Artillerierakete PrSM von HIMARS auf 240 km.

  • Die Einsatzdistanz von 499–550 Kilometer strebt das Projekt Precision Strike Missile (PrSM) an. Die Artillerierakete war ursprünglich für eine Reichweite von 499 Kilometer geplant. Kenner des INF-Vertrages merken sofort: Die USA respektierten das Abkommen, das in Europa Atomwaffen verbietet,  die 500 Kilometer oder weiter reichen. Neu werden 550 Kilometer angepeilt.
  • Hersteller ist Lockheed Martin. Der Konkurrent Raytheon zog seine Offerte zurück. Die Versuchsschiessen reichten bis von 85 bis 240 Kilometern. Die 85 Kilometer werden als minimale Einsatzdistanz genannt.

Zukunftsmusik über 1’000 Kilometer hinweg

  • Die US Army stellte im Oktober 2017 den Ansatz vor, es sei ein Rohrgeschütz zu bauen, das gegnerische Ziele bis 1’850 Kilometer genau bekämpft – die Strategic Long Range Cannon (SLRC), die strategische Langdistanz-Kanone. Die Artillerie rechnet mit Prototypen im Jahr 2023.
  • Noch kühner mutet das Vorhaben Long Range Hypersonic Weapon (LRHW) an, eine Hyperschallwaffe über 2’250 Kilometer hinweg. Sie soll Mach 5+ erreichen und von den genannten potentiellen Feinden Russland und China nicht abgeschossen werden.

Fazit

  • Im ganzen 20. Jahrhundert vertraute die amerikanische Führung ihrer starken Artillerie – im Einklang mit der Sowjetunion und Russland, die in allen Kriegen traditionell viele und starke Rohre einsetzten.
  • In den 1960er-Jahren traten die USA mit der Panzerhauibitze M-109 an die Spitze des Fortschritts.
  • Das Säulenprojekt Langdistanz-Feuer belegt: Die US Army setzt auch im 21. Jahrhundert auf eine moderne, präzise, weitreichende Artillerie mit zeitgemässer Beobachtung, Feuerführung und -leitung.

 


Achtung: Die Distanzen sind in Meilen angegeben!

 

Bilderbogen aus der US Fachpresee

General John Murray, Chef des Sechs-Säulen-Programms des Heeres.

Der Erzfeind Iran.

M777 mit neuem Langrohr.

Deutschland 1942: Der “Schwere Gustav”.