Umfassung 4, 3, 2, 1 – oder gar keine?

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Grafisch begingen die Autoren der folgenden Karte eine Todsünde: Sie vermischten für Russland die beiden taktischen Grundfarben Rot und Blau. Auch die blauen Pfeile sind russisch, nicht etwa ukrainisch. Aber inhaltlich hat es das Werk in sich. Es schildert anschaulich, was die Gelehrten vom März 2022 an zur russischen Donbass-Umfassung prophezeiten.

Die Karte stammt aus einem amerikanischen Dienst und belegt, wie die Ambitionen der Propheten immer kleiner wurden.

  • Im März 2022 die ganz grosse Umfassung von Charkow im Norden und Saporischja im Süden aus.
  • Im April 2022 die immer noch anspruchsvolle Umfassung vom Frontvorsprung Izjum und vom Oblast Donezk aus.
  • Im Mai 2022 noch eine mittlere Umfassung, ausgehend von Izjum und Portykva.
  • Und, im Sinn einer Prognose, im Juni 2022 die kleine Umfassung zwischen Lyman und Popasna.

Die Ideen beruhen auf der Annahme: Die russische Führung scheut den verlustreichen Kampf in Sewerodonezk und Lysychansk. Sie zieht es vor, die Provinz Lugansk weit- oder engräumig einzuschliessen. Jetzt aber kommen Meldungen von Strassenkämpfen in Severodonezk. Selbst der ukrainische Gouverneur der Provinz berichtet, die Russen hätten die Stadtmitte erreicht. Sie schrecken vor dem Kampf im überbauten Gelände (KIUG) nicht mehr zurück.

  • Brauchen die Angreifer am Ende die Umfassung gar nicht? Begnügen sie sich mit den Ruinen von Severodonezk und der Eroberung der Schwesterstadt Lysychansk?
  • Oder wollen sie die Besetzung des ganzen Oblast Lugansk doch noch arrondieren? Entlang den Juni- oder Mai-Pfeilen?
  • Oder beunruhigen sie die ukrainischen Erfolge an der Dnjeprmündung bei Cherson? Wo sie doch die Stadt und die Provinz Cherson zu russifizieren suchen – mit Rubel, Pässen und der Sprache? Mit militärischen Worten: Müssen sie Kampfverbände an den unteren Dnjepr verlegen, um dort die Front zu stabilisieren?

Situation à suivre …